Studienbeginn Jura – Woran muss ich denken?

Die Entscheidung ist gefallen: Du möchtest Jura an einer deutschen Universität studieren. Damit beginnt eine neue, spannende Phase in Deinem Leben. Doch bevor Du zum ersten Mal in der Vorlesung sitzt, gibt es noch ein paar Dinge zu erledigen. Damit Du deinen Start ins Studierendenleben entspannt angehen kannst, haben wir Dir hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst, an die Du als angehende:r Jurastudent:in denken solltest.

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Wo soll’s hingehen? Die Uni-Auswahl

In diesem Beitrag soll es um die Aufnahme eines klassischen, universitären Jurastudiums gehen. Dafür ist eine Hochschulzugangsberechtigung Voraussetzung. In Deutschland ist das das Abitur oder eine berufliche Qualifikation. Wenn Du Deinen Abschluss in der Tasche hast oder darauf zusteuerst, kannst Du Dich mit einigen wichtigen Punkten zum Studienbeginn beschäftigen. Sofern Du Dich noch nicht für eine Universität entschieden hast, ist das natürlich etwas, was es zu überdenken gilt. Bei der Wahl der Universität spielen viele Faktoren eine Rolle, die ganz individuell ausfallen. Einer davon ist der Numerus Clausus oder NC der jeweiligen Universität, der aus der begrenzten Zahl der Studienplätze resultiert. Dieser bestimmt sich dadurch, mit welcher Note im vorigen Semester der „letzte“ Studienplatz vergeben wurde, man also gerade noch aufgenommen wurde. Daher unterscheidet er sich von Semester zu Semester. Außerdem werden in einigen Fällen bestimmte Noten, beispielsweise in Deutsch oder Mathematik, besonders stark gewertet. An manchen deutschen Unis gibt es für das Jurastudium keinen NC – die Abiturnote ist für die Vergabe der Studienplätze irrelevant.

Unseren JURios-Artikel zur Bedeutung der Abi-Note für das Jurastudium findest Du hier!

Doch auch, wenn Deine Abiturnote vielleicht nicht ganz an den NC deiner Wunsch-Uni heranreicht: Sich einfach mal zu bewerben, kann grundsätzlich nicht schaden. Denn mit welcher Note es am Ende noch klappt, variiert von Jahr zu Jahr. In diesem Fall solltest Du Dich aber unbedingt an mehreren Unis bewerben, wenn Du zum nächsten Semester Dein Studium beginnen möchtest. Auch generell ist eine Bewerbung an mehreren Unis zu empfehlen. Möglicherweise musst Du dann, wenn mehrere Zusagen bei Dir eintreffen, die Entscheidung für eine Universität nachträglich treffen.

Neben der Frage des NC wichtig: Möchtest Du in der Nähe Deiner Schulfreund:innen und Familie bleiben? Wirst Du womöglich erstmal nicht umziehen? Lebst Du lieber in einer Groß- oder Kleinstadt und was ist Dein finanzielles Limit für eine Unterkunft? Universitätsstädte unterscheiden sich stark in Sachen Wohnungskosten. In München liegt der Median der WG-Zimmer-Preise laut e-fellows.net bei 700 Euro, in Regensburg bei 435 Euro. 

Neben diesen familiären und finanziellen Faktoren haben vermutlich auch das Studienangebot und die Größe der jeweiligen Uni eine Auswirkung auf Deine Wahl. Hier kannst Du Dir die folgenden Fragen stellen: Bietet die Uni einen oder mehrere Schwerpunkte an, die mich interessieren? Gibt es ein Uni-Repetitorium für die Vorbereitung auf das Erste Staatsexamen und wie ist dessen Ruf? Möchte ich lieber an einer großen Uni studieren oder ist mir ein „familiäreres“ Umfeld wichtig? Spielt der Ruf der Uni generell eine Rolle für meine Wahl? Neben den Websites der jeweiligen Universitäten kannst Du Dich auch über andere Websites über die Eigenheiten des Jurastudiums an verschiedenen Unis informieren.

Ein paar Gedanken zur Studienfinanzierung

Dass ein Studium – und insbesondere die Lebenshaltungskosten während dieser Zeit – nicht ganz günstig sind, ist klar. Im Jurastudium beträgt die Regelstudienzeit zehn Semester. Vermutlich hast Du Dir über die Studienfinanzierung bereits Gedanken gemacht, wenn es auf die Bewerbung bzw. Einschreibung zugeht. Der Vollständigkeit halber hier aber ein paar grobe Anhaltspunkte zum leidigen Thema Geld.

Möglicherweise kommt BAföG als Mittel zur Studienfinanzierung in Frage. Erste Antworten auf alle Fragen hierzu bietet unser JURios-Artikel zur BAföG-Finanzierung. Außerdem steht es Dir natürlich frei, Dir einen Nebenjob suchen. Diesen kannst Du, solange er den Freibetrag nicht übersteigt, auch ohne Minderung neben dem Bezug von BAföG ausüben. Jobangebote findest Du oft über ein entsprechendes Uniportal oder Ausschreibungen an der Universität. Daneben helfen überregionale Websites wie die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeitstudentjob.de oder jobmensa.de bei der Jobsuche. Am besten schaust Du Dich auch am Schwarzen Brett und der Website Deiner Uni um. Beispielsweise nach HiWi-Jobs an einem Lehrstuhl. Mit einem sogenannten Minijob arbeitest Du steuerfrei. Die Einkommensgrenze dafür liegt – Stand Oktober 2022 – bei 520 Euro im Monat. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten bieten Stipendien, Studienkredite oder natürlich eigene Ersparnisse bzw. finanzielle Unterstützung durch Verwandte.

So bewirbst Du Dich um einen Studienplatz

Du hast Dir einen Überblick über das Studienangebot Jura verschafft und weißt, wo es hingehen soll? Außerdem weißt Du, wie Du Dein Studium finanzieren wirst? Dann wird’s jetzt konkret. Hat der Studiengang an der Universität Deiner Wahl keinen NC, kannst Du Dich direkt einschreiben. Anderenfalls geht es an die Bewerbung. Für angehende Jurastudierende erfolgt sie nicht über ein zentralisiertes System, sondern über die jeweilige Universität. Das Jurastudium kannst Du generell zum Wintersemester beginnen, an vielen Universitäten ist auch ein Start zum Sommersemester möglich. Wichtig ist in jedem Fall, die Bewerbungsfristen im Auge zu behalten, die auf den Websites der Universitäten veröffentlicht werden. Die Bewerbung für das Wintersemester erfolgt generell zwischen Mai und September, für das Sommersemester zwischen Dezember und März.

Auf der jeweiligen Uniwebsite müssen Bewerber:innen dann ein Onlineformular ausfüllen und dazu einige Anlagen hochladen. Hier sind meist ein Lebenslauf, das (beglaubigte!) Abiturzeugnis, ein Passbild und ein Krankenversicherungsnachweis erforderlich. Diese Unterlagen solltest Du also parat haben, wenn Du Dich an die Bewerbung machst. Einige Wochen nach Ende der Bewerbungsfrist verschicken die Universitäten Zu- oder Absagen für die jeweiligen Studiengänge.

Jetzt wird’s offiziell: Die Immatrikulation

Die Zusage an der Wunsch-Uni ist eingetroffen, nun folgt die Einschreibung, auch Immatrikulation genannt. Wenn Du Dich nicht fristgerecht immatrikulierst, wird Dein Studienplatz weitervergeben. Im Zuge der Einschreibung ist auch der Semesterbeitrag zu zahlen. Die Immatrikulation erfolgt in der Regel per Post, manchmal kann sie auch persönlich vorgenommen werden. Häufig kann eine bevollmächtigte Person Dich dabei vertreten. Vorgelegt werden müssen neben dem Zulassungsbescheid nun ein Identitätsnachweis und eventuell Original oder beglaubigte Kopie des Abschlusszeugnisses sowie eine Bescheinigung der Krankenversicherung. Daneben benötigst Du gegebenenfalls, falls nicht online übermittelt, ein oder mehrere Passbilder für den Studierendenausweis.

Nach der Einschreibung bist Du offiziell Student oder Studentin an der Hochschule. Du erhältst Deinen Studierendenausweis und eine Matrikelnummer – in der Regel per Post – daneben eine E-Mail-Adresse mit Passwort. Damit kannst Du verschiedene Online-Dienste Deiner Universität nutzen, Dich also beispielsweise zu Vorlesungen oder Prüfungen anmelden und Studienmaterial einsehen. Außerdem bekommst du Dein Semesterticket – je nach Uni auf’s Handy, als separates Ticket oder in Deinem Studierendenausweis inbegriffen. Außerdem erhältst Du Zugang zu Einrichtungen wie der Mensa und der Bibliothek. Auch hier benötigst Du entweder Deinen Studierendenausweis oder eine separate Zugangskarte. Zu Beginn Deines ersten Semesters musst Du Dich in der Regel online für Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften anmelden. Hierzu wirst Du Informationen erhalten oder kannst Dich, im Falle von Unklarheiten, bei der universitären Stelle, die Deinen Studiengang koordiniert, informieren.

Auf Wohnungssuche in der neuen Stadt

Studienanfänger:innen, die für ihr Studium umziehen müssen oder wollen, begeben sich womöglich zum ersten Mal auf Wohnungssuche. Das kann ziemlich aufregend sein. Eine Option ist es, sich ein WG-Zimmer oder eine eigene Wohnung bzw. ein Studio zu suchen. Die wohl bekannteste Plattform hierfür ist wg-gesucht.de. Nun heißt es schnell sein: Auf Inserate erhalten die Personen, die ein Zimmer anbieten, meist sehr viele Anfragen. Eine:r der ersten zu sein, der oder die sich auf eine Anzeige meldet, erhöht Deine Chancen, das Zimmer zu bekommen. Womöglich stehen dann WG-Castings oder ein Treffen mit dem:der hoffentlich zukünftigen Vermieter:in an. Auch persönliche Kontakte helfen oft weiter. Frage also direkt in Deinem Freundes- und Bekanntenkreis nach, ob jemand Dir in Sachen Wohnungssuche in einer bestimmten Stadt weiterhelfen kann oder verfasse einen entsprechenden Aufruf über Social Media.

Eine weitere – verhältnismäßig einfache und günstige – Option ist es, in ein Studierendenwohnheim zu ziehen. Um einen Platz können sich Studierende beim zuständigen Studierendenwerk bewerben. Am besten geschieht das schon einige Monate im Voraus. Hilfreich kann es auch sein, einfach mal persönlich beim Studierendenwerk vorbeizuschauen. So werden manchmal schneller freie Zimmer vergeben. Daneben existiert in einigen Universitätsstädten die Möglichkeit von „Wohnen gegen Hilfe“. Studierende erhalten eine besonders günstige Unterkunft und helfen dafür Senior:innen bei Alltagsaufgaben.

Nach der (informellen) Zusage zu einer Unterkunft sind noch ein paar Formalia zu klären. Es wird zunächst einmal ein Mietvertrag abgeschlossen. Lies Dir diesen genau durch: Ist das Mietverhältnis befristet oder unbefristet? Wie hoch ist die Miete inklusive aller Nebenkosten? Und wie hoch die Kaution? Gibt es eine Mindestmietdauer? Beinhaltet der Vertrag bestimmte Regelungen zu Schönheitsreparaturen? Außerdem musst Du Dich, falls Du den Wohnort gewechselt hast, beim zuständigen Bürgeramt anmelden. Die Anmeldung erfolgt vor Ort, einen Termin kannst Du in aller Regel online vereinbaren.

Ein erster Blick ins Gesetz – Studienmaterial beschaffen

Für die Vorlesungen und AGs bzw. Tutorien benötigst Du von Anfang an Gesetzestexte. Optimalerweise erfährst Du bereits in der Einführungswoche, welche das sind. Zu Anfang des Studiums genügen Gesetzessammlungen, wie beispielsweise die der Verlage dtv oder Nomos. Sobald das Studium offiziell anläuft, solltest Du diese zeitnah besorgen.

Auch Studienliteratur passend zum Rechtsgebiet wird in der Regel von Professor:in bzw. AG-Leiter:in empfohlen. Lass Dich hier nicht verrückt machen und dazu bringen, alles zu kaufen, was Dir vor die Nase kommt. Welche Lehrbücher und Skripten Dir weiterhelfen, ist sehr individuell. Statte deinem Buchladen einen Besuch ab und schau Dir das Angebot einfach mal an. So kannst Du am besten sehen, mit welcher Erklärweise und welchem Layout Du gut zurechtkommst.

In unserem Artikel “Lehrbücher für Jura-Erstis: Welche Bücher Jurastudierende im ersten Semester wirklich brauchen!” erhältst Du einen ersten Überblick.

Oft bietet die Fachschaft oder eine andere Organisation auch einen Bücherflohmarkt an, wo Du gebrauchte Studienliteratur günstig erwerben kannst. Eine weitere Option sind Facebookgruppen wie „Jura: Büchermarkt“. Achte bei gebrauchter Literatur aber darauf, dass sie noch ausreichend aktuell ist und Du keine veralteten Informationen übernimmst.

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Better together – Anschluss finden in- und außerhalb des Studiums

Eventuell bist Du komplett neu in der Stadt, hast wenig Kontakte und willst, dass das nicht lange so bleibt. Es empfiehlt sich daher, die Angebote für Erstsemester wahrzunehmen: In der Einführungswoche erfährst Du mehr über Deine Uni und das bevorstehende Studium und kannst daneben Deine Kommiliton:innen kennenlernen. Eventuell wird auch eine Erstifahrt angeboten und Partys für Erstsemester gibt es (zumindest, wenn gerade keine Pandemie herrscht…) sowieso immer. Corona hat die Situation in dieser Hinsicht natürlich erheblich verschlechtert. Wenn es im „echten Leben“ nicht möglich ist, hilft es aber auch, sich virtuell zu vernetzen. Oft existieren Social-Media-Gruppen für das jeweilige Semester. Auch, wenn es vielleicht etwas Überwindung bedarf: Scheu‘ Dich nicht davor, Kommiliton:innen – in einer Gruppe oder privat – einfach mal anzuschreiben. Schließlich sitzt ihr alle im selben Boot. 

Vorlesungen und AGs teilst Du, wenn die Pandemiesituation es zulässt, mit vielen Mitstudierenden. Manchmal kann die Anzahl der Studierenden an großen Unis, wenn es darum geht, Kontakte zu knüpfen, etwas überfordern. In AGs ist die Zahl der Teilnehmenden überschaubarer als in Vorlesungen und Du siehst die gleichen Kommiliton:innen jede Woche wieder. Generell ist es super hilfreich, offen zu sein, Mitstudierende einfach mal nach Rat oder einer gemeinsamen Kaffeepause zu fragen oder bisher Unbekannte in Gruppenaktivitäten einzubinden.

Neben Aktivitäten und damit verbundenen Kontakten an der Uni ist ein Ausgleich wichtig. Der kann dadurch erfolgen, dass Du Dir beispielsweise einen neuen Verein oder ein Ehrenamt suchst oder am Hochschulsport teilnimmst. Das sportliche und kulturelle Angebot in Universitätsstädten ist groß – hier findest du mit Sicherheit etwas, was Dich interessiert. Eine gute Möglichkeit, um etwas Neues auszuprobieren und Kontakte abseits Deiner Mitstudierenden zu knüpfen. Auch im Rahmen von Nebenjobs können sich neue Freundschaften anbahnen.

Der Studienbeginn ist eine aufregende Zeit voller neuer Eindrücke. Es ist dabei völlig normal, dass zu Anfang viele Fragen auftauchen. Diese klären sich jedoch erfahrungsgemäß mit der Zeit. Dabei hilft es, sich bei Unklarheiten an die zuständigen Stellen innerhalb der Fakultät zu wenden und sich mit Mitstudierenden zu vernetzen. Ansonsten bleibt zu sagen: Genieß‘ Dein erstes Studiensemester, sei neugierig, besuche verschiedenste Veranstaltungen und lass’ Dich nicht verunsichern. Gib Dir Zeit, deine Uni und Dein Studium kennenzulernen. Aber sei Dir auch bewusst, dass Du Dich jederzeit neu orientieren kannst, wenn Du das wirklich möchtest.

Helen Arling
Helen Arling
Doktorandin mit Schwerpunkt Völkerrecht, Kletterin, Katzenmensch.

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