“Down Under” von “Men at Work”: Wie ein Kinderlied der Band das Leben schwer machte

Die meisten von Euch kennen die australische Rockband „Men at Work“ und ihren Millionenhit „Down Under“ von 1981. Die Band, bestehend aus vier, früher aus fünf Musikern, schaffte mit „Down Under“ einen Hitsong, der später sogar von einer australischen Fluggesellschaft als Werbelied eingesetzt wurde. Der Flötenriff ist derart legendär, dass man schon nach wenigen Sekunden erahnen kann, zu welchem Meilenstein der Musikgeschichte er gehört.

Doch leider war der Erfolg nicht gänzlich nur von positiven Ereignissen erfüllt. Nachdem 2007 im Zuge einer Quizshow einem größeren Publikum bewusst wurde, dass der legendäre Flötenriff eine etwas schnellere Version des Pfadfinder:innen – und Kinderliedes „Kookaburra Sits in the Old Gum Tree“ ist, wurde der Verlag „Larrikin Music“, der seit 1990 die Rechte an dem Lied hat, aktiv. Der Verlag leitete rechtliche Schritte gegen die Liedtexter von „Men at Work“ ein. Dadurch wurde 2009 eine Klage in Gang gesetzt, die sich maßgeblich ins Gedächtnis der Australier:innen einbrennen sollte. Der Vorwurf lautete: „Copyright Infringement“ (dt. Urheberrechtsverstoß). Der Flötenriff ist – so vermutet – hinsichtlich der Melodie des Kinderliedes gleich, lediglich die Geschwindigkeit ist eine andere.

Federal Court prüft Urheberrechtsverletzung

Um als Gericht ein Copyright Infringement festzustellen, bedarf es in Australien einem Dreierschritt:

  1. Das Werk, an dem Urheberrechte bestehen, muss identifiziert werden
  2. Danach muss der Teil des Werkes, welcher angeblich kopiert oder abgeleitet wurde, mit Bezug des Originalwerkes identifiziert werden
  3. Am Ende muss dieser Teil auch ein substanzieller Part des urheberrechtlich geschützten Werkes sein

Vor dem Federal Court in Australien, der gemäß des australischen Copyright Acts primär für Urheberrechtsverstöße zuständig ist, wurden im Zuge dessen beide Lieder genau überprüft. Die übernommene Melodie des Kinderliedes machte nicht einmal 6 % der Gesamtmenge der Takte von „Down Under“ aus, doch wurde letztendlich, nach Bestätigung der ersten beiden Punkte (siehe Punkt 1 und 2), vom Federal Court auch eine substanzielle Entnahme (siehe Punkt 3) vom Originallied bestätigt. Die Köpfe hinter Larrikan Music verlangten daher etwa 60 % des Profits, den die Band mit dem Lied eingespielt hat. Der zuständige Richter des Federal Courts wies diese übertrieben hohe Schadensersatzforderung mit den Worten “excessive, over-reaching and unrealistic” ab.

Am Ende wurde der Schadensersatz – etwas weniger dramatisch – auf 5 % der Einnahmen des Liedes, die seit 2002 generiert wurden, festgesetzt. Der Schadensersatz selbst wurde dabei von Fachleuten auf 600.000 – 700.000 Euro geschätzt. Darüber hinaus mussten ab diesem Zeitpunkt zukünftig Lizenzgebühren gezahlt werden. 

Nicht nur ein Copyright-Verstoß

Außerdem wurde vom Federal Court festgestellt, dass es sich – bei genauerer Betrachtung der Rechtslage – gar nicht um einen Urheberrechtsverstoß in diesem Sinne handelte. Die Liedschreiber haben nämlich in erster Linie gegen den sogenannten australischen Trade Practices Act (dt. ein Gesetz über Handelspraktiken) verstoßen. Nämlich, weil der Song bei den Organisationen, welche die Lizenzgebühren an die Musikschaffenden verteilen, „falsch“ deklariert worden war und sich die Liedtexter dadurch alle Lizenzeinahmen selbst einverleibten und Larrikin Music außen vorgelassen haben. Das nennen wir mal ganz genaue Juristerei!

Die bereits im Jahre 1988 verstorbene, eigentliche Liedschreiberin von „Kookaburra Sits in the Old Gum Tree“, die das Musikstück in den 1930ern schrieb, kannte zwar das Lied „Down Under“, echauffierte sich aber bezüglich der Ähnlichkeit beider Lieder nie. Möglicherweise fiel ihr die imitierte Stelle nicht einmal auf. Doch, was sagt Ihr? War die ganze Sache gerechtfertigt? Hört Euch den musikalischen Direktvergleich gerne selbst an und entscheidet:


Ganz ähnlich erging es vor Kurzen auch Ed Sheeran. Dem Briten wird vorgeworfen, seinen Hitsong “Shape of You” teilweise von dem älteren Lied “Oh Why” abgeschrieben zu haben (JURios berichtet).

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