Italien: Bußgeld wegen überteuertem Espresso

Weil der Espresso in einem Cafe in Florenz zwei Euro kostete – statt wie üblich einen Euro – muss der Gastronom jetzt 1.000 Euro zahlen.

Caffè ist für die Italiener:innen mehr als nur ein Heißgetränk. Es ist ein Lebensstil. Die Tradition lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals trafen erstmals Schiffe mit Kaffeebohnen aus dem Orient in Venedig und Triest ein. Letztere ist seit jeher als das Mekka des italienischen Kaffees bekannt. Die “italienische Röstung” entspricht der dunkelsten der fünf “klassischen” Röstgrade.

Zum Frühstück trinken die Italiener:innen sehr gerne einen Cappuccino. Ab dem Mittagessen ist der Espresso die Nummer eins und ist bis heute das Nationalgetränk Italiens – keine Nation trinkt soviel Espresso wie sie. Es ist durchaus nicht unüblich, dass Italiener:innen ihren Espresso im Stehen bzw. im Vorbeigehen trinken. Die Espressomaschine wurde angeblich in Neapel erfunden, um die Kaffeezubereitung schneller zu machen.

Espresso für einen symbolischen Euro?

Doch warum erzählen wir das alles? Weil es in Florenz rund um den italienischen Espresso zu einem wahren Skandal kam! Ein Mann rief gar die Polizei. Die Begründung: Sein entkoffeinierten Espresso sei zu teuer! Denn: In Italien ist es üblich, dass man für einen Espresso den schon fast symbolischen Betrag von einem Euro bezahlt. Nicht mehr, nicht weniger. Der Wirt des “Ditta Artigianale” im Zentrum von Florenz verlangte von seinem Kunden jedoch einen Preis von zwei Euro. Der Mann war beim Bestellen aber davon ausgegangen, dass auch das “Ditta Artigianale” sich an die inoffiziellen Preisabsprachen für Espressi halten würde. Falsch gedacht…

Und so rief der Kunde die Polizei. Und diese brummte den Wirt ein Bußgeld von 1.000 Euro auf. Die Begründung: Die Getränkepreise seien weder auf noch hinter dem Tresen einsehbar. Dass man den Kaffee-Preis auf der Website des Cafes einsehen konnte, reichte der italienischen Polizei nicht. Francesco Sanapo, der Inhaber des “Ditta Artigianale” äußerte sich in einem Video auf Facebook ungläubig: “Sie haben mir ein Bußgeld aufgedrückt, weil sich jemand darüber aufgeregt hat, dass er zwei Euro für einen koffeinfreien Espresso bezahlen musste. Ist das zu glauben?” Er betont, dass sein Kaffee auf einer kleinen Plantage in Mexiko angebaut werde und jeden Cent wert sei.

Rechtslage in Deutschland?

Sanapo und sein Café stehen bereits bei der Eröffnung 2013 in der Kritik. Denn der Espresso kostete schon damals 1,50 Euro. Inzwischen steht er damit aber nicht mehr alleine da. Im Laufe des vergangenen Jahres haben rund 70 Prozent der Cafés in Italien ihre Preise angehoben.

Und wie ist die Rechtslage in Deutschland? Die Preisangabenverordnung bestimmt seit 1970 unter anderem, wie der Preis für das Anbieten von Waren oder Dienstleistungen im Verhältnis zu den Endverbraucher:innen anzugeben ist. So ist beispielsweise die bloße Angabe von Nettopreisen – auch mit Zusätzen wie „zzgl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer“ – unzulässig. Grundsätzlich sind Preisverzeichnisse auf den Tischen bzw. im Gastraum auszulegen. Außerdem sind die Preise für die im wesentlichen angebotenen Speisen und Getränke neben dem Eingang von Restaurants, Cafes und Bars anzubringen. Bestimmte Verstöße gegen die Preisangabenverodnung werden auch hier bei uns in Deutschland als Ordnungswidrigkeit geahndet.


Fundstelle: https://www.lanazione.it/
Fundstelle: https://gastronomierecht-anwalt.de/

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