Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit: LGBTIQ+ Jurist:innen zeigen Gesicht!

Die Kampagne #GesichtZeigen des Karrierenetzwerks ALICE macht zum dritten Mal in Folge LGBTIQ+ Vorbilder in der juristischen Branche sichtbar und stiftet Mut. Denn eine Regenbogenflagge macht noch lange kein diverses Arbeitsumfeld aus. Hier muss sich auch in der juristischen Branche noch mehr tun.

Am 17. Mai. findet jedes Jahr der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit statt. Das LGBTIQ+ Karrierenetzwerk ALICE veröffentlicht seit 2020 an diesem Tag eine Liste erfolgreicher LGBTIQ+ Jurist:innen. So auch in diesem Jahr. Ziel ist es, anderen Mut zu machen, sich in der noch als konservativ geltenden juristischen Branche zu outen. Denn: Ursprünglich plante das Netzwerk, eine Liste mit 100 Jurist:innen zusammenzustellen, die lesbisch, schwul, trans- oder intergeschlechtlich sind. Doch im ersten Jahr der Kampagne kamen nur 40 Personen zusammen. Und das, obwohl jede:r mitmachen kann und die Kampagne öffentlichkeitswirksam in den Sozialen Netzwerken beworben wurde. Das zeigt, wie konservativ die juristische Branche geprägt ist. Doch 2022 sieht es schon bunter aus – auch Dank ALICE und inzwischen 70 Teilnehmer:innen.

LGBTIQ+ Jurist:innen erfahren noch immer Diskriminierung

Noch immer schrecken viele lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie queere Menschen (LGBTIQ+) vor einem Outing am Arbeitsplatz zurück. Über 60 Prozent der LGBTIQ+ Personen fürchten sich vor negativen Auswirkungen auf ihre Karriere. Noch rund 30 Prozent aller LGBTIQ+ Personen erfahren Diskriminierung am Arbeitsplatz, etwa in Form von physischer und verbaler Belästigung, sozialer Isolation und unfairer Behandlung in Recruiting-, Auswahl- und Beförderungsprozessen. Das sind im 21. Jahrhundert erschreckende Zahlen. Zeit, Menschen zu zeigen, die es in ihrem juristischen Beruf trotzdem weit gebracht haben – auch nach dem Outing.

„Wir haben noch einen langen Weg vor uns”, sagt Matthias Gippert, Anwalt und Senior Associate bei Herbert Smith Freehills LLP. Aber: “Wir alle können mithelfen, dass dieser Weg hin zur sozialen Gleichstellung ein wenig leichter wird“. Auch Dr. Sebastian Schröder, Partner bei AQUAN Rechtsanwälte mbB, erhofft sich als geouteter Vater einer Regenbogenfamilie mit seiner Teilnahme und dem offenen Umgang mit queeren Themen ein Vorbild für Kolleg:innen zu sein, denn “nur ein offener Umgang mit den vielfältigen Lebensformen unserer Mitarbeiter versetzt jeden Einzelnen in die Lage, sich frei zu entfalten.”

Stuart Bruce Cameron, Gründer und CEO der UHLALA Group und Initiator des LGBTIQ+ Karriere- und Allyshipnetzwerks ALICE ist zuversichtlich: „Wir hoffen sehr, bis zum nächsten Jahr mindestens 100 Teilnehmende für unsere Liste zu gewinnen. Das so positive Echo der zurückliegenden Jahre bestärkt uns und zeigt immer wieder, dass wir mit #GesichtZeigen LGBTIQ+ Menschen wirklich erreichen. Das freut uns und macht uns stolz!”

Wer sind die Jurist:innen auf der Liste? Eine beispielhafte Vorstellung

Die Jurist:innen kommen aus den verschiedensten Kanzleien. Darunter unter anderem Kanzleien aus den USA und Großbritannien, wie Allen & Overy, Hogan Lovells, White & Case, DLA Piper, Gibson, Dunn & Crutcher, Latham & Watkins, Herbert Smith Freehills, Simmons & Simmons oder Linklaters. Aber auch deutsche Großkanzleien sind dabei: Zum Beispiel Hengeler Mueller, GSK Stockmann, Kapellmann und Partner, Noerr und CMS Hasche Sigle. In der Minderheit: LGBTIQ+ Juristen:innen aus Unternehmen oder dem öffentlichen Dienst.

Die Liste stellt dabei ausdrücklich kein Ranking dar. Sie soll vor allem jungen Jurist:innen bei ihrem Berufseinstieg als Vorbild dienen. Wie vielseitig die Liste ist, zeigt sich schnell.

Unter den LGBTIQ+ Juristen:innen ist beispielsweise Barbara Kötter, Gruppenleiterin für Beschaffungsrecht bei der Frauenhofer Gesellschaft e.V. Die Besonderheit: Die Frauenhofer-Gesellschaft hat ein eigenes Regenbogennetzwerk, in dem sich interessierte Mitarbeiter:innen standortübergreifend verbinden.

Ebenfalls auf der Liste: Christoph Podszun, Geschäftsführer für die Rechtsanwaltskammer für den OLG-Bezirk Hamm. Das ist wichtig, denn die Kammern engagieren sich bei der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft, der anwaltsorientierte Jurist:innen-Ausbildung und bieten Fortbildungen an.

Dr. Jan Stöß war lange als Verwaltungsrichter tätig. Jetzt ist er Leiter der Zentralabteilung der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen. Hier ist er für alle Personal- und Rechtsfragen, insbesondere auch für Einstellungsverfahren zuständig. Ein großartiges Zeichen, wenn man bedenkt, dass LGBTIQ+ Juristen:innen oftmals auch bei der Einstellung diskriminiert werden.

Als Project & Data Manager ist Rasul Rübestahl in der Rechtsabteilung (Kartellrecht) von Daimler tätig. Er ist zuständig für den Aufbau einer Digital- und Datenlandschaft in Litigation-Projekten. Bei Mercedes-Benz wurde erstmals im Juni 2021 der Daimler Pride Month ausgerufen. Das Unternehmen will eine Kultur der Wertschätzung und des Respekts fördern, in der Herkunft, Alter, Geschlecht und geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung keine Rolle spielen.

Die Liste könnte man hier noch weiter fortführen. Aber schaut sie Euch am besten auf der Kampagnenseite selbst an: https://alice.lgbt/gesichtzeigen/

Redaktion
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JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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