Kein Schmerzensgeld für Muskelkater nach Fitnessstudio-Besuch

New Year, new me? Normalerweise stürmen Anfang des Jahres zahlreiche Menschen das Fitnessstudio ihres Vertrauens. Nicht so in Zeiten von Corona. Meistens halten die guten Vorsätze “abzunehmen” oder “sich endlich mehr zu bewegen” aber auch außerhalb einer Pandemie nur wenige Wochen. Nach der Qual, die man beim Fitnesstraining erleidet, kann man dann schon einmal auf die Idee kommen, das eigene Fitnessstudio zu verklagen.

So geschehen in Köln: Eine Fitnessstudio-Besucherin versuchte, von der Betreiberin Schmerzensgeld einzuklagen, weil bei ihr nach dem Training unter anderem Gliederschmerzen auftraten. Wer hätte das gedacht: Muskelkater nach dem Besuch eines Fitnessstudios? Das hört sich eher so an, als sei das Training sehr erfolgreich gewesen. Was war also geschehen?

EMS-Probetraining führt zu Beschwerden

Die Klägerin hatte das beklagte Fitnessstudio besucht, um dort an einem EMS-Probetraining teilzunehmen. Bei der sogenannten Elektro-Myo-Stimulation geht es darum, die Muskulatur mittels elektrischer Impulse gezielt von außen anzusteuern und zu stimulieren. Doch statt eines Trainingserfolgs stellten sich bei der Klägerin nach eigenen Angaben nur Beschwerden ein.

Bereits während des Trainings wies sie darauf hin, dass die Stromstöße ihr Beschwerden verursachten. Nach ihrer Behauptung hatten die Mitarbeiter:innen des Studios die entstandenen Kopfschmerzen darauf zurückgeführt, dass die Klägerin zu wenig getrunken habe. Bis heute leide sie unter Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Gliederschmerzen. Von der beklagten Studiobetreiberin forderte sie daher vor dem Landgericht Köln 5.500 Euro Schmerzensgeld. Auch, weil wegen eines erhöhten Enzym-Wertes im Blut zudem die Gefahr eines akuten Nierenversagens bestanden habe.

Muskelkater nach sportlicher Betätigung zu erwarten

Das Landgericht beauftragte einen Sachverständigen, der klären sollte, ob und welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen das Training bei der Frau ausgelöst haben könnte. Zwar stellte man bei der Frau einen erhöhten Enzymwert im Blut fest, der Sachverständige kam jedoch zu dem Ergebnis, dass keinerlei Gefahr für ein Nierenversagen bestehe. Auch seien dauerhafte Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Schlafstörungen nicht auf das EMS-Training zurückzuführen. Für nachvollziehbar hielt der Sachverständige lediglich, dass sich die Frau über einige wenige Tage unwohl fühlte und unter Kopfschmerzen litt – verursacht durch einen heftigen Muskelkater wegen der ungewohnten Belastung.

Für den Muskelkater stünde der Frau jedoch kein Schmerzensgeld zu, so die Richter:innen. Bei einem mehrtägigen Muskelkater, auch wenn er mit zweitägigen Belastungskopfschmerzen verbunden war, handele sich um eine Beeinträchtigung, “wie sie nach jeder Art sportlicher Betätigung zu erwarten ist und wie sie üblicherweise von Sporttreibenden hingenommen wird”. Die zur Annahme eines Schmerzensgeldanspruches erforderliche Überschreitung der Bagatell- bzw. Geringfügigkeitsgrenze sei vorliegend nicht nachgewiesen. Das Landgericht Köln wies die Klage der Frau deswegen ab.


Fundstelle: LG Köln, Urt. v. 11.07.2018, Az. 18 O 73/16

Jannina Schäffer
Jannina Schäffer
Juristin, Doktorandin an einem Lehrstuhl für Strafrecht, Wannabe-Kriminologin, Harry Potter Fan.

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