Schweden: Das “Distracted Boyfriend” Meme ist sexistisch!

Ein auf Meme-Seiten unter dem Namen “Distracted Boyfriend” bekanntes Foto wurde in Schweden offiziell als “sexistisch” eingestuft.

Das beliebte Meme “Distracted Boyfriend”, das auf dem Foto eines Mannes basiert, der sich von seiner empörten Freundin abwendet, um bewundernd eine andere Frau anzustarren, wurde in Schweden als sexistisch eingestuft. Das Stockfoto, das auch unter dem Titel “Man Looking at Other Woman” bekannt ist, wurde im April 2017 zum Meme des Jahres gekürt. Es stammt von dem Fotografen Antonio Guillem aus Barcelona. Obwohl das Meme im Internet sehr oft geteilt wird, entschied die schwedische Werbeaufsicht, dass es als sexistisch einzustufen sei. Diese Einschätzung beruht auf der Verwendung des Memes durch ein Unternehmen auf Facebook. Dort hatte ein Internetdienstleister eine Stellenanzeige mit dem Meme beworben. Die Freundin, von der sich der Mann abwendet, war tituliert mit “Dein aktueller Arbeitsplatz”. Über der Frau, die der Mann anstarrt, stand der Name des Unternehmens selbst geschrieben.

Sexistische Stellenanzeige?

Das fand die schwedische Werbeaufsicht überhaupt nicht lustig. Die meint: “Die Anzeige objektiviert Frauen. Sie stellt Frauen als austauschbare Gegenstände dar und suggeriert, dass nur ihr Aussehen interessant ist. Sie zeigt auch entwürdigende stereotype Geschlechterrollen von Männern und Frauen und erweckt den Eindruck, dass Männer ihre Partnerinnen wechseln können, wie sie ihren Arbeitsplatz wechseln.” Die Stellenanzeige stelle Frauen als Sexobjekt dar. Das Meme stünde in keinem Zusammenhang zu der Werbung des Unternehmens. Die Stellenanzeige beziehe sich auf die Einstellung von Verkäufer:innen, Betriebsingenieur:innen und Webdesigner:innen.

Die Anzeige zog fast 1.000 Kommentare nach sich, viele davon von Frauen, die sich über die Werbung beschwerten. Eine von ihnen schrieb: “Es spielt keine Rolle, ob es ein beliebtes Meme ist. Wenn Sie nicht sehen, dass dieses Bild sexistisch ist, egal welche Worte auf den Leuten stehen, sind Sie eindeutig kein Arbeitsplatz für eine Frau, die in ihrer Arbeit ernst genommen werden möchte.”

Keine Konsequenzen für das Unternehmen

Allerdings ist die schwedische Werbeindustrie selbstregulierend. Das heißt, dass die Werbeaufsicht lediglich Anzeigen kritisieren kann, aber nicht die Macht hat, Sanktionen zu verhängen.

Das Unternehmen erklärte auf seiner Facebook-Seite, dass es das Ziel gewesen sei, eine Situation zu illustrieren, die zeige, dass sie ein attraktiver Arbeitgeber seien und dass Menschen, die einen etwas langweiligeren Arbeitsplatz haben, sich dafür interessieren könnten. Genau diese Situation werde in dem Meme illustriert. “Wer sich mit dem Internet und der Meme-Kultur auskennt, weiß, wie dieses Meme verwendet und interpretiert wird. Das Geschlecht ist in dem Zusammenhang meist irrelevant, so das Unternehmen.

Die von vielen Frauen als geschmacklos empfundene Stellenanzeige hatte für das Unternehmen also keine Konsequenzen. Ob sich auf die ausgeschriebenen Stellen auch Frauen bewarben, ist nicht bekannt.

Es ist nicht das erste Mal, dass wir über Memes berichten. 2018 veröffentlichten wir beispielsweise einen Artikel über die berühmte Internet-Katze “Grumpy Cat”, deren Eigentümerin 700.000 Dollar Schadensersatz zugesprochen bekam.


Fundstelle: https://www.theguardian.com/
Fundstelle: https://futurezone.at/

Redaktion
JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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