Justizirrtum: “Martinsville Seven” wurden 1951 in Virginia zu Unrecht hingerichtet

Fast 70 Jahre nach ihrer Hinrichtung begnadigte der Gouverneur von Virginia posthum sieben afroamerikanische Männer. Die als “Martinsville Seven” bekannt gewordenen Männer waren 1951 wegen der Vergewaltigung einer weißen Frau auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden.

Die 32-Jährige Ruby Stroud Floyd hatte am 08. Februar 1949 behauptet, sie sei von 13 Schwarzen in einem Viertel von Martinsville, das hauptsächlich von Afroamerikanern bewohnt wurde, vergewaltigt worden. Bei einer Gegenüberstellung konnte sie nur zwei der Männer mit Sicherheit wiedererkennen. Trotzdem wurden insgesamt sieben Schwarze von der Polizei verhaftet. Frank Hairston (18), Booker T. Millner (19), Francis DeSales Grayson (37), Howard Lee Hairston (18), James Luther Hairston (20), Joe Henry Hampton (19) und John Claybon Taylor (21).

Nach ihrer Vernehmung durch die örtliche Polizei gestanden die sieben Männer zunächst, das Verbrechen begangen oder es zumindest beobachtet zu haben. Sie alle wurden deshalb wegen Vergewaltigung angeklagt und über den Staat Virginia hinaus als “Martinsville Seven” bekannt. Das Problem: Nicht alle Verdächtigen waren in der Lage, die von ihnen unterzeichneten Geständnisse zu lesen. Und keiner von ihnen hatte bei der Befragung einen Anwalt dabei. Nur acht Tage später wurden sie in getrennten Prozessen jeweils von einer Jury, die aus zwölf weißen Männern bestand, zum Tode verurteilt. Keine der Verhandlungen dauerte länger als einen Tag.

Weiße Jury entscheidet an einem Tag über die Schuldfrage

Der Prozess lösten in den USA Proteste aus und Demonstrant:innen forderten den damaligen Präsident Harry S. Truman auf, die Hinrichtungen zu stoppen. Der Präsident wollte sich nicht einmischen. Der damalige Gouverneur von Virginia lehnte eine in letzter Minute eingereichte Bitte um einen Aufschub ab. Die sieben Männer wurden im Februar 1951 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Am Tag vor seiner Hinrichtung sagte der jüngste der sieben Männer: “Gott weiß, dass ich diese Frau nicht angefasst habe, und wir sehen uns auf der anderen Seite.”

Über Jahrzehnte forderten die Angehörigen der Hingerichteten Gerechtigkeit für ihre Familienmitglieder. Jetzt endlich wurde ihnen dieser Wunsch gewährt. “Hier geht es darum, Unrecht wiedergutzumachen”, sagte Gouverneur Ralph Northam in einer Presseerklärung. “Wir alle verdienen ein Strafrechtssystem, das fair und gleichberechtigt ist und die Dinge richtig anpackt – egal, wer man ist oder wie man aussieht. Auch wenn wir die Vergangenheit nicht ändern können, hoffe ich, dass die heutige Aktion ihnen ein kleines Maß an Frieden bringt.”

Nach Angaben des Gouverneursbüros waren alle 45 Häftlinge, die zwischen 1908 und 1951 in Virginia wegen Vergewaltigung hingerichtet wurden, Schwarze. Die Begnadigungen erfolgten fünf Monate, nachdem Gouverneur Northam ein Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe in Virginia unterzeichnet hatte. Damit ist Virginia der erste Südstaat, der sich gegen die Todesstrafe ausspricht.

Wer wirklich an der Vergewaltigung von Ruby Stroud Floyd beteiligt war, wird vermutlich für immer ein Geheimnis bleiben.


Fundstelle: https://www.nytimes.com/
Fundstelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Martinsville_Seven

Redaktion
JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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