Home Rechtsgebiete Zivilrecht Nacktes Baby auf „Nevermind“ CD-Cover verklagt Nirvana wegen Kinderpornografie!

Nacktes Baby auf „Nevermind“ CD-Cover verklagt Nirvana wegen Kinderpornografie!

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Nevermind

Spencer Elden, der als Baby nackt für das Nirvana Album “Nevermind” fotografiert wurde, verklagt die Band und weitere Personen. Der heute 30-Jährige fühlt sich sexuell und finanziell ausgebeutet und wirft den Beteiligten Kinderpornografie vor.

Am 24. September 1991 erschien das zweite Studioalbum „Nevermind“ der US-amerikanischen Rockband „Nirvana“. Ein Meisterwerk, mit dem die Band sogar Michael Jackson vom ersten Platz der US-Albumcharts verdrängen konnte. Weltweit wurde „Nevermind“ bis heute rund 30 Millionen Mal verkauft und gehört damit zu den meistverkauften Musikalben überhaupt.

Fast so bekannt wie die Songs „Smells Like Teen Spirit“ oder „Come As You Are” ist aber mit Sicherheit das Cover des Albums. Denn darauf ist ein Baby zu sehen, das nackt auf einen Angelhaken zuschwimmt, an dem ein Dollarschein hängt. Und genau dieses Baby hat nun gegen „Nirvana“ geklagt. Das Baby ist inzwischen 30 Jahre alt und trägt den Namen Spencer Elden. Und der findet es überhaupt nicht lustig, dass die ganze Welt ihn auf dem CD-Cover nackt zu sehen bekommen hat.

200 US-Dollar für ein nacktes Baby im Pool!

Ursprünglich hatte die Plattenfirma Geffen für “Nevermind” noch ein alternatives CD-Cover angefertigt. Das Unternehmen fürchtete, der gut sichtbare Penis des Babys könnte zu Unmut in der Öffentlichkeit führen. Kurt Cobain, der Leadsänger von Nirvana, hatte die Idee, über dem Penis einen Aufkleber anzubringen, der jene der Pädophilie bezichtigte, die an dem Foto Anstoß nehmen. Letztendlich entschied man sich jedoch für eine unzensierte Version des Fotos. Und so bekam im Jahr 1991 Millionen Menschen den Penis von Spencer Elden zu sehen.

Das Bild des nackten Babys wurde von dem Fotografen Kirk Weddle aufgenommen, dessen Freunde Renata und Rick Elden erlaubten, dass ihr am 7. Februar geborener Sohn für das Album nackt im Pool des Rose Bowl Aquatics Center in Pasadena fotografiert werden dürfte. Die Eltern erhielten dafür 200 US-Dollar.

Trotz des peinlichen Fotos ließ sich Spencer Elden zum 10-, 17-, 20- und 25-jährigen Jubiläum des Albums noch einmal für das gleiche Motiv fotografieren. Diesmal aber mit angezogener Badehose. Im Jahr 2007 sagte er der Sunday Times, er fühle sich “wie der größte Pornostar der Welt”. In einem Interview mit der New York Post im Jahr 2016 meinte er wiederum: “Es ist cool, aber seltsam, Teil von etwas so Wichtigem zu sein, an das ich mich nicht einmal erinnern kann”. Und weiter: “Es wäre schön, einen Vierteldollar für jede Person zu haben, die meinen Baby-Penis gesehen hat.“ Dem Time-Magazin erzählte er: “Du gabelst ein heißes Mädchen auf, und wenn der klar wird, dass du damit kein Geld verdient hast, lässt sie dich wieder fallen.”

Spencer Elden fühlt sich ausgebeutet

Doch mit den Jubiläums-Fotos scheint nun Schluss zu sein. Der 30-Jährige hat im August 2021 eine Klage vor einem kalifornischen Bundesgericht gegen den Nachlass von Kurt Cobain, die ehemaligen Bandkollegen David Grohl und Krist Novoselic sowie gegen Cobains Witwe Courtney Love und weitere Personen eingereicht. Darin behauptet er, dass sie und Geffen Records von seinem nackten Bild profitierten. Außerdem wirft er ihnen „Kinderpornografie“ vor. “Die Beklagten produzierten, besaßen und bewarben wissentlich kommerzielle Kinderpornografie, auf der Spencer Elden abgebildet ist, und sie erhielten wissentlich einen Gegenwert dafür”, heißt es in der Klage. Und weiter: “Die Bilder enthüllten Spencers intime Körperteile und zeigten in lasziver Weise Spencers Genitalien von der Zeit, als er ein Säugling war, bis zum heutigen Tag”. Spencer Elden habe dadurch einen “dauerhaften Schaden”, einschließlich “seelischer Qualen” und einen “lebenslangen Verlusts an Einkommensmöglichkeiten” erlitten. Eine seiner Anwält:innen, Maggie Mabie, betont gegenüber der New York Times, dass sich ihr Mandant jahrelang in Psychotherapie befunden habe, weil “er niemanden kennt, der seine Genitalien nicht gesehen hat”. Ihr Mandant hätte durch das Albumfoto keinerlei Privatsphäre mehr.

Auch sein Anwalt Robert Y. Lewis ist der Meinung, dass es sich bei dem Babyfoto nicht um eine harmlose Kritik am Kapitalismus handele. Die Einbeziehung der Dollarnote in die Aufnahme lasse das Baby “wie einen Sexarbeiter” erscheinen. Außerdem hätten weder Spencer Elden noch seine Eltern jemals einen Vertrag für die Verwendung des Fotos unterschrieben.

Spencer Elden fordert in seiner Klage deswegen 150.000 Dollar von jeder der 15 in der Klage genannten Personen und Unternehmen, einschließlich des Fotografen Kirk Weddle. Nicht-sexualisierte Fotos von Kleinkindern gelten nach US-Recht im Allgemeinen allerdings nicht als Kinderpornografie. Seltsamerweise wird auch der ursprüngliche Nirvana-Schlagzeuger Chad Channing in der Klage genannt, obwohl er die Band verließ, bevor das Album aufgenommen oder das Cover fotografiert wurde. Die Beklagten haben sich zu der Forderung bisher noch nicht öffentlich geäußert. Es bleibt also spannend.


Fundstelle: https://www.nytimes.com/
Fundstelle: https://variety.com/
Pressemitteilung: https://www.jamesmarshlaw.com/

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