Rechtsgeschichte: Der Tag, an dem versehentlich eine Frau die erste Bürgermeisterin der USA wurde

Im Jahr 1887 setzten einige Spaßvögel den Namen Susanna Salter auf die Liste für die Bürgermeisterwahl in Argonia (USA). Die Männer hatten den Wahlvorschlag als Scherz gemeint. Doch Susanna Salter wurde mit 60% der Stimmen gewählt und war damit die erste Bürgermeisterin der USA.

Susanna Madora Kinsey wurde am 2. März 1860 in Lamira im Osten des Bundesstaates Ohio geboren. Nachdem sie auf einer Farm aufgewachsen war, begann Susanna Salter 1878 ein Studium am Kansas State Agricultural College. Während ihrer Studienzeit lernte sie den Sohn des damaligen Vizegouverneurs von Kansas, Melville J. Salter, kennen und heiratete ihn 1880. Mit ihm hatte sie insgesamt neun Kinder. Susanna Salter interessierte sich für Politik und schloss sich der Woman’s Christian Temperance Union und der Prohibition Party an. Die Prohibition Party setzt sich bis heute gegen den Verkauf von Alkohol ein und propagiert absolute Abstinenz. Auch die Frauenbewegung, der sich Susanna Salter angeschlossen hatte, war für ein Alkoholverbot, sprach sich gleichzeitig aber auch für verschiedene Sozialreformen aus – zu diesen gehörte auch die Stärkung der Frauenrechte.

Frauenwahlrecht und Apfelschaumwein

Große Bekanntheit erlangte Susanna Salter aber dadurch, dass sie am 4. April 1887 überraschend zur Bürgermeisterin von Argonia (Kansas) gewählt wurde. Das Kuriose: Nominiert für die Wahl wurde sie von einer Gruppe von 20 Männern, die sie mit der Wahlniederlage hatten bloßstellen wollen. Sie wollten damit erreichen, dass sich Frauen nicht mehr für politische Ämter bewerben. Doch das ging gehörig nach hinten los. Susanna Salter wurde mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit zur ersten Bürgermeisterin der USA gewählt. Sie selbst wusste bis zur Wahl nicht, dass sie für diese nominiert worden war. Nach einem Jahr im Amt trat sie 1888 wieder zurück. Zu ihren einzigen nennenswerten Entscheidungen als Bürgermeisterin gehört das Verbot zum Konsum von Apfelschaumwein und ähnlichen alkoholischen Getränken in der Stadt. Für ihre einjährige Amtszeit erhielt Susanna Salter eine Bezahlung von einem Dollar. Ihr restliches Leben verlief relativ ereignislos. Susanna Salter wurde 101 Jahre alt und starb am 17. März 1961 in Norman (Oklahoma).

Das Spannende: Erst 1920 wurden mit dem Inkrafttreten des 19. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika alle Einschränkungen des Wahlrechts aufgrund des Geschlechts untersagt, womit Frauen das vollständige Wahlrecht auf allen Ebenen erhielten. In 1887 hatte jedoch der Staat Kansas bereits ein Gesetz erlassen, dass Frauen in Städten erster, zweiter und dritter Klasse (also je nach Einwohner*innen-Zahl) das aktive und passive Wahlrecht einräumte. Und wie ist die Lage heute? Von den 1.366 Bürgermeister:innen von US-Städten mit mehr als 30.000 Einwohnern waren nur 300, also gerade einmal 22 Prozent, Frauen.

Und wie sieht es mit Bürgermeisterinnen in Deutschland aus?

Doch auch in Deutschland waren Frauen lange Zeit von der politischen Partizipation ausgeschlossen. Erst am 30. November 1918 trat das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Damit konnten Frauen am 19. Januar 1919 zum ersten Mal in Deutschland reichsweit wählen und gewählt werden. Die erste bundesdeutsche Bürgermeisterin war übrigens die Ärztin Erika Keck (CDU). Die wurde 1948 zur Bürgermeisterin von Ahrensburg (Schleswig-Holstein) gewählt. Auch heute noch sind Frauen in den deutschen Rathäusern deutlich unterrepräsentiert. Nicht einmal jedes zehnte Rathaus wird von einer Frau regiert. Ihr Anteil liegt bei lediglich neun Prozent und stagniert damit seit Jahren auf niedrigem Niveau.

Die größte Stadt unter weiblicher Führung ist Köln mit über einer Million Einwohner:innen. Oberbürgermeisterin von Köln ist seit 2015 die parteilose Politikerin Henriette Reker. Die Juristin wurde am 17. Oktober 2015, einen Tag vor der Oberbürgermeisterwahl, Opfer eines Messerattentats, bei dem sie schwer verletzt wurde. Der 44-jährige Täter nannte als Motiv Rekers Flüchtlingspolitik. Die Wahl selbst fand wie geplant statt, da gem. § 46c Kommunalwahlgesetz NRW nur beim Tod eines Kandidaten eine Verschiebung der Wahl möglich ist.


Fundstelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Susanna_M._Salter

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