Jurastudium: 10 Tipps für die perfekte Jura-Hausarbeit

Egal an welcher juristischen Fakultät du studierst: Hausarbeiten und Seminararbeiten machen einen nicht unbeachtlichen Teil deiner Prüfungsleistungen im Jurastudium aus. An der Universität Tübingen schreib man beispielsweise mindestens drei „kleine“ Hausarbeiten, drei „große“ Hausarbeiten sowie eine Schwerpunktarbeit. Dabei haben Hausarbeiten gegenüber Klausuren einen entscheidenden Vorteil: Man kann sich viel Zeit nehmen, alle Probleme des Falles in der Bibliothek recherchieren und zu Hause in Ruhe die Lösung überdenken. Daraus ergeben sich aber auch Nachteile: Auch die Korrektor:innen nehmen sich für dein Gutachten mehr Zeit. Und sind bei Sprachfertigkeit und Formalia besonders streng. Mit unseren zehn Tipps wird deine nächste Jura-Hausarbeit aber bestimmt ein voller Erfolg.

1. Fange rechtzeitig an

Eigentlich ist unser Tipp Nr. 1 sehr offensichtlich. Trotzdem möchten wir Euch nochmal dran erinnern, unbedingt rechtzeitig anzufangen! Ja, Hausarbeiten in der vorlesungsfreien Zeit sind mühsam. Viel lieber würde man in den Urlaub fahren oder zumindest täglich an den Badesee gehen – gerade im Sommer. Und im Winter steht meistens mit Weihnachten und Neujahr der Verwandtschaftsbesuch an. Trotzdem: Nutze die ca. drei Monate, die dir deine Universität gibt, voll aus! Und: Je früher du anfängst, desto früher bist du auch fertig. Und desto weniger Stress musst du dir auf dem Weg zu deiner perfekten Hausarbeit machen.

Ein Beispiel: Ich hatte einen Kommilitonen, der erst drei Wochen vor Abgabefrist anfing Literatur zu recherchieren. Das führte dazu, dass viele Bücher bereits verliehen waren und er auch im Bestand nicht alle notwendigen Aufsätze direkt finden konnte. Am Ende hatte er sehr wenig Literatur und keine Zeit mehr, seine Arbeit Korrektur zu lesen. Anders erging es einer guten Freundin: Sie startete zwar sechs Wochen vor Abgabe, hatte dann aber leider drei Wochen lang einen schwere Grippe. An ein konzentriertes Arbeiten war in dieser Zeit nicht zu denken. Beide haben ihre Hausarbeiten zwar bestanden – aber nicht mit guten Noten.

2. Schreibe dir einen Zeitplan

Bevor du mit irgendetwas anfängst: Erstelle dir zumindest einen groben Zeitplan, in dem du festhältst, an welchen Tagen du an der Hausarbeit arbeitest und wie lange du dir für die einzelnen Schritte (Recherche, Lösungsskizze, Schreibprozess, Korrektur) Zeit nimmst. Eine grobe Aufteilung könnte beispielweise ¼ Recherche, ¼ Lösungsskizze, ¼ Schreibprozess und ¼ Korrektur lauten. Das ist aber nur ein grober Anhaltspunkt. Wer viel vorbereitet, kann die Arbeit später „schneller runterschreiben“. Umgekehrt gibt es aber auch Studierende, die die Hausarbeit lieber „häppchenweise“ lösen und beispielsweise zunächst Teilaufgabe 1 vollständig fertigstellen, bevor sie mit der Recherche zu Teilaufgabe 2 anfangen.

Neben einer groben Zeiteinteilung solltest du dir aber auch einen Wochenplan erstellen. Der könnte beispielsweise vorsehen, dass du Montags in der Bibliothek recherchierst, dich Dienstags mit Kommiliton:innen zum Austausch triffst, Mittwochs kopierte Aufsätze liest, auswertest und zusammenfasst und Donnerstag und Freitag mit dem Schreiben anfängst. Das Wochenende wäre in diesem Zeitplan frei. Viele Studierende müssen aber auch noch einen Nebenjob im Plan unterbekommen. Dann wird es schon komplizierter.

3. Erstelle dir eine grobe Lösungsskizze

Bevor du mit dem Schreiben anfängst, solltest du dir unbedingt eine Lösungsskizze erstellen. Dieser Tipp gilt auch für Klausuren. Denn solange du nicht weißt, welche rechtlichen Probleme im Sachverhalt überhaupt auf dich zukommen, kannst du diese auch nicht recherchieren. Je feingliedriger deine Lösungsskizze ausfällt, desto leichter fällt dir später das Verfassen des Gutachtens. Verzettle dich aber nicht zu lange in kleinen Details: Denn Änderungen kannst du später immer noch vornehmen. Und es ist auch ganz normal, dass du während des Schreibprozesses noch ein Unterproblem entdeckst, dass du zuvor übersehen hast. Am besten gliederst du deine Lösungsskizze direkt so, wie später auch dein Gutachten gegliedert sein soll. Das spart Arbeit.

Hilfreich kann es auch sein, nach jeder Überschrift ein paar Zeilen Platz zu lassen. Wenn du einen Aufsatz findest, der zu diesem Thema passt, kannst du dir die Fundstelle jetzt direkt an dieser Stelle notieren. Ein weiterer Tipp: Verwende innerhalb der Lösungsskizze die Farben, mit denen du die entsprechenden Probleme im Sachverhalt markiert hast. Wenn du also beispielsweise alle Hinweise zur Anfechtung im Sachverhalt blau markiert hast, wird auch die entsprechende Stelle in der Lösungsskizze blau. Hast du den Tatkomplex des Betrugs rot markiert, wird auch der Betrug in der Lösungsskizze rot dargestellt. So schaffst du einfach Verknüpfungen und verlierst nicht den Überblick.

4. Recherchiere alle Probleme vorab

Viele Jurastudierenden neigen in den Anfangssemestern dazu, direkt mit der Tür ins Haus zu fallen. Das heißt: Man erkennt (vermeintlich) ein altbekanntes Problem im Sachverhalt und will es direkt lösen. Denn die grobe Lösung kennt man ja noch aus der Vorlesung. Vor diesem Vorgehen warnen wir ausdrücklich. Gerade Anfänger:innen erkennen juristische Probleme oft nicht auf den ersten Blick. Oder hinter dem Problem versteckt sich ein Folgeproblem, das in der Eile dann übersehen wird. Das bedeutet: Auch, wenn du denkst, das Problem zu erkennen und die Lösung zu wissen, bitte alles nochmal in einem Lehrbuch deines Vertrauens nachlesen! Im Zweifelsfall musst du für deine Lösung sowieso eine Quelle angeben. Die Literaturrecherche ist also nie umsonst. Wenn deine Hausarbeit nicht gerade aus mehreren Aufgaben besteht, raten wir auch dringend dazu, die Recherche für die gesamte Hausarbeit am Anfang zu erledigen. So manövriert man sich nicht in eine Lösung hinein, die man später mit großem Aufwand wieder verwerfen muss, weil man ein Teilrechtsproblem übersehen hat.

5. Tausche dich mit Kommiliton:innen aus

Bei Professor:innen verpönt, bei Student:innen beliebt: Die WhatsApp-Hausarbeitengruppe und die Fakultäts-Facebookgruppe. In beiden werden (vermeintlich richtige) Ideen zur Lösung der Hausarbeit geteilt und Literaturtipps gegeben. Zunächst eine Warnung vorab: Lass dich nicht von Kommiliton:innen verunsichern, vergiss aber gleichzeitig auch das eigenständige Denken nicht. Nicht jede „geniale Lösung“ ist auch wirklich genial. Und man muss nicht 100 Aufsätze zum Erlaubnistatbestandsirrtum gelesen haben, nur, weil es andere tun. Es ist aber trotzdem hilfreich, sich mit Kommiliton:innen und Freund:innen über die Hausarbeit auszutauschen. Damit meinen wir aber eher kleinere Lerngruppen bestehend aus 3-5 Personen. Hier kann man sich gegenseitig für Klausuren abfragen, Literatur austauschen, aber auch einfach mal „Dampf ablassen“. Dabei ist es auch grundsätzlich erlaubt, über die rechtlichen Probleme der Hausarbeit zu reden und sich über mögliche Lösungswege auszutauschen. Beachte dabei nur, dass ihr nicht 1:1 die gleiche Lösungsskizze abgeben dürft. Abschreiben ganzer Passagen ist offensichtlich ebenfalls tabu. Im Zweifelsfall droht hier eine Bewertung mit null Punkten wegen eines Betrugsversuchs. Das soll aber niemanden davon abhalten, gemeinsam Kaffee zu schlürfen und zu erörtern, ob das Kopftuchverbot für Rechtsreferendarinnen gegen Art. 4 GG verstößt.

Skripte

6. Nutze die online Datenbanken deiner Uni

Auch die juristischen Fakultäten kommen so langsam im 21. Jahrhundert an. Dabei verfügt noch nicht jede Universität über alle juristischen Datenbanken und selbst die Datenbanken, die man als Studierende kostenlos abrufen kann, sind inhaltlich oft stark eingeschränkt. Über die Uni-Bibliothek bzw. die Website der Fakultät solltest du aber zumindest Zugriff auf beck-online und juris haben. Beide Datenbanken sind echte Goldgruben, wenn es darum geht, nach Literatur für Hausarbeiten zu recherchieren. Dabei hat die online Recherche einen eindeutigen Vorteil: Du musst das Haus dafür nicht einmal verlassen. Theoretisch kannst du also aus dem Bett heraus deine Hausarbeit schreiben. Gerade bei Kommentaren und Aufsätzen ist das sehr nützlich. Kommentare in der aktuellen Auflage sind in der Bibliothek oft verliehen und auch im Präsenzbestand nicht immer verfügbar. Und bei Aufsätzen ist die Sucherei nach dem richtigen Heft und das händische Kopieren des Textes am Kopierer sehr aufwändig. Online kann man sich den Aufsatz einfach als .pdf abspeichern und immer wieder hervorkramen und lesen.

Ein Tipp an dieser Stelle: Online Quellen verschwinden genauso schnell wieder aus deinem Blickfeld, wie du das Dokument gefunden hast. Am besten erstellst du dir also einen „Literatur-Ordner“ auf deinem PC. In diesem erstellst du wiederum Unter-Ordner. Beispielsweise nach Aufgabenstellung: „Aufgabe 1“ und „Aufgabe 2“. Oder thematisch: „Anfechtung“, „Kaufvertrag“ und „Mangel“. In diesen Unterordnern speicherst du dann die jeweils thematisch dazugehörigen Aufsätze ab. Alternativ kannst du natürlich auch alles ausdrucken und in „echten“ Ordnern abheften und in dein Regal stellen. Wichtig ist nur, dass du auch die online Literatur irgendwie katalogisierst, um sie schnell wiederzufinden.

7. Verwende vielseitige Literatur

Wichtig ist aber, dass du nicht nur online Quellen verwendest. Es genügt nicht, nur den Beck Onlinekommentar zu benutzen. Und wenn ein thematisch passender Aufsatz online nicht verfügbar ist, musst du wohl oder übel in die Bibliothek fahren und ihn dort suchen, lesen und/oder kopieren. Was wir damit sagen wollen: Verwende möglichst vielseitige Literatur. Das bedeutet: Nicht nur Lehrbücher, sondern auch Kommentare, und Aufsätze. Am besten auch noch Festschriften, Dissertationen und Co. Viele Universitäten geben ein Minimum von zehn Quellen vor. Besser fährst du jedoch mit mindestens doppelt so vielen unterschiedlichen Quellen. Das kommt dir viel vor? Mitnichten! Wenn du drei verschiedene Lehrbücher für Staatsrecht, drei verschiedene Kommentare des GG und noch sechs Aufsätze verwendest, kommst du bereits auf 12 verschiedene Quellen. Das lässt sich beliebig „pushen“. Musst du im Strafrecht beispielsweise acht Tatbestandsmerkmale definieren, kannst du theoretisch acht verschiedene Lehrbücher/Kommentare für die Definitionen verwenden. Et voila!

Wichtig an dieser Stelle ist noch, dass dir auf keinen Fall folgender Anfängerfehler passiert: Zitiere niemals (nie, nie, nie!) Skripte, Schemata-Bücher oder Internetfundstellen. Das sind alles keine wissenschaftlichen Quellen und diese Fundstellen sind damit nicht zitierfähig! Umgekehrt darfst du aber nicht vergessen, dass man im Jurastudium auch Urteile zitieren kann und muss. Vor allem dann, wenn dein Fall auf einer Gerichtsentscheidung basiert, muss die natürlich unbedingt zitiert werden!

8. Zitiere sorgfältig

Und das bringt uns direkt zum nächsten Punkt: Zitiere sorgfältig. Und das sagen wir nicht zum Spaß! Es gibt Studierende, die den Fall der Hausarbeit zwar perfekt gelöst haben, aber trotzdem durchgefallen sind, weil sie die Grundsätze des Zitierens (und damit des wissenschaftlichen Arbeitens) missachtet haben. Denn: Bei deiner Hausarbeit handelt es sich um eine wissenschaftliche Arbeit. Alles Gedanken, die nicht deine eigenen sind, musst du deswegen belegen. Im Zweifel gilt dabei: Lieber eine Fußnote zu viel als eine Fußnote zu wenig.

Dem richtigen Zitieren in Klausuren und Hausarbeiten haben wir hier auf JURios deswegen einen eigenen Artikel gewidmet. Als prominenten Gastautor konnten wir hierfür Prof. Roland Schimmel gewinnen, Autor des Buches: „Juristische Klausuren und Hausarbeiten richtig formulieren“

Einen großartigen Leitfaden zum Zitieren findet Ihr online auch hier: https://www.jura.uni-frankfurt.de/

9. Plane Zeit zum Kürzen und Korrekturlesen ein

Lösungsskizze erstellt, recherchiert, Gutachten geschrieben und fertig? Mitnichten! Es tut uns leid, aber jetzt beginnt nochmals ein ganz eigenständiger Teil deiner Hausarbeitenerstellung. Die Korrekturphase. Diese wird meistens durch die Erkenntnis eingeleitet, dass man den Fall jetzt zwar umfassend gutachterlich gelöst hat, aber leider auf 28 statt der erforderlichen 25 Seiten kommt. Falls du an dieser Stelle stutzt, weil deine Hausarbeit nur 20 Seiten statt 25 Seiten lang ist, sei dir Folgendes gesagt: Du hast ein wichtiges Problem übersehen oder den falschen Schwerpunkt gesetzt! Kein Witz! Die meisten Sachverhalte sind so angelegt, dass du mit der angegebenen Seiten- oder Zeichenzahl gerade so hinkommst. 90 Prozent aller Studierenden geht es aber so, dass sie am Ende sogar noch kürzen müssen. Denn: Komplexe rechtliche Probleme kompakt darstellen, ist eine Herausforderung für sich. Deine Professor:innen fragen in jeder Hausarbeit und Klausur deswegen automatisch auch ab, ob du dich sprachlich knapp aber verständlich ausdrücken kannst und ob du in der Lage bist, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Jetzt heißt es also: Rotstift zücken und kürzen. Beginne mit unnötigen Füllwörtern wie „also, wohl, so, damit“ sowie unnötigen Wiederholungen (kannst du stattdessen nach oben verweisen?). Eventuell kannst du auch Gliederungsebene aaa) weglassen und damit die entsprechenden Überschriften „einsparen“?

Sobald du mit dem Kürzen fertig bist, solltest du deine Arbeit unbedingt nochmal korrigieren. Word übernimmt hier schon das Gröbste. Solltest du bei der Grammatik Probleme haben, scheue dich nicht davor, deine Arbeit einem nicht-juristischen Freund zum Lesen zu geben. Auch die Freundin, die Germanistik auf Lehramt studiert, kannst du um Hilfe bitten. Hauptsache deine Arbeit ist am Ende frei von Tipp- und Grammatikfehlern.

10. Beachte die Formalia deiner Universität

Die meisten Lehrstühle geben die Formalia für Hausarbeiten sehr streng vor. Meistens in sogenannten „Hinweisblättern“. Dabei können sich die Formalia sogar innerhalb einer Universität von Professor:in zu Professor:in unterscheiden. Halte dich also unbedingt an die Vorgaben der Person, welche die Hausarbeit erstellt hat. Auf keinen Fall solltest du allgemeine Formatvorgaben aus dem Internet verwenden. Klar ist auch: Wenn der:die Aufgabenersteller:in Times New Roman vorgibt, verwendest du nicht Calibri, nur weil dir die Schriftart besser gefällt. Und wenn das Zeichenlimit bei 40.000 Zeichen liegt, gibst du keine Hausarbeit mit 40.100 Zeichen ab. Selbst kleine Überschreitungen werden von den Korrektor:innen häufig mit Punkteabzug „bestraft“. Noch schlimmer erging es einer Kommilitonin, die 30 statt der geforderten 25 Seiten abgab. Der Professor kürzte die Hausarbeit kurzerhand auf das Maximum von 25 Seiten und berücksichtigte die überschreitenden fünf Seiten in der Korrektur nicht. Die Kommilitonin erhielt für ihre zwangsgekürzte Hausarbeit daraufhin drei Punkte, weil zentrale Informationen fehlten.

Ein (nicht allgemeingültiges) Beispiel für ein solches Hinweisblatt findet Ihr hier: https://www.jura.uni-muenchen.de/


Und jetzt: Viel Erfolg bei deiner nächsten Hausarbeit!

PS: Entspannung nicht vergessen! Hier findest du die besten Juraserien für die Lernpause!

Redaktion
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JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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