Gesetzesänderung in Sierra Leone: Schwangere Mädchen dürfen zur Schule

Sierra Leone hat ein fünf Jahre lang geltendes Gesetz aufgehoben, das schwangeren Mädchen den Schulbesuch verbot.

Das Verbot wurde 2015 nach einem Anstieg der Schwangerschaften bei Mädchen im schulpflichtigen Alter eingeführte. Westafrikas oberstes Gericht entschied bereits im Dezember, dass das Gesetz die Mädchen diskriminiere und ihre Menschenrechte verletzte. Das Urteil geht auf die Klage mehrerer Rechtsorganisationen aus dem Mai 2018 zurück. Diese hatten die Regierung von Sierra Leone vor dem Gericht der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) verklagt. Das Gericht urteilte daraufhin, dass die “diskriminierende” Politik den Mädchen ihr Recht auf Bildung verweigert habe.

Die Richter kritisierten auch eigens für schwangere Mädchen eingerichtete Lernzentren und urteilten, dass dies “eine weitere Form der Diskriminierung” sei. Der neu gewählte Präsident von Sierra Leone, Julius Maada Bio, sagte in einer Erklärung nach dem Urteil im Dezember, dass er sich für die “Einbeziehung aller Bürgerinnen und Bürger” in seine Entwicklungspläne einsetzen werde. Der Bildungsminister des Landes, David Moinina Sengeh, nennt die neue Regelung “einen großen Tag für die Kinder von Sierra Leone”.

Sexueller Missbrauch während Ebola-Pandemie

Teenagerschwangerschaften sind in Sierra Leone ein großes Problem. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef stellte in einem Bericht von 2015 fest, dass 40 % der Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet werden. Während der Ebola-Krise kam es zu einem Anstieg der Schwangerschaften von Minderjährigen, weil viele Mädchen sexuellem Missbrauch ausgesetzt waren. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 hatten 0,8% aller Kinder, die in Deutschland geboren wurden, eine Mutter unter 18 Jahren.

Doch die grundlegende Einstellung der Bevölkerung ist noch immer eher rückständig und von Frauenfeindlichkeit geprägt. Ein Ladenbesitzer wird von der BBC folgendermaßen zitiert: “Ich werde meiner Tochter nicht erlauben, mit einer Schwangeren in der Klasse zu sitzen – das ist ein sehr schlechter Einfluss”.

Abtreibungsgesetz ebenfalls reformiert

Dies zeigt sich auch beim Abtreibungsgesetz des Landes. Bis zu einer Gesetzesänderung war eine Abtreibung nur möglich, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr war. Diese Regelung stammte aus dem Jahr 1861. 2015 hat das Parlament den Safe Abortion Act beschlossen, nach dem Abbrüche bis zur 12. Woche möglich sind, wenn Inzest, Vergewaltigung oder ein gesundheitlichen Risiko für die Frau oder den Fötus vorliegt. Unter 18-Jährige brauchen das Einverständnis eines Elternteils. Der damalige Präsident Ernest Bai Koroma verweigerte zunächst die Unterzeichnung des Gesetzes, obwohl es einstimmig vom Parlament verabschiedet worden war.

Sierra Leone ist ein Staat in Westafrika, Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Freetown. Das Land erlangte 1961 die Unabhängigkeit von Großbritannien. Nach einem Jahrzehnt blutigen Bürgerkrieges von 1991 bis 2002, der zehntausende Todesopfer forderte, ist Sierra Leona, eines der ärmsten Länder der Welt, mit seinem Wiederaufbau beschäftigt. Der Index der menschlichen Entwicklung zählt Sierra Leone zu den niedrig entwickelten Ländern. Sierra Leone hat etwa sieben Millionen Einwohner.


Fundstelle: https://www.bbc.com/

Jannina Schäffer
Jannina Schäffer
Juristin, Doktorandin an einem Lehrstuhl für Strafrecht, Wannabe-Kriminologin, Harry Potter Fan.

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