Harry Potter und die ermäßigte Umsatzsteuer

Ein als Zauberer tätiger Mann machte für seine Tätigkeit die ermäßigte Umsatzsteuer als Künstler geltend. Das Finanzgericht Münster entschied nun: Zu Recht!

Der Kläger war 2017 und 2018 als selbständiger Zauberkünstler tätig. Er trat bei betrieblichen und privaten Feierlichkeiten auf. Zu seinen Darbietungen gehörte neben der klassischen Bühnenzauberei auch die sog. “Close-up”-Zauberei, die klassische “Manipulation” sowie das Fertigen von Ballonskulpturen. Um sein Einkommen aufzubessern, trat der Mann außerdem als Nikolaus auf.

In seiner Umsatzsteuererklärung der Jahre 2017 und 2018 gab der Mann dann für seine Auftritte als Zauberer und Nikolaus ermäßigt besteuerte Umsätze an. Das Finanzamt lehnte dies jedoch ab. Es gelte der Regelsteuersatz. Zur Begründung führte man an, dass die Auftritten des Mannes keine “theaterähnlichen Darbietungen” seien. Das Finanzamt erließ deshalb entsprechende Bescheide mit dem Regelsteuersatz in Höhe von 19 Prozent.

Zauberkunst mit Theater vergleichbar

Dagegen klagte der Mann und bekam vor dem Finanzgericht Münster nun Recht. Die Leistungen des Klägers in Gestalt von “Darbietungen auf dem Gebiet der Zauberei und der Ballonmodellage” unterfielen nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG dem ermäßigten Steuersatz. Dieser greife für Theater, Konzert, Museen und Darbietungen, die mit Theatervorführungen und Konzerten vergleichbar seien. Im konkreten Fall legte das Gericht den Begriff des “Theaters” aus. Es kam zu dem Ergebnis, dass speziell diejenigen Leistungen einheitlich zu behandeln seien, die aufgrund ihrer Gleichartigkeit in einem Wettbewerb stünden. Bei dem Kläger handele es sich um einen ausübenden Künstler, der mit seiner Tätigkeit als Zauberer und auf dem Gebiet der Ballonmodellage eine einer Theatervorführung vergleichbare Darbietung erbringe.

Das gelte jedoch nicht für die Auftritte als Nikolaus. Hier bleibe es bei der Anwendung des Regelsteuersatzes. Fazit: Umsätze in Form von Darbietungen auf dem Gebiet der Zauberei und der Ballonmodellage unterliegen nicht dem Regelsteuersatz von (im Streitjahr) 19 %, sondern dem ermäßigten Steuersatz von (im Streitjahr) 7 %.

Harry Potter dürfte in unserer Welt seine Zauberkünste also nach dem ermäßigten Steuersatz anbieten. Allerdings sind wir uns sicher, dass das Zaubereiministerium dann einen erneuten Prozess gegen ihn vor dem Zaubergamot anstreben würde. Schließlich gilt auch für Harry das Internationale Geheimhaltungsabkommen, das verbietet, vor Muggeln zu zaubern. Schade eigentlich!

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Fundstelle: Finanzgericht Münster, Urt. v. 26.11.2020, Az. 5 K 2414/19 U

Jannina Schäffer
Juristin, Doktorandin an einem Lehrstuhl für Strafrecht, Wannabe-Kriminologin, Harry Potter Fan.

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