“Based on a true story”: Die besten Justiz-Dokumentationen

Im Namen der Gerechtigkeit wurden weltweit teils schreckliche Dinge getan. Man denke beispielsweise an die Juristen, die im Dritten Reich judenfeindliche Gesetze schufen und den Holocaust rechtfertigten. Gleichzeitig ist das Recht aber auch eine starke Waffe in den Händen derjenigen, denen Unrecht angetan wurde. Und die Justiz bringt viele bewundernswerte Persönlichkeiten hervor – wie beispielsweise die 2020 verstorbene amerikanische Supreme-Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg.

Aber wieso erzählen wir Euch das? Weil es schöne, traurige, aufrüttelnde und weise Justiz-Dokumentationen gibt, die sich genau mit diesen Themen beschäftigen. In diesem Artikel stellen wir Euch eine Auswahl vor.

RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit

“RBG” – so lauten die Initialen der legendären amerikanischen Supreme-Courte-Richterin Ruth Bader Ginsburg. Sie war nach Sandra Day O’Connor die zweite Fraue, die in den USA zur Supreme-Courte-Richterin ernannt wurde. Im Jahr 1993 von Präsident Bill Clinton. Ginsburg wurde 1933 in Brooklyn als Kind jüdischer Eltern geboren. Gemeinsam mit ihrem Mann studierte sie Rechtswissenschaften an der Harvard University, während sie gleichzeitig ihre gemeinsame Tochter betreute. Als ihr Mann an Hodenkrebs erkrankte, kümmerte sich Ginsburg parallel zu ihrem Studium auch um ihn. Trotzdem legte Ginsburg – inzwischen Mutter von zwei Kindern – eine beeindruckende juristische Karriere hin. Sie setze sich zeitlebens für die Stärkung der Rechte der Frau ein und sprach sich unter anderem für das Recht auf Abtreibung aus. Im Jahr 2020 verstarb Ginsburg an Krebs.

Die Dokumentation “RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit” (2018) porträtiert das Lebens Ginsburgs von ihrere Kindheit bis in die Gegenwart. Betsy West und Julie Cohen erzählen auch von den Prozessen am Obersten Gerichtshof und vom Einsatz Ginsburgs für die Gerechtigkeit. Vom National Board of Review wurde der Film als Bester Dokumentarfilm 2018 ausgezeichnet.

Das Leben der Supreme-Court-Richterin wurde aber auch als Spielfilm verfilmt. In “Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit” (2018) schlüpft Felicity Jones in die Rolle der jungen Ruth Bader Ginsburg. Der Film zeichnet den Aufstieg der Richterin am Obersten Gerichtshof nach. Laut Kritiker:innen eine “spannende, sehr gut erzählte und aufschlussreiche Geschichtsstunde über eine Pionierleistung für die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter in Amerika.“

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich

Der Deutsche Jens Söring kam mit 11 Jahren mit seinen Eltern in die USA. Dort studierte er an der Universität von Virginia und lernte dort die kanadischen Studentin Elizabeth Haysom kennen. Warum das juristisch interessant ist? Hayersoms Eltern wurden 1985 in ihrem Haus ermordet. Ihnen war nach einem gemeinsamen Essen mit ihrem Mörder beinahe der Kopf abgetrennt worden. Schnell fiel der Verdacht auf die Tochter des Paares und ihren Freund – Jens Söring. Beide gestanden die Tat – Söring zog sein Geständnis jedoch wieder zurück. Hayersom wurde wegen Anstiftung zu 90 Jahren Haft verurteilt. Söring wurde 1990 nach einer Grundsatzentscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte unter der Voraussetzung, nicht zum Tode verurteilt zu werden, an die USA ausgeliefert und dort zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. 2019 kam Söring nach 33 Jahren Haft auf Bewährung frei und wurde nach Deutschland abgeschoben. Er beteuert bis heute seine Unschuld.

Der deutsche Dokumentarfilm “Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich” (2016) thematisiert den Mord und die spätere Verurteilung Sörings und Haysoms. Die Filmemacher benutzen umfangreiche originale Filmaufnahmen aus Pressearchiven und den beiden Gerichtsprozessen. Sie zeigen auf, wieso die Schuldfrage bis heute nur unzureichend geklärt wurde. So haben DNA-Tests unter anderem mittlerweile ergeben, dass keine der am Tatort gefundenen Spuren Söring zuzurechnen sind.

A Man Can Make A Difference

Als “Nürnburger Prozesse” werden mehrere Prozesse gegen NS-Funktionäre bezeichnet, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erstmalig strafrechtlich für die Gräultaten der Nationasozialisten im Dritten Reich strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurden. Der erste Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher dauerte vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 und fand im Justizpalast in Nürnberg statt. Von den vierundzwanzig Angeklagten wurden zwölf zum Tode und sieben zu Freiheitsstrafen verurteilt, drei Angeklagte wurden freigesprochen. Zwei Verfahren wurden ohne Verurteilung eingestellt.

In dem deutschen Dokumentarfilm “A Man Can Make a Difference” (2015) widmet sich Ullabritt Horn dem Leben des US-Anwalts Benjamin Ferencz, der während der Nürnberger Prozesse als Chefankläger gegen Kriegsverbrecher auftrat. Ferencz kämpfte 1944 in einer Flak-Einheit der amerikanischen Armee in Frankreich. Er ermittelte unmittelbar nach der Befreiung in den deutschen Konzentrationslagern Ohrdruf, Buchenwald, Flossenbürg, Mauthausen-Gusen und Ebensee

Casting JonBenet

Die 1990 geborene JonBenét Patricia Ramsey wurde in den USA als Kinder-Schönheitskönigin bekannt. Ihre Mutter hatte das Mädchen mit den blonden Locken zu verschiedenen Wettbewerben angemeldet. Sie gewann unter anderem die Titel America’s Royale Miss, Little Miss Charlevoix, Little Miss Colorado, Colorado State All-Star Kids Cover Girl und National Tiny Miss Beauty. JonBenét wurde 1996 im Haus ihrer Familie tot aufgefunden. Zuvor hatten die Eltern angegeben, dass sie eine Lösegeldforderung in Höhe von 118.000 US-Dollar erhalten hatten. Die Polizei behandelte den Fall zunächst als Entführung, es ergaben sich jedoch schon früh Hinweise darauf, dass der Zettel mit der Forderung von den Eltern selbst verfasst worden war. Der Leichnam des Mädchens wurde später von ihrem eigenen Vater im Keller des Hauses gefunden. JonBenét war erwürgt worden. Der Fall ist bis heute unaufgeklärt.

In der Netflix-Dokumentation “Casting JonBenet” (2017) untersucht die australische Filmemacherin Kitty Green den ungeklärten Tod der sechsjährigen Schönheitskönigin. Verschiedene Schauspieler stellen dabei die am Fall beteiligten Personen dar und werden interviewt. So erhalten die Zuschauer:innen einen Einblick in das Gefühlsleben der Beteiligten und in mögliche Theorien um den Tod des Mädchens.

Erin Brockovich

Erin Brockovich arbeitete in den 90ern als Bürohelferin für den kalifornischen Rechtsanwalt Ed Masry. Dabei stieß sie auf eine Grundwasserverseuchungen in der Kleinstadt Hinkley, die in den 50ern und 60ern durch das Unternehmen Pacific Gas and Electric (PG&E) verursacht worden war. Die bewohner:innen litten deswegen an gravierenden gesundheitlichen Folgen. Brockovich löste mit ihren Recherchen eine Sammelklage aus, die 1996 den Betroffenen die höchste jemals gezahlte Summe von 333 Millionen US-Dollar einbrachte.

Die Geschichte um die Rekord-Sammelklage wurde 2000 unter dem Titel Erin Brockovich von Steven Soderbergh verfilmt. Die Hauptrolle spielte Julia Roberts, die dafür mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Der Film basiert auf Interviews, Ortsbesichtigungen, Medienberichten und Gerichtsakten. Die reale Erin Brockovich und der reale Ed Masry haben zwei kurze Cameo-Auftritte.

Mollath – “und plötzlich bist zu verrückt”

Der 1956 in Nürnberg geborene Gustl Mollath ist Opfer eines Justizirrtums in Bayern. 1991 heiratete Mollath seine Frau Petra. 2001 soll es zu tätlichen Auseinandersetzungen in der Ehewohnung gekommen sein, weswegen seine Frau ihn 2002 anzeigte. In der ersten Hauptverhandlung hatte das Gericht Zweifel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten Mollath weswegen ein psychologisches Gutachten eingeholt wurde. Das Landgericht Nürnberg-Fürth sah die angeklagten Taten letztendlich als erwiesen an. Trotzdem wurde er freigesprochen, da das Gericht von fehlender Schuldfähigkeit nach § 20 StGB ausging. Stattdessen wurde Mollath in einem psychiatrischen Krankenhaus nach § 63 StGB untergebracht. Nachdem mehrere Instanzen über fünf Jahre diese Einweisung bestätigt hatten, kamen 2011 massive Zweifel an den Vorwürfen gegen Mollath und der Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens auf. In einem Wiederaufnahmeverfahren wurde Mollath 2014 schließlich freigesprochen.

Der deutsche Dokumentarfilm Mollath „und plötzlich bist du verrückt“ zeichnet den Fall Gustl Mollath nach. Im Laufe des Films kommen nicht nur Befürworter und Gegner von Mollath zu Wort, sondern auch sein ehemaliger Verteidiger und Anwalt Gerhard Strate, der durch das Wiederaufnahmeverfahren des Prozesses einen Freispruch für seinen Klienten erwirken konnte.

Carlas Liste

Carla Del Ponte ist eine Schweizer Juristin und Diplomatin. Sie war von 1999 bis 2007 Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes für die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien sowie für den Völkermord in Ruanda. Als Chefanklägerin in Den Haag setzte sie sich unermüdlich für die Auslieferung von flüchtigen Kriegsverbrechern ein. Sie erreichte, das 9 von insgesamt 161 Personen, gegen die das UN-Tribunal seit 1993 Anklage erhoben hatte, verhaftet wurden oder sich freiwillig stellte. 63 Personen wurden vom Internationalen Strafgerichtshof verurteilt.

Die Dokumentation “Carlas Liste” (2006) zeichnet die Bemühungen der Juristin beim Internationalen Strafgerichtshof nach und zeigt, wie sie sich unermüdlich für die Auslieferung der letzten noch flüchtigen Kriegsverbrecher Ratko Mladic, Radovan Karadzic und Ante Gotovina einsetzt.

Der Fall Jacob von Metzler

Der Mordfall Jakob von Metzler und die sich daran anschließende Vernehmung und Folter des Täters Magnus Gäfgen durch den Polizisten Wolfgang Daschner (sog. “Rettungsfolter” ist einer der Klassiker des Strafrechts im Jurastudium. Gäfgen entführte und tötete den elfjährigen Bankierssohns Jakob von Metzler am 27. September 2003. Von den Eltern forderte er eine Million Euro Lösegeld. Kurz nach der Geldübergabe konnte Gäfgen gefasst werden. Bei der polizeilichen Vernehmung drohte ihm der damalige Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner Gewalt an, weil man dachte, das Opfer sei noch am Leben und könne noch gerettet werden. Gäfgen wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Daschner wurde auf Grund der “Rettungsfolter” zu einer Geldstrafe verurteilt.

Das TV-Drama “Der Fall Jakob von Metzler” (2012) umfasst die Entführung des Bankierssohns Jakob von Metzler und den Folter-Skandal gegen den Polizisten Wolfgang Daschner. Zwar handelt es sich um einen Spielfilm, Wolfgang Daschner und die Familie von Metzler arbeiteten bei der Entstehung des Drehbuchs jedoch eng mit Autor Jochen Bitzer zusammen. Einzelne Szenen des Films wurden vor dem Haus der Familie von Metzler gedreht.

Playing God

Kurz nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 verabschiedet der US-Kongress ein ungewöhnliches Gesetz. Die Politiker:innen legen einen milliardenschweren Fonds auf, aus dem alle Opfer entschädigt werden sollen, die freiwillig auf den Gang vor Gericht verzichten. Ein Mann wird dabei von George W. Bush zum Entscheider über alle Abfindungssummen ernannt: der Anwalt und Mediator Ken Feinberg. Für Feinberg ist die Aufgabe nicht neu, er ist ein Spezialist für Entschädigungszahlungen. Bereits 1984 tritt der Anwalt das erste Mal ins Rampenlicht, als 250000 Vietnam-Veteranen gegen eine Reihe von Chemiefirmen klagen, die das hochgiftige Agent Orange hergestellt haben. Und als die von BP verursachte Öl-Krise im Golf von Mexiko die Lebensgrundlage Tausender Küstenbewohner zerstörte, entschied Feindberg wer welche Summe erhalten sollte.

Die Dokumentation “Playing God” (2017) zeichnet das Porträt des charismatischen wie umstrittenen Mannes nach, dessen Aufgabe einen tiefen Blick in die Funktionsweise der amerikanischen Gesellschaft erlaubt. Zu Wort kommen Opfer, Befürworter und Gegner.

Just Mercy

Bryan Stevenson wurde 1959 geboren. Bereits als Kind litt er unter der Diskriminierung Schwarzer in den USA. Über ein Stipendium konnte Steverson zunächst Philosophie studieren. 1985 erwarb Stevenson sowohl einen Jura-Abschluss an der Harvard Law School als auch einen Master in Public Policy an der John F. Kennedy School of Government. In den folgenden Jahren setzte Stevenson sich unermüdlich für die Rechte Schwarzer ein und kämpfte gegen die Bestehenden Ungerechtigkeiten des US-Justizsystems. Als Anwalt vertrat er unter anderem Walter McMillian, dem der Mord an der damals achtjährigen Ronda Morrison in Alabama vorgeworefn wurde. Obwohl McMillian zum Zeitpunkt der Tat an einer Kirchenveranstaltung teilnahm, wurde er 1988 zum Tode verurteilt. 1993 wurde er nach Jahren im Todestrackt schließlich auf Grund des Engagements Stevensons freigesprochen.

In der Filmbiografie “Just Mercy” (2019) wird zum einen der Fall Walter McMillian aufgegriffen, zum anderen zeigt der Film die Arbeit des Strafverteidigers Bryan Stevenson, der McMillian vor Gericht vertreten hatte. Dem jungen afroamerikanischen Anwalt Bryan Stevenson stehen nach seinem Abschluss in Harvard eigentlich alle Türen offen. Er jedoch entscheidet sich gegen einen lukrativen Job und kämpft stattdessen für zu Unrecht verurteilte Straftäter.


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Redaktion
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