Oktoberfest: Mann, der mit Laptop im Bierzelt arbeitet, ist Anwalt

Ein Foto, das viral gegangen ist, zeigt einen Mann, der mit einem Laptop in der Hand in einem Münchner Bierzelt tanzt. Inzwischen ist klar: Bei dem Mann handelt es sich um einen Anwalt. Die Geschichte hinter dem Foto ist skurril.

Das besagte Bild kursiert seit Ende September im Netz. Es zeigt einen Mann im Festzelt „Ochsenbraterei“ in grün-kariertem Hemd und brauner Latzhose. Selbst im Bierzelt kann er sich nicht von seinem Laptop lösen. Als die anderen Besucher:innen anfangen zu YMCA, auf den Bänken zu tanzen, macht der Mann mit. Mit seinem Laptop in der Hand. Das Foto wurde der BILD von einem Wiesnbesucher zugespielt. Und der Mann, den es zeigt, ist seitdem eine kleine Internetberühmtheit.

18 Stunden gearbeitet und getrunken

BILD zitiert die Ochsenbraterei-Wirtin Antje Haberle: „Dieser Gast fühlt sich bei uns so ,dahoam’, dass er gleich mal sein Homeoffice zu uns verlegt.“ Inzwischen ist die Identität des Mannes tatsächlich geklärt. Wenig verwunderlich handelt es sich bei dem Mann um einen Anwalt. Genauer gesagt den brasilianischen Anwalt Gabriel Avelar. In verschiedenen Zeitungsinterviews gab der Anwalt an, insgesamt drei Tage lang mit Freunden auf dem Oktoberfest gewesen zu sein. In dieser Zeit habe er 18 Stunden lang gearbeitet und nebenher getrunken – durchgängig. Und: Eigentlich hätte er noch mehr arbeiten wollen. Das ging jedoch nicht, weil er im Festzelt keine Steckdose für seinen Laptop gefunden habe.

Screenshot von Avelars Instagram Account

Der 36-Jährige Avelar ist Inhaber einer Anwaltskanzlei und Berater. Er ist also sein eigener Chef und kann sich seine Zeit – und offensichtlich auch seinen Arbeitsort – frei aussuchen. “Meine Mitarbeiter kümmern sich zwar um die meisten Angelegenheiten”, sagte er dem Merkur. “Es gibt aber einige hochkarätige Fälle, die meine direkte Aufmerksamkeit erfordern.” Mit seinen Freunden habe er insgesamt vier Zelte besucht – und sei auch noch nach mehr als vier Maß in der Lage gewesen, komplexe Fälle zu lösen. Über seinen Wiesnbesuch sagt Avelar: „Ich hatte sehr viel Spaß und eine tolle Zeit!“

Doch auch deutsche Anwält:innen profitieren jedes Jahr vom Oktoberfest. Allerdings anders als Avelar. So werden auf dem Oktoberfest jedes Jahr rund 1.000 Straftaten begangen. Am häufigsten Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (2019: 237) und Körperverletzungen (2019: 263). Sehr zur Besorgnis von Polizei und Opferschutzverbänden gibt es jedes Jahr auch viele Sexualdelikte. 45 waren es alleine im Jahr 2019. In diesem Jahr wurden alleine in der ersten Wiesn-Woche 31 Sexualstraftaten angezeigt. Verschiedene Strafverteidiger:innen aus München bieten deswegen sogar Wiesn-Notrufe an. Während des Oktoberfests sind sie rund um die Uhr erreichbar. Und werden dringend benötigt – der Anwalt Dr. Vincent Burgert spricht gegenüber der TAZ von bis zu zehn Anrufen pro Tag (2017).

Redaktion
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