Britney Spears und das Betreuungrecht – Erwachsen und doch nicht frei!

Die US-Sängerin Britney Spears lebt seit vielen Jahren unter der Vormundschaft ihres Vaters. Bereits mehrfach forderte sie das Ende ihrer Betreuung. Die Details, die dabei über das Leben des Popsternchens in den letzten 13 Jahren herauskamen, sind erschütternd. Das Gericht lehnte einen erneuten Antrag aus dem Jahr 2020, die Vormundschaft ihres Vaters zu beenden, jedoch Ende Juni 2021 ab.

Britney Spears wurde 1981 im US-Bundesstaat Mississippi geboren. Bereits im Alter von drei Jahren begann Spears mit Tanzstunden in ihrer Heimatstadt Kentwood. Ihre Eltern Lynne Irene und James Parnell Spears schickten sie schon als Kind zu Talentshows. Beim Vorsprechen für den “Mickey Mouse Club” wurde sie von einer Talentsucherin aus New York entdeckt. 1999 erschien Spears’ Debütalbum “… Baby One More Time“, das auf Anhieb Platz 1 in den US-Billboard-Charts erreichte. Sie war damals gerade 18 Jahre alt geworden. Spears gelang der Durchbruch als Sängerin und eine internationale Karriere als Popsternchen der 2000er. Im Laufe ihres Lebens erhielt sie insgesamt 232 Auszeichnungen. Für 490 weitere wurde sie nominiert.

Höhen und Tiefen auf persönlicher Ebene

Von 1998-2002 war Spears mit dem gleichaltrigen Sänger Justin Timberlake zusammen. 2004 heiratete sie den Tänzer und Rapper Kevin Federline, mit dem sie zwei Kinder hat. Die Ehe scheiterte jedoch bereits nach zwei Jahren. Kevin Federline wurde das alleinige Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder zugesprochen. Daraufhin lies sich Spears den Kopf kahl rasieren und begab sich kurzzeitig in eine Suchttherapie. Nachdem sie sich 2008 mit ihren Kindern in ihrer Villa in Los Angeles verbarrikadiert hatte, wurde ihr das Besuchsrecht entzogen. Auf Grund eines Eilantrags ihrer Eltern wurde Spears am 1. Februar 2008 in Los Angeles entmündigt. Ihr Vater wurde vom Gericht als Vormund eingesetzt und verwaltet seitdem gemeinsam mit einem Anwalt treuhänderisch das Vermögen der Multimillionärin.

Obwohl Spears die Rückkehr als Sängerin gelang und sie mit ihren Songs und Auftritten auch während ihrer Betreuung Millionen einspielte, blieb die Vormundschaft durch ihren Vater bestehen. 2019 wurde bekannt, dass Spears gegen ihren Willen in einer Psychiatrie festgehalten werde. Ihre Fans forderten deswegen unter dem Hashtag #FreeBritney erfolgreich ihre sofortige Entlassung. Im August 2020 beantragte Spears, die Vormundschaft ihres Vaters zu beenden. Doch das zuständige Gericht verlängerte diese sogar entgegen ihres ausdrücklichen Wunsches. Daraufhin kündigte sie an, nicht mehr als Sängerin aufzutreten, solange die Vormundschaft ihres Vaters aufrechterhalten bleibe.

Komplette Kontrolle über Finanzen und persönliches Leben

Die Gerichtsanhörung offenbarte jetzt schreckliche Details über das Leben des Popsternchens in den letzten 13 Jahren. Über sich selbst erzählte sie US-Medien: „Ich bin traumatisiert. Ich bin nicht glücklich, ich kann nicht schlafen. Ich bin so wütend, das ist verrückt. Und ich bin deprimiert.“ Grund dafür sei die Betreuung durch ihren Vater. Dieser habe die komplette Kontrolle über das Leben der inzwischen 39-Jährigen. Die Vormundschaft sei “Missbrauch”, so das Popsternchen. Ihr Vater entscheide nicht nur über ihr Vermögen, sondern kontrolliere auch ihr komplettes Privatleben. Man schreibe ihr vor, wo sie zu wohnen habe, ob sie Autofahren könne und mit wem sie sich treffen dürfe. Ihren Eltern wirft sie außerdem vor, sie “finanziell auszubeuten”. Denn obwohl sie angeblich zu krank sei, um sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern, sollte sie weiterhin als Sängerin auftreten und spielte in den letzten Jahren Millionen ein.

Die Kontrolle soll so weit gegangen sein, dass man sie gezwungen habe, bestimmte Medikamente einzunehmen. Ihr sei nicht einmal erlaubt worden, einen Arzt aufzusuchen, um ihre Spirale zur Empfängnisverhütung zu entfernen. Denn sie wolle heiraten und weitere Kinder bekommen. Das 24-minütige Gerichts-Statement kann bei variety.com (klick) nachgelesen werden.

Gericht lehnt Antrag aus dem Jahr 2020 ab!

Trotz der erschreckenden Angaben, die Spears bei ihrer gerichtlichen Anhörung gemacht hat, lehnte das Gericht in Los Angeles ihren Antrag aus dem letzten Jahr am 30. Juni 2021 ab. Im Gerichtsdokument heißt es lapidar: “The conservatee’s request to suspend James P Spears immediately upon the appointment of Bessemer Trust Company Of California, NA as sole conservator of estate is denied without prejudice.” Damit ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Denn die Entscheidung bezieht sich nur auf Spears alten Antrag. Bezüglich ihrer 24-minütigen Anhörung muss Spears einen neuen Antrag stellen über den dann erneut durch das Gericht entschieden wird.

Nach US-amerikanischem Recht scheint es sich hierbei um eine Mischform aus „Guardianship“ und „Conservatorship” zu handeln. Ersteres bezieht sich auf die persönlichen Angelegenheiten. Letzteres betrifft die finanzielle Komponente. In beiden Fällen wird der Betreuer oder die Betreuerin von einem Gericht ernannt. Und auch nur dieses Gericht kann die Vormundschaft wieder beenden.

Der Fall wird ausführlich in dem Dokumentarfilm “Framing Britney Spears” der Regisseurin und Produzentin Samantha Stark aufgegriffen.


Fundstelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/
Fundstelle: https://www.theguardian.com/
Fundstelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Britney_Spears

Redaktion
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JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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