Audi: Mitarbeiter klagt gegen gendergerechte Sprache

Ein Mitarbeiter des Autoherstellers Audi will den Konzern, weil dieser seit dem 1. März 2021 bei der internen und externen Kommunikation auf eine gendergerechte Sprache setzt.

Seit letztem Monat hat der Autobauer aus Ingolstadt seine Kommunikation der heutigen Zeit angepasst und gendert. Der Konzern hat dafür einen „Leitfaden für gendergerechte Sprache“ herausgebracht. Demnach nennt Audi seine Mitarbeiter:innen jetzt „Audianer_innen“. Dargelegt wird der neue Ansatz in einem Dokument mit dem Titel „Vorsprung beginnt im Kopf“, das von der Projektgruppe “Gendersensible Sprache” erarbeitet wurde. Es besteht aus ingesamt 13 Seiten und führt mehrere Möglichkeiten auf, wie im Alltag bei Audi die genderneutrale Sprache verwendet werden soll.

Audianer_innen für Wertschätzung, Offenheit und Verantwortung

Das Unternehmen will damit ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt setzen. „Wertschätzung, Offenheit, Verantwortung und Integrität sind die Basis unserer Unternehmenskultur, dies machen wir auch in unserer Sprache deutlich“. So begründet Personalchefin Sabine Maaßen vom Audi-Vorstand die Entscheidung. Rückständig, altbacken und diskriminierend könnte man dagegen den Mitarbeiter nennen, der jetzt gerichtlich gegen das Gendern seines Arbeitgebers vorgeht. Der 42-Jährige sieht sich dadurch in seinem Allgemeinen Persönlichkeitsrechts verletzt. Und vielleicht auch in seiner fragilen Männlichkeit gekränkt?

Wenn die Audi AG keine Unterlassungserklärung abgegeben wolle, ziehe ihr Mandant vor das Landgericht Ingolstadt, so seine Anwälte Burkhard Benecken und Dirk Giesen.

Die Klage des Mitarbeiters wird vom “Verein Deutsche Sprache” unterstützt. Auf Mendienanfragen heißt es: „Unser Mandant fühlt sich durch das Gendern massiv gegängelt. Er ist entsetzt, dass die Audi AG von oben herab geradezu diktatorisch eine Sprache ihren Mitarbeitern verordnen will, die der Prüfung durch die amtliche Rechtschreibung nicht im Ansatz standhält.“ Dass sich gerade ein Verein wie der VDS für die Anliegen alter, weißer Männer einsetzt, überrascht nicht. Dem Verein wird seit Jahren Rechtspopulismus vorgeworfen. Der Vereinsvorsitzende Walter Krämer spricht beispielsweise vom „aktuellen Meinungsterror unserer weitgehend linksgestrickten Lügenmedien“. Und der „Unterwerfung der Medien unter eine obrigkeitsstaatliche Einheits-Sichtweise der Dinge“.

Rechtspopulistischer Verein Deutscher Sprache unterstützt Klage

Sowohl Henning Lobin wie auch Thomas Niehr bezeichneten den VDS als „Sprach-Pegida“. Die Autorin Kirsten Boie lehnte 2020 einen Preis des Vereins Deutsche Sprache auf Grund von rechtspopulistischen Äußerungen ab. Auf den Webpräsenzen des VDS tummeln sich reihenweise Männer, die sich unter dem Deckmäntelchen der Erhaltung der deutschen Sprache sexistisch und rassistsich äußern.

Und selbst Sprachwissenschaftler:innen sehen den patriotischen Einsatz der Vereinsmitglieder für die deutsche Sprache kritisch. Der VDS hat zwar Sprachwissenschaftler:innen in seinem wissenschaftlichen Beirat, gilt aber als eine sprachpuristische Vereinigung, der grundlegende Erkenntnisse und Unterscheidungen der Sprachwissenschaft außer Acht“ lasse. In einem offenen Brief kritisierte 2016 insgesamt 37 namhafte Linguist:innen, dass die Haltung des Vereins „ein Musterbeispiel für einen intoleranten, unaufgeklärten Sprachpurismus“ sei. Außerdem soll der VDS nationalistische Tendenzen bedienen.

Wir sind gespannt auf den Ausgang vor Gericht und werden auf unserem Blog auch weiterhin munter gendern!


Fundstelle: https://www.spiegel.de/

Jannina Schäffer
Juristin, Doktorandin an einem Lehrstuhl für Strafrecht, Wannabe-Kriminologin, Harry Potter Fan.

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