Die 10 effektivsten Lernmethoden für Jurastudium und Referendariat

Das Jurastudium und das Referendariat sind vor allem von einem geprägt: lernen, lernen, lernen. Ob auf Klausuren, Hausarbeiten, mündliche Prüfungen, den Aktenvortrag oder das Staatsexamen. Bis man Volljurist:in ist, muss man sich eine unglaubliche Fülle an Wissen in relativ kurzer Zeit aneignen. Die große Herausforderung: Das Gelernte darf im Gegensatz zu Prüfungen im Bachelor- und Master-System nie wieder vergessen werden. Denn im Ersten und Zweiten Staatsexamen können – und werden mit fast hundertprozentiger Sicherheit – auch Themen aus den ersten Semestern abgefragt werden. Zumindest Definitionen und Theorienstreitigkeiten müssen dabei auch auswendig gelernt werden. Denn entgegen einem beliebten Vorurteil steht eben doch nicht alles im Gesetz. Wir haben uns die effektivsten zehn Lernmethoden angesehen und erklären, wie sie dir das Lernen im Jurastudium und Referendariat erleichtern können.

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1. Clevere Notizen mit der Cornell-Methode

Wer in der Vorlesung gut mitschreibt, behält den Stoff nicht nur besser im Kopf, sondern hat auch eine gute Grundlage für das spätere Wiederholen des Stoffes. Eine bewährte Lernmethode für Mitschriften ist dabei die sogenannte „Cornell-Methode“. Noch nie gehört? Macht nichts. Im Grundsatz geht es darum, das Notizblatt so aufzuteilen, dass es möglichst ordentlich und effektiv genutzt wird. Dein Blatt Papier wird in drei Abschnitte unterteilt. Der größte Teil in der Mitte ist für Notizen. Die linke Spalte ist für Fragen vorgesehen und im unteren Drittel trägst du in eigenen Worten eine Zusammenfassung ein.

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Wozu das gut sein soll? In deinem Jurastudium wirst du hunderte Stunden in Vorlesungen sitzen. In der Examensvorbereitung bleibt dann kaum Zeit, anhand deiner Notizen den gesamten Stoff noch einmal zu wiederholen. Wenn deine Notizen von Anfang an gut gegliedert sind, hilft dir das, nicht den Überblick zu verlieren und den Stoff der Vorlesungen schnell aufzuarbeiten.

2. Zeit und Energie sparen mit dem Pareto-Prinzip

Ein großes Problem im Jurastudium ist die Stoffmenge. Und die Zeit, die man hat, um sich unglaublich viel Wissen anzueignen. Im Rechtsreferendariat verschärft sich diese Situation sogar nochmals. Wäre es nicht toll, eine Lernmethode zu finden, wie man sich in möglichst kurzer Zeit möglichst effizient Wissen aneignen kann? Die gibt es. Das Pareto-Prinzip geht davon aus, dass mit 20 Prozent des Aufwands 80 Prozent des Gewinns eingefahren werden kann. Wie das geht? Zunächst schreibst du dir eine Liste mit allen Themen, die du lernen musst. Jetzt kommt der schwierige Teil: Die gesammelten Punkte werden nach Wichtigkeit sortiert. Was kommt bei der nächsten Klausur auf jeden Fall dran und was bringt dich auch langfristig beim Lernen voran? In die obersten und damit wichtigsten Punkte investierst du jetzt die meiste Lernzeit.

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3. 3, 2, 1 – Der Lernerfolg ist meins!

Egal, wie oft du eine Definition wiederholst, du kannst sie dir nicht merken? Dazu gibt es eine spezielle Technik: Die 3, 2, 1-Methode. Zuerst wird die Definition oder der Fachbegriff in zwei bis drei Wortteile zerlegt. Dann werden Assoziationen für die einzelnen Wortteile überlegt und zum Schluss ein Gesamtbild aus den einzelnen Sinnbildern erstellt. Diese Methode erfordert am Anfang etwas Übung – denn sie ist für Jurastudierende überraschend kreativ. Und auf Kreativität muss man sich erstmal einlassen. Am besten fängst du mit leichteren Definitionen im Strafrecht an, z.B. dem Erlaubnistatbestandsirrtum, der sich wunderbar in „erlaubt“, „Tat“ und „Irrtum“ zerlegen lässt.

4. Der Klassiker: Die Mindmap

Um komplexe Gedankengänge zu veranschaulichen, kannst du mit einer Mindmap arbeiten. Was viele noch aus der Schule kennen und im Studium als „Kinderei“ abtun, ist in Wirklichkeit eine sehr effiziente Methode, um das Gelernte zu visualisieren. Schreibe dazu in einem Brainstorming zunächst alle Stichpunkte zu einem Thema ungeordnet auf ein Notizblatt. Dann versuchst du, gemeinsame Oberkategorien (sog. „Cluster“) für mehrere Begriffe zu finden. Schließlich überträgst du das Ganze in eine Mindmap.

So kannst du dir auch ganz einfach einen übersichtlichen Lernplan erstellen. Die drei großen Überkategorien sind dabei „Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht“. Unter die drei Cluster trägst du jetzt jeweils die Rechtsgebiete ein, die Examensstoff sind. Im Strafrecht also beispielsweise „Strafrecht AT“, „Strafrecht BT“ und Strafprozessrecht. Darunter bildest du wiederum Unterbegriffe. Z.B. „Straftaten gegen das Leben“, wozu „Mord“, „Totschlag“, „fahrlässige Tötung“ usw. gehören. Probier’s doch gleich mal aus!

5. Das Master-System für Paragraphen

In welchem Paragraphen des BGB stand nochmal die Hypothek? Und wann wurde für die Rechtsgeschichte-Klausur das Reichsstrafgesetzbuch erlassen? Viele Menschen haben Probleme, sich Zahlen zu merken. Du bist damit also nicht alleine. Die meisten Paragraphen prägt man sich im Jurastudium einfach durch die tägliche Benutzung ein. Und vieles lässt sich auch einfach durch Blättern in den entsprechenden Gesetzen finden. Falls du dir einzelne Paragraphen, Nummern und Jahreszahlen trotzdem nicht merken kannst, hilft dir das sogenannte Master-System weiter. Dazu verknüpfst du Zahlen mit Buchstaben, z.B. 0 = n, 1 = t, 2 = a. Um dir eine mehrstellige Zahl zu merken, wandelst du sie also zunächst in Buchstaben um und bildest aus diesen Buchstaben dann einen Merksatz. Die Lerntechnik ist zwar mit etwas Aufwand verbunden, aber wenn du erst einmal dein eigenes Zahlen-Buchstaben-System entwickelt hast, kannst du die Methode bei Jahreszahlen und Paragraphen verwenden. Oder auch bei Telefonnummern.

6. Der Leitner-Algorithmus für Karteikarten

Eine beliebte Lernmethode unter Jurastudierenden sind Karteikärtchen. Gerade für Definitionen und Meinungsstreitigkeiten bietet sich die Technik an, um einmal erlerntes Wissen regelmäßig zu wiederholen. Doch wie oft sollte man sich Karteikarten eigentlich ansehen? Und gibt es ein optimales Schema für die Wiederholung? Die Antwort lautete ganz klar: ja! Der Leiter-Algorithmus geht von einem Karteikarten-Kasten mit bis zu fünf Fächern aus. Wenn du den Lernstoff, der auf der Karte steht, weißt, wandert die Karte in das zweite Fach. Kennst du die Antwort nicht, bleibt sie im ersten Fach, damit du sie dir am nächsten Tag nochmal anschauen kannst. Die Karten im zweiten Fach wiederholst du nur jeden zweiten oder dritten Tag. Karten im dritten Fach schaust du dir nur einmal die Woche an, usw. So wandert der Stoff in dein Langzeitgedächtnis. Und das ist wichtig für den großen Endgegner: das Staatsexamen.

7. Die Loci-Methode – Lernen vor Ort

Unser Gehirn hat ein „räumliches Erinnerungsvermögen“. Das bedeutet: Oft weißt du ganz genau, in welchem Buch oder auf welcher Seite du die Antwort auf eine Frage schon einmal gelesen hast, doch die Lösung fällt dir nicht ein. Die Loci-Methode macht sich dieses Phänomen zu Nutze und besteht aus zwei Schritten. Im ersten Schritt stellst du dir einen bekannten Weg oder einen Raum vor. In Gedanken läufst du dann an bestimmten Gegenständen vorbei. Im zweiten Schritt verknüpfst du wichtige Fakten oder Zahlen in der entsprechenden Reihenfolge mit den Gegenständen auf deiner Route. Voila! Diese Methode benutzt übrigens auch Sherlock Holmes in der britischen Erfolgsserie „Sherlock“.

8. Kenne deinen Lerntyp und höre auf ihn!

Das Konzept der Lerntypen geht davon aus, dass jeder Mensch über einen bestimmten Sinneskanal am effektivsten lernen kann. Man unterscheidet zwischen dem auditiven Typ (Hören), dem visuellen Typ (Sehen), dem kommunikativen Typ (Austausch) und dem motorischen Typ (Ausprobieren). Hirnforscher:innen gehen davon aus, dass man grundsätzlich möglichst viele verschiedene Kanäle und Sinneneindrücke nutzen soll, um den Lernstoff in das Langzeitgedächtnis zu befördern. Doch bestimmte Lernmethoden können für bestimmte Typen effizienter sein und dürfen deswegen häufiger angewendet werden. Auditive Typen lernen im Jurastudium am besten über Vorlesungen und Podcasts. Visuelle Typen am besten darüber, Lehrbücher zu lesen und sie sich zusammenzufassen. Der kommunikative Typ sollte sich einer Lerngruppe anschließen und der motorische Typ am besten möglichst interaktiv (mit Karten, Mindmaps und Co.) lernen.

Referendariat

9. Die Pomodoro-Methode – Guten Appetit!

Zeitmanagement ist im Jurastudium das A und O. Sowohl in der Klausur als auch beim Lernen. Dabei hat sich die sogenannte Pomodoro-Methode als sehr effizient erwiesen. Einer der großen Vorteile der Pomodoro-Technik: Sie lässt sich ohne große Vorbereitung und ohne teure Hilfsmittel anwenden. Das Grundprinzip der Lerntechnik ist simpel: Phasen konzentrierter Arbeit wechseln sich ab mit regelmäßigen kurzen und längeren Pausen. So soll es möglich sein, produktiver zu arbeiten. Ein Pomodoro-Zyklus sieht folgendermaßen aus:

  • Aufgabe auswählen.
  • Wecker auf 25 Minuten stellen.
  • Aufgabe bis zum Klingeln bearbeiten.
  • Wenn der Timer klingelt, die erledigte Aufgabe von der To-do-Liste abhaken.
  • Drei bis fünf Minuten Pause machen.
  • Punkte 2 bis 5 wiederholen.
  • Nach dem vierten Durchgang 20 bis 30 Minuten Pause machen.

10. Die SQR3-Technik für komplexe Texte

Seien wir mal ehrlich: Gesetze sollten zwar eigentlich für den Laien verständlich geschrieben sein, sind es jedoch meistens nicht. Gesetze und andere Rechtstexte, in denen viele Fachbegriffe vorkommen, zu verstehen, ist deswegen gar nicht so einfach. Den tieferen Sinn eines Textes oder einer Theorie zu verstehen, ist jedoch die Grundvoraussetzung, um uns das Gelernte gut einprägen zu können. Hier hilft die SQR3-Technik (Survey, Question, Read, Recite und Review). Mit dieser Lernmethode kannst du dir auch schwierige wissenschaftliche Texte gut erschließen. Zuerst wirfst du einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis und die Überschriften des Textes. Danach überlegst du, worum es im Text gehen könnte und schreibst Fragen auf, die sich dir stellen. Nun folgt die Lesephase: Dabei markierst du wichtige Textstellen. Danach nimmst du eine Zusammenfassung der einzelnen Textabschnitte vor. Und schon hast du dir einen komplexen Text oder Sachverhalt in kleinen Häppchen erschlossen.

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