Neuseeland kündigt seinem einzigen offiziellen Zauberer

Der einzige offizielle Zauberer, der beim Staat Neuseeland angestellt ist, wurde nach über 23 Jahren im Dienst entlassen. Wie konnte es zu dieser kuriosen arbeitsvertraglichen Verpflichtung kommen? Und warum wurde dem Zauberer gekündigt?

Der Zauberer, der mit bürgerlichem Namen Ian Brackenbury Channell heißt, wurde im Jahr 1998 von der Stadtverwaltung von Christchurch, einer Stadt an der Ostküste Neuseelands, als Zauberer angestellt. Im Arbeitsvertrag des Zauberers hießt es, er solle die Attraktivität der Stadt durch “Zauberei und andere zaubererähnliche Dienstleistungen” erhöhen. Dafür erhielt der heute 88-Jährige ein Jahresgehalt von 16.000 Dollar.

Ian Brackenbury Channell kommt ursprünglich aus England. Er wanderte 1974 nach Neuseeland aus und verdiente sich dort seit 1976 seinen Lebensunterhalt mit Zauber- und Unterhaltungsauftritten auf öffentlichen Plätzen. Als die Stadtverwaltung von Christchurch ihm seine Tätigkeit untersagen wollte, protestierte die Öffentlichkeit. Die Bekanntheit des Zauberers stieg weiter und 1990 bat der damalige Premierminister Mike Moore darum, dass Ian Brackenbury Channell der offizielle “Zauberer von Neuseeland” werden solle. Gesagt, getan! Die Stadt Christchurch stellte ihn an. 2009 wurde der Zauberer mit der Queen’s Service Medal geehrt und 2014 war er sogar beim offiziellen Besuch von Prinz William und seine Frau Catherine in Neuseeland mit dabei.

Im Oktober teilte Lynn McClelland, eine Sprecherin der Stadt Christchurch mit, man habe dem Zauberer einen Brief geschickt, in dem man ihm für seine Dienste für Christchurch in den vergangenen Jahrzehnten dankt und ihm mitteilt, dass die Stadt seinen Vertrag auslaufen lässt. Die sei eine schwierige Entscheidung gewesen, aber Ian Brachenbury Channell werde “für immer ein Teil der Geschichte [Christchurchs] sein”. Die Stadt schlage beim Tourismus eine neue Richtung, die “eine lebendige, vielfältige, moderne Stadt zeige, die für Einwohner, in- und ausländische Besucher, neue Unternehmen und qualifizierte Wanderarbeiter attraktiv sei”.

Zauberer möchte “Bürokraten menschlicher” machen

Ian Brackenbury Channell kann diese Enstcheidung überhaupt nicht nachvollziehen. Gegenüber den Medien äußerte er zu seiner Entlassung: “Das impliziert, dass ich langweilig und alt bin, aber es gibt niemanden sonst in Christchurch, der so ist wie ich”. Auf die Frage, ob er die Stadtverwaltung nun verfluchen werde, antwortete der Zauberer: “Ich schenke Kindern glückliche Träume, allgemeine Gesundheit und möchte Bürokraten menschlicher machen.”

Der Zauberer sagte, er werde auch weiterhin regelmäßig im Kunstzentrum von Christchurch auftreten und mit Tourist:innen und Einheimischen plaudern. Das Zentrum veranstaltet diesen Monat eine Ausstellung über sein Leben, die von der Stadt unterstützt wird. Der Organisator der Ausstellung sagt über den Zauberer: “Vierzig Jahre lang wurden weder der Titel noch die damit verbundenen Rollen an irgendjemanden auf der Welt vergeben. Er hat nicht nur seine eigene soziale Identität geschaffen, zu der auch das Leben in einer alchemistischen Ehe gehört, sondern er hat auch als ehemaliger akademischer Kulturtheoretiker und Experimentalphysiker das existenzielle Universum entworfen, in dem er seit 1972 lebt”.

Weitere Informationen finden sich auch auf der Website des Zauberers. Zu den Höhepunkten seiner Karriere gehören: Das Aufführung von Regentänzen in Neuseeland und Australien während Dürreperioden. Die Teilnahme an Protesten gegen den Abriss historischer Gebäude nach dem Erdbeben von Christchurch 2011 und der berühmte Kampf des Zauberers gegen die neuen Farben der Telekom-Telefonzellen in Christchurch.


Fundstelle: https://www.theguardian.com/
Fundstelle: https://www.npr.org/

Redaktion
JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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