Italien: 20.000€ für ungewollte Windows Lizenz?

Ein italienischer Softwareentwickler erhält für eine Windows Lizenz auf seinem Lenovo-Rechner, die dort ungewollt installiert wurde, 20.000€. Wie konnte das passieren?

Der Softwareentwickler Luca Bonissi kaufte sich ein Ideapad-Convertible. Allerdings wollte er auf seinem Gerät explizi kein Windows 10 Home benutzen. Und dementsprechend auch die rund 40€ für eine Windows-Lizenz nicht bezahlen. Er beantragte beim Hersteller Lenovo eine Rückerstattung ebenjener Lizenzkosten. Der Lenovo Support lehnte sein Anliegen jedoch ab. Daraufhin zog der Softwareentwickler mit Unterstützung der Italian Competition and Market Authority AGCM vor Gericht. Und hatte direkt in der ersten Instanz Erfolg. Die Richter:innen urteilten, dass Lenovo für die 42€ Lizenzkosten und weitere 130€ Gerichtskosten aufkommen muss.

Entschädigung für Zeit- und Geldverschwendung

Dieses Urteil wollte der Technikriese Lenovo jedoch nicht akzeptieren. Deswegen trafen sich die Parteien zwei Jahre nach dem Urteil im Dezember 2020 vor einem Gericht höherer Instanz in Monza wieder. Lenovo argumentierte, dass Windows 10 Teil des Produktes und somit eine Voraussetzung für die Garantieleistungen sei. Zudem zweifelte Lenovo den Kaufbeleg an, den der Softwareentwickler für sein Gerät vorlegte. Diese Argumentation schmeckte den Richter:innen jedoch überhaupt nicht. Sie urteilten, dass der Konzern eine völlig unnötige Klage führe und ihren Kunden zeitlich und finaziell stark belastet hätte. Der angeblich falsche Kaufbeleg sei nur eine weitere Nebelkerze. Und jetzt die Überraschung: Das italienische Gericht sprach Luca Bonissi 20.000€ zu. Ein Schlag ins Gesicht für Lenovo und ein unerwarteter Geldsegen für den Sofwareentwickler, der eigentlich nur nicht mit Windows 10 arbeiten wollte.

Auch die Free Software Foundation freut sich über das verbraucherfreundliche Urteil. Denn: Es dürfe Lenovo nun deutlich schwerer fallen, Windows 10 in den Verkaufspreis der eigenen Produkte für den italienischen Markt zu integrieren. Auch der Kläger ist glücklich, dass ihm ein derartiger David-gegen-Goliath-Sieg gelungen ist. Trotzdem stellen seiner Meinung nach “die hohen Rechtskosten und Risiken, genauso wie der geringe wirtschaftliche Gewinn, eine starke Abschreckung für alle dar, die ihr vorinstalliertes Windows 10 zurückerstattet haben wollen.” Das erzählte er der Foundation. Ähnliche Klagen aus Deutschland sind bisher nicht bekannt.


Fundstelle: https://www.golem.de/
Gerichtsdokument: https://bonissi.it/

Redaktion
JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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