Tödliche Schüsse vor dem Amtsgericht Celle

Unmittelbar vor dem Amtsgericht Celle kam es am Donnerstagmorgen gegen zehn Uhr zu einer Schießerei. Ein Mann tötete zunächst seine Vermieterin und dann sich selbst.

Der Mann sollte aus seiner Wohnung ausziehen. Seine Vermieterin reichte deswegen Räumungsklage beim Amtsgericht Celle ein. Am Donnerstagmorgen sollte in der Rechtssache eigentlich die Verhandlung vor einem Zivilrichter stattfinden. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Die Schüsse fielen noch vor dem Eingang zum Gericht. Der Mann traf dort auf seiner Vermieterin und erschoss erst die Frau und dann sich selbst. Die Lage war zunächst unklar, sodass die Polizei, die mit etwa 20 Fahrzeugen vor Ort war, die Mühlenstraße weiträumig absperrte. Laut der Polizeisprecherin Birgit Insinger handelte es sich bei dem Schützen um einen älteren Mann und bei der Vermieterin um eine Frau mittleren Alters.

“Das war eine ganz normale Mietsache”, äußerte der Amtsgerichtsdirektor Dr. Dieter-Philipp Klass gegenüber der LTO. “Dem zuständigen Richter und mir liegen keine Anhaltspunkte vor, die im Vorfeld Anlass für besondere Schutzmaßnahme gegeben hätten.” Der Zugang zum Gebäude des Amtsgerichts sei durch einen Metalldetektorrahmen gesichert. Dieser sei aber nicht jeden Tag in Betrieb, denn dafür müsste entsprechendes Wachpersonal abgestellt werden. Nur wenn es Anhaltspunkte für einen gewalttätigen Verlauf einer Verhandlung gäbe, würden Einlasskontrollen stattfinden.

Diskussion über strengere Einlasskontrollen

Gewaltaten in Gerichtsgebäuden gehören in Deutschland glücklicherweise nicht zur Tagesordnung. Ganz ausschließen kann man sie allerdings auch nicht. Der Niedersächsische Richterbund hatte jedoch schon länger verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an den Gerichtsgebäuden im Land gefordert. Das Niedersächsische Justizministerium reagierte 2019 mit einem “Aktionsplan Sicherheit” auf das Anliegen. In den vergangenen zwei Jahren seien 53 neue Stellen für Justizwachtmeister geschaffen worden, so ein Sprecher des Ministeriums. Es gebe deswegen auch deutlich mehr Kontrollen.

Dem Vorsitzende des Niedersächsischen Richterbunds (NRB) Frank Bornemann ist das aber nicht genug. Er fordert gegenüber LTO Einlasskontrollen zu jeder Zeit an allen Gerichtsgebäuden. “Man fragt sich aber natürlich schon, was passiert wäre, wenn der Täter sich entschieden hätte mit der Waffe in das Gericht hinein zu gehen”, kommentiert er das Geschehen. Der Niedersächsische Landesrechnungshof hält das jedoch für überzogen. So sei es im Jahr 2018 nur zu fünf tätliche Angriffe an Gerichten gekommen. Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza zeigte sich erschüttert und “tieftraurig über diese schreckliche Tat in Celle.”


Fundstelle: https://www.lto.de/
Fundstelle: https://www.sueddeutsche.de/
Fundstelle: https://www.t-online.de/

Redaktion
JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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