Brüder werden 20 Jahre nach Kindermord entlastet

Bereits 1998 wurde der damals vierjährige Kevin Kjalmarsson in Schweden tot an einem See aufgefunden. Zwei damals fünf und sieben Jahre alte Brüder wurden als Täter identifiziert. 20 Jahre später rollt die Polizei den Kindermord neu auf und bestätigt deren Unschuld.

Am 16. August 1998 verschwand der vierjährige Kevin Hjalmarsson in der schwedischen Kleinstadt Arvika. Die Familie suchte die Umgebung nach dem Kind ab bis Kevins Großvater dessen leblosen Körper auf dem Steg des nahegelegenen Glafsfjorden-Sees fand. Der Junge war mit einem Ast erstickt worden. Wie sein Körper an den See transportiert wurde, ist nicht bekannt. Es gab keine Bremsspuren am Boden oder an Kevins Körper. Die Polizei ermittelte in alle Richtungen und gab Ende 1998 bekannt, dass man davon ausgehe, dass der Kindermord von zwei fünf und sieben Jahre alten Brüdern begangen worden war.

Die Polizei befragte Robin und Christian mehrmals. Erst Jahre später kam heraus, dass die angewendeten Verhörmethoden dabei sehr fragwürdig waren. Unter anderem wurden die Jungen ohne ihre Eltern und ohne einen Rechtsbeistand verhört. Um die 30 Mal mussten die Kinder auf die Polizeistation kommen, bis sie schließlich sagten, Kevin getötet zu haben.  Da die beiden Kinder jünger als 15 Jahre alt waren, waren sie nach schwedischem Recht nicht strafmündig. Robin und Christian wurden deswegen in einem Heim untergebracht. Erst viele Jahre später, weil alle staatlichen Bemühungen fehlschlugen und keine Pflegeeltern gefunden werden konnten, wurden die Kinder zu ihren Eltern zurückgebracht.

Dokumentation rollt Fall neu auf

Fast 20 Jahre später, im April 2017, griffen die große schwedische Zeitung Dagens Nyheter und der Fernsehkanal SVT in einer Dokumentation den Kindermord von damals noch einmal auf. Unter anderem wurde Material von der damaligen Ermittlungsarbeit neu untersucht. Dieses legt nahe, dass dass die beiden Brüder zur Zeit von Kevins Tod gar nicht in der Nähe des Tatorts gewesen waren. Auch die zahlreichen Verhöre der beiden Brüder wurden von Experten als kontraproduktiv angesehen, da diese zu falschen Geständnissen geführt haben könnte. Die Dokumentation hatte zur Folge, dass der Fall 2017 neu aufgerollt wurde.

Am 27. März 2018 verkündete die Staatsanwaltschaft, dass alle Vorwürfe gegen Robin und Christian haltlos seien und fallengelassen würden. Kevins Tod sei wahrscheinlich kein Mord, sondern ein Unfall gewesen. Robin und Christian, heute beide erwachsene Männer. Sie haben nach eigenen Angaben keinerlei Erinnerung mehr an den verhängnisvollen Augusttag im Jahr 1998. Sie glauben beide, dass sie Kevin nichts angetan haben. „Es gibt niemanden auf der Welt, der verstehen könnte, was wir durchgemacht haben, wie wir uns gefühlt haben und wie schrecklich es war“, sagt Robin.


Fundstelle: https://www.hftg.co/

Redaktion
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