Lehrbücher für Referendar:innen: Welche Literatur gibt es für das Rechtsreferendariat?

Ist das erste juristische Staatsexamen erfolgreich bestanden, geht es für die meisten mit dem Rechtsreferendariat weiter. Dieser zweijährige Ausbildungszeitraum, soll angehende Jurist:innen auf den Arbeitsalltag in der Praxis vorbereiten. Das Referendariat glieder sich dabei in verschiedene Stationen: Zivilstation, Strafstation, Verwaltungsstation, Anwaltsstation und Wahlstation. Jede dieser Station hat ihre Besonderheiten und für alle gibt es natürlich auch eigene Lehrbücher. Damit ihr den Überblick nicht verliert, möchten wir euch hier die bekanntesten und beliebtesten Lehrbücher für die jeweilige Referendariats-Station vorstellen.

Referendariat

Bücher für die Zivilstation

Das Rechtsreferendariat beginnt in allen Bundesländern mit der Zivilstation. Hier lernt man, wie man Urteile schreibt, also die tägliche Arbeit von Zivilrichter:innen. Eine große Herausforderung dabei: Statt im Gutachtenstil wird nun alles im Urteilsstil abgefasst.

Das Standardwerk für die Zivilstation ist “Das Assessorexamen im Zivilrecht” von Anders/Gehle. Das Buch behandelt auf über 500 Seiten nahezu umfassend den für die Zivilrechtsstation relevanten Stoff. Insbesondere den Aufbau und die Formulierung der verschiedenen zivilrechtlichen Urteilsarten. Eine gute Alternative ist “Die Station in Zivilsachen” von Dallmeyer.

Während die meisten Jurastudierenden zur Vorbereitung auf das Erste Staatsexamen auf Skripte von Alpmann-Schmidt und Hemmer zurückgreifen, sind im Zweiten Staatsexamen die Werke des “Kaiser”-Repetitoriums am häufigsten anzutreffen. So auch beim Skript “Die Zivilgerichtsklausur im Assessorexamen”.

Neben dem Zivilprozessrecht und dem Verfassen zivilgerichtlicher Urteile spielt das Zwangsvollstreckungsrecht im Zweiten Staatsexamen eine viel größere Rolle als noch im Ersten. Es ist für Rechtsreferendar:innen deswegen unerlässlich sich die Grundzüge sowie die Klagearten des Zwangsvollstreckungsrechts klarzumachen. Zu einem der bekanntesten Werke gehört hier “Zwangsvollstreckungsrecht” von Lackmann.

Unsere Autor:innen halten im Zivilrecht die Skripte von Kaiser tatsächlich für unschlagbar. In den anderen Rechtsgebieten eignen sich aber genauso gut auch die Skripte der anderen Anbieter. Wichtig ist nur, nicht mit den Materialien für das Erste Examen zu lernen, weil hier die Schwerpunkte komplett anders liegen. Für das Zwangsvollstreckungsrecht emmpfehlen wir daher “Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen”, ebenfalls von Kaiser.

Bücher für die Strafstation

Die Strafstation gliedert sich in drei mögliche Klausurtypen. Die Anklage-Klausur aus Sicht der Staatsanwaltschaft, die Urteils-Klausur aus Sicht des:der Strafrichter:in und die Revisions-Klausur. Hierfür gibt es auch jeweils eigenständige Literatur.

Wer sich einen kompletten Überblick über den Ablauf eines Strafverfahrens verschaffen möchte, für den ist “Das Strafverfahren” von Haller/Conzen sicherlich genau richtig. Wer direkt zur Sache kommen und die Formulierung einer Anklage lernen möchte, dem legen wir das Skript “Die staatsanwaltliche Assessorklausur” von Alpmann ans Herz.

Eine Klausur, in der ein Strafurteil abgefasst werden muss, kommt im Zweiten Examen sehr selten vor. Es kann aber passieren. Und wenn man sich den typischen Aufbau eines Strafurteils und die Standard-Formulierungen dann kein einziges Mal angesehen hat, ist man gelinde gesagt aufgeschmissen. “Das Strafurteil” von Ziegler kann hier Abhilfe schaffen.

“Die Revision in der strafrechtlichen Assessorklausur” von Russack ist das non plus ultra der Revisions-Klausur. Hier finden sich kurz und knapp zusammengefasst wirklich alle Probleme, die einem bei der Revision im Zweiten Examen begegnen können. Ein absolutes Muss!

Bücher für die Verwaltungsstation

Das Verwaltungsrecht bietet im Zweiten Examen einen entscheidenden Vorteil: Man muss weniger Neues lernen! Denn die Klagearten der VwGO hat man bereits im Jurastudium gelernt. Es geht deswegen hauptsächlich darum, das bereits angeeignete Wissen praxistauglich in den Klausuren “abzuladen”.

Für die Verwaltungsstation gibt es zwei absolute Standard-Werke. “Das Assessorexamen im Öffentlichen Recht” von Pietzner/Ronellenfitsch und “Öffentliches Recht im Assessorexamen” von Kintz. Beide Bücher behandeln umfassend sämtliche Klausurtypen, die auf Referendar:innen in den verwaltungsrechtlichen Klausuren zukommen können.

Ebenfalls empfehlenswert: “Die Assessorklausur im Verwaltungsrecht” von Kerst/Gniewitz. Das Buch vermittelt für das Zweite Staatsexamen komprimiert das notwendige praktische Wissen für die Bearbeitung der Klausuren im Öffentlichen Recht. Aufbau und Formalien der verschiedenen Klausurtypen sowie die stetig wiederkehrenden prozessualen Probleme werden erörtert.

Auch in der Verwaltungsstation gilt es jedoch, dass in der Theorie gelernte Wissen, praxisorientiert einzusetzen und bei der Klausurbearbeitung zu glänzen. Die “Öffentlich-rechtliche Klausur im Assessorexamen” von Kaiser bietet hier das notwendige Training.

Bücher für die Anwaltsstation

Bücherempfehlungen für die Anwaltsstation gestalten sich schwierig. Denn grundsätzlich kann diese Station nach freier Wahl bei Kanzleien, die sich auf eines der drei Rechtsgebiete spezialisiert haben, verbracht werden. Oder auch bei Wald-und-Wiesen-Anwält:innen. Für das Zweite Staatsexamen ist es unabhängig von der Wahl der Kanzlei aber wichtig, dass es auch Klausuren aus Anwaltssicht gibt. Und diese funktionieren etwas anders als die Fallbearbeitung im Urteilsstil. Deswegen gibt es auch die die Klausurbearbeitung aus Anwaltssicht spezielle Literatur.

“Die Anwaltsklausur im Zivilrecht” von Kaiser erläutert in kompakter Weise den Aufbau sowie die Besonderheiten dieses Klausurtyps, insbesondere die in der zivilgerichtlichen Anwaltsklausur im Rahmen der Zweckmäßigkeitserwägungen anzustellenden Überlegungen.

“CRASHKURS Assex Anwaltsklausur: Zivilecht” fasst auf knapp 110 Seiten die Besonderheiten der zivilrechtlichen Anwaltsklausur mit Hilfe einprägsamer Übersichten und Checklisten zusammen.

Der Endgegner der Zivilstation: Die Kautelarklausur! Hier muss man Vertragstexte – beispielsweise AGB oder Testamente – selbst gestalten. Ohne Übung? Fast unmöglich! Hier hilft “Fälle zur Vertragsgestaltung”.

Aber auch im öffentlichen Recht können den Referendar:innen Anwaltsklausuren mit speziellen Anforderungen begegnen. Literaturtipp: “Öffentlich-rechtliche Anwaltsklausuren im Assessorexamen” von Bütter.

Urteilsstil, Tenorierung und Co.

Eine Besonderheit des Zweiten Examens gegenüber dem Ersten Examen ist dessen Praxistauglichkeit. Es werden nicht mehr Gutachten geschrieben und Fragen aufgeworfen, sondern Urteile und praxistaugliche Schriftsätze verfasst. Der Umstieg kann ganz schön schwierig sein. Hier helfen u.a. Bücher zum Urteilsstil und vor allem auch zur richtigen Tenorierung in Urteilen!

Tipps & Tricks für das Rechtsreferendariat

Man hat nur ein Referendariat. Deswegen sollte man aus den zwei Jahren das beste herausholen. Das gilt sowohl im Hinblick auf die wertvollen Einblicke in die juristische Praxis als auch im Hinblick auf eine gute Note im Zweiten Staatsexamen. Denn seien wir mal ehrlich: Darauf kommt es zumindet bei der Einstellung im Staatsdienst immer noch an. Folgende Ratgeber helfen dir bei der Organisation deines Rechtsreferendariats und dabei, ein gutes Examen zu schreiben:


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Redaktion
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