Super-Recognizer vergessen kein Gesicht und helfen der Polizei

Sogenannte Super-Recognizer erkennen über 80 Prozent aller Gesichter wieder, die sie in ihrem Leben gesehen haben. Mit dieser Superkraft können sie der Polizei bei der Identifizierung von Straftätern helfen.

Moderne Überwachungstechnologien sind auf dem Vorsprung. Videoüberwachung gehört an vielen öffentlichen Plätzen bereits zur Tagesordnung. Besonders umstritten ist dabei der Einsatz von Gesichtserkennungssoftware. Es gibt jedoch Menschen, die in diesem Bereich viel genauer als jeder Algorithmus arbeiten: Sogenannte Super-Recognizer. Während die Durchschnittsbevölkerung etwa 20% aller Gesichter wiedererkennt, schaffen es Super-Recognizer auf 80%.

Eine von ihnen ist die Britin Kelly Hearsey. 2018 machte sie einen Super-Recognizer-Test und erzielte die höchste Punktzahl der bis dahin sechs Millionen Kandidat*innen. Seitdem arbeitet sie Vollzeit im Bereich der Gesichtserkennung für das britische Unternehmen Super Recognizers International Ltd. Das Unternehmen bietet seine Dienste unter anderem der Polizei in Großbritannien an. Denn: Super-Recognizer sind bei der Kriminialitätsbekämpfung sehr beliebt.

Schnelle und sichere Gesichtserkennung

Kelly Hearsey erzählt gegenüber dem Magazin Vice, dass sie sich Gesichter nicht nur besonders gut, sondern auch besonders schnell merken könne. Sie bräuchte deswegen kein zeitaufwändiges Training. “Ich muss nicht erst lange rumsitzen und mir Gesichtszüge einprägen. Ich brauch ein Gesicht nur ein paar Sekunden zu sehen und habe es dann im Gedächtnis abgespeichert. Es ist sehr unheimlich und auch ziemlich cool, wenn das passiert.” Außerdem gibt sie an, dass sie sich bei der Gesichtserkennung immer zu 100% sicher sei. Ein “vielleicht” sei für sie keine Option.

Kelly Hearsey erzählt, dass sie seit 2018 bereits an vier Mordermittlungen beteiligt war und die Polizei mit neuen Beweisen bei ihren Ermittlungen unterstützen konnte. Dabei war sie unter anderem an einem Fall beteiligt, bei dem es darum ging, dem bereits verhafteten Verdächtigen seine Anwesenheit am Tatort und die Planung der Tat nachzuweisen. Kelly Hearsey wertete dazu die Videoaufnahmen in der Nähe des Tatortes aus. “Die kompletten vier Tage vor dem Mord, 96 Stunden. Ich fand den Täter an 83 verschiedenen Stellen, aufgezeichnet von unterschiedlichen Kameras. Damit konnte ich den Ermittlern nicht nur zeigen, dass er in der Gegend gewesen war, sondern auch, dass er sein Mordwerkzeug Stück für Stück in Tatortnähe brachte und es dort versteckte.”

Einsatz auf dem roten Teppich und bei der Queen

Zu ihren coolsten Fällen gehörte der Auftrag, bei einem Event auf dem roten Teppich nach Youtubern Ausschau zu halten, die gedroht hatten, die Bühne zu stürmen: “Einmal habe ich bei den National Film and TV Awards auf dem roten Teppich gearbeitet. Ich hielt Ausschau nach YouTubern, die gedroht hatten, die Bühne zu stürmen. Sie hatten das vorher schon einmal gemacht. Ich stand vorne am roten Teppich zwischen Film- und Fernsehstars und habe nach Leuten gesucht, die sich daneben benehmen.”

Häufig wird die Super-Recognizerin auch bei Großveranstaltungen wie Konzerten eingesetzt. Beispielsweise um gezielt nach polizeibekannten Taschendieben zu suchen. Bei der Royal Windsor Horse Show leitete Kelly Herasey ein Team von sechs Ermittlern. Es ging darum, die Queen persönlich zu schützen. “Wir mussten nach 106 verschiedenen Gesichtern Ausschau halten. Wir postierten uns an verschiedenen Stellen des Eingangs und entdeckten acht oder neun Protestierende, die reinkommen wollten. Einer meiner Kollegen konnte eine der Zielpersonen aus etwa 200 Metern Entfernung erkennen. Eine andere Kollegin sagte: “Da ist Nummer 62!” Sie hatte sich die Mühe gemacht, sich alle Nummern zu merken, was nicht nötig gewesen wäre.”

Auch die deutsche Polizei arbeitet mit Super-Recognizern zusammen. So beispielsweise die Beamten in Bayern. Unter Tausenden hat die Polizei in München nach monatelangen Tests 37 sogenannte Super-Recogniser ausgewählt. Über ihre Arbeit ist im Detail jedoch nicht viel bekannt.


Zum Interview mit Kelly Hearsey: https://www.vice.com/

Redaktion
Redaktion
JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

Related Articles

Social Media

3,224NachfolgerFolgen
904NachfolgerFolgen
Download on the App Store
Jetzt bei Google Play

Letzte Artikel