Das Land, in dem 2017 kein einziger Mord passierte

Es gibt es wirklich! Das Land, in dem ein ganzes Jahr lang kein einziger Mord registriert wurde. Das Land von dem wir reden, hat nur etwa so viele Einwohner wie die Stadt Stendal in Sachsen-Anhalt. Die Nationalspeise ist der Ribel, ein Gericht aus Maismehl oder Weizengriess. Ein Fürst regiert das kriminalitätsschwache Ländchen und es erstreckt sich über eine Fläche von 160.000 Quadratkilometern. Hier – zwischen Österreich und der Schweiz –  bezahlt man noch mit Schweizer Franken. Das gesuchte Land ist Liechtenstein!

Die Landespolizei Liechtenstein veröffentlicht – genauso wie die BRD – jedes Jahr einen Jahresbericht der Polizei, in dem die Kriminalität des Landes bzw. die im jeweiligen Jahr registrierten Straftaten dargestellt werden. Die Statistik für das Jahr 2017 erfasst exakt 1.006 Straftaten. Damit ging die Kriminalität im Vergleich zum Folgejahr sogar um weitere 16 % zurück. Die Aufklärungsrate ist gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 70% gestiegen. Zum Vergleich: In Deutschland weist die polizeiliche Kriminalstatistik für das  Jahr 2017 insgesamt 5.761.984 Straftaten aus. Auch hier ist – entgegen der allgemeineren Stimmung in der Bevölkerung – seit Jahren ein Rückgang zu verzeichnen.

Das verblüffende an der Statistik aus Liechtenstein ist aber eindeutig die quasi nicht existierenden Zahlen zur Gewaltkriminalität. Insgesamt registriert die Statistik nur 199 Gewaltdelikte. Bei den Tötungsdelikten gab es nur einen einzigen Tatbestand zu verzeichnen, da die Landespolizei in einem Fall von schwerer häuslicher Gewalt eine Anzeige wegen versuchten Mordes erstattete. Das Fürstlichen Landgericht verurteilte den Angeklagten schließlich wegen Körperverletzung. In die Statistik schaffte es also kein einziger Mord. Nicht mal ein versuchter. Zu den häufigsten Delikten gehören die Vermögenstatbestände mit 428 Fällen und die Drogendelikte mit 490 Fällen.

Gefängnis steht quasi leer

Im Berichtsjahr waren im einzigen Landesgefängnis in Vaduz insgesamt 73 Personen inhaftiert,  dies ist eine Person mehr als im Vorjahr. Der größte Teil der Häftlinge waren Männer, während lediglich vier Frauen inhaftiert waren. Das Land weist so wenig Kriminalität auf, das sich der Betrieb des einzigen Gefängnisses kaum noch lohnt. In Vanduz können bereits jetzt die gesetzlichen Anforderungen an einen Strafvollzug nicht mehr vollumfänglich erfüllt werden. Aufgrund des Staatsvertrages mit Österreich aus dem Jahr 1983 werden Freiheitsstrafen verurteilter Straftäter primär in österreichischen Strafvollzugsanstalten verbüßt.

Zu Vergleich dazu verbüßten in den 180 Gefängnissen in Deutschland im Jahr 2017 insgesamt 64.351 Straftäter ihre Freiheitsstrafe. Davon befanden sich 13.963 Personen in Untersuchungshaft. Um fair zu sein, ist es nicht verwunderlich, dass die absoluten Zahlen bei 82,6 Millionen Einwohnern höher sind als bei einem Land mit gerade einmal 38.111 Einwohnern.

Todesstrafe bis 1977 möglich

Dafür sind die Zeiten der Todesstrafe in Liechtenstein noch gar nicht so lange her. Das letzte Todesurteil verhängte ein Gericht im Jahr 1977. Der mehrfache Mord hatte das Land erschüttert. Am 10. November 1976 hatte ein Familienvater seine Frau und zwei seiner Kinder erschossen. Das dritte Kind überlebte schwer verletzt. Die Familientragödie wurde von den Medien damals als „größter Kriminalfall Liechtensteins seit dem 2. Weltkrieg“ bezeichnet.

Die Todesstrafe wurde jedoch nie vollstreckt. Der Landesfürst begnadigte den dreifachen Mörder: „Der regierende Fürst Franz Joseph der II. hat mit Entschließung vom 20.11.1979 gemäß Art. 12 der liechtensteinischen Verfassung die über den Täter rechtskräftig verhängte Todesstrafe im Gnadenwege in Berücksichtigung der gegebenen Umstände in 15 Jahre schweren Kerker umgewendet.“

Zwischen 1945 und 1951 wurden die letzten Todesurteile im Gebiet der späteren Bundesrepublik Deutschland vollstreckt. Die meisten davon im Rahmen der Nürnberger Prozesse gegen Vertreter des NS-Regimes. Als Letzten richteten westdeutsche Behörden am 18. Februar 1949 in Tübingen den 28-jährigen Mörder Richard Schuh hin, dessen Begnadigung der damalige Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern abgelehnt hatte.


Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 in Deutschland: https://www.bmi.bund.de/
Fundstelle: https://www.landespolizei.li/
Fundstelle: https://www.llv.li/

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