Durchgefallen! Was jetzt? So gelingt der Letztversuch im ersten juristischen Staatsexamen

Es ist DIE absolute Albtraumvorstellung aller Jurastudierenden. Die Examensergebnisse werden veröffentlicht und man hat (schon wieder) trotz monatelanger, gründlicher Examensvorbereitung und akzeptabler Vorleistungen nicht bestanden. Man hat jetzt nur noch einen Examensversuch offen. In dem Moment bricht die Welt zusammen, man fühlt sich leer und verletzt. Doch das, was nach einem absoluten Horrorszenario klingt, ist nicht zwingend das Ende der Welt. Am Ende fallen nur 0,5 % aller Examenskandidat:innen im Letztversuch durch. In diesem Artikel sollen Mittel und Wege aufgezeigt werden, wie man das Juraexamen im Letztversuch trotz extremer psychischer Belastung letztendlich schaffen kann.

Tipps fürs Jurastudium

Nimm dir erstmal Zeit zum Reflektieren

So eine Nachricht zu bekommen, ist alles andere als schön und tut unglaublich weh. Das Jurastudium nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und kostet viele Nerven. Bevor du dich exmatrikulierst oder dich in einen weiteren Versuch stürzest, solltest du dir erstmal Zeit zum Ausruhen nehmen. Sicherlich steckt dir noch die Examensvorbereitung in den Knochen. Daher empfehle ich dir, etwas Zeit mit Herzensmenschen zu verbringen, weg zu fahren und alles zu tun, was dir guttut. Nimm dann im nächsten Schritt Klausureinsicht und beschäftige dich mit den Fehlern, die du im Examen gemacht hast. Und stelle dir die Frage: möchtest du wirklich Jurist:in werden? Nimmst du den Druck und Stress von einem Letztversuch in Kauf? Sind dir die vielen Möglichkeiten, die ein abgeschlossenes Staatsexamen bietet, den Aufwand wert? Frage dich auch, WARUM du das Examen bestehen möchtest. Nietzsche sagte einmal: „Wer ein Warum hat, dem ist kein Wie zu schwer.“

Mir hatte die Aussicht geholfen, durch ein bestandenes Examen viel selbstbewusster zu werden sowie meine Unsicherheiten und Ängste zu überwinden. Am besten du schreibst die Antworten auf. Dies ist maßgeblich für dein weiteres Vorgehen. Solltest du dich gegen den Letztversuch entscheiden und einen komplett anderen Weg einschlagen, ist das auch in Ordnung. Wichtig ist allein, dass du im Leben glücklich wirst. Kein Abschluss der Welt ist es wert, dass du dich quälst und unwohl fühlst oder psychisch krank wirst.

Hab keine Angst davor, dass andere dich verurteilen oder du keinen Job findest. Du gehst deinen Weg und alle um dich herum gehen ihren Weg. Sei ruhig, mutig und selbstbewusst genug, dich nicht für die Meinung der anderen zu interessieren. Das spielt in deinem Leben wirklich keine Rolle.

Such dir Hilfe und ändere deine Art zu lernen

Wenn du dich dafür entschieden hast, das Examen zu bestehen, musst du dir im nächsten Schritt Hilfe suchen. Normalerweise bietet jede Universität eine psychologische Beratungsstellung und ein Mentoring Programm (oder vergleichbare Anlaufstellen) an. Kümmere dich um einen Termin dort, bevor du deine Lernunterlagen wieder zur Hand nimmst. Dort kannst du wertvolle Tipps hinsichtlich funktionierender Lernstrategien erhalten. 

Sobald du dir Klarheit über dein weiteres Vorgehen verschafft hast, empfehle ich dir im nächsten Schritt noch einmal dein WARUM zu verdeutlichen. Im nächsten Schritt kannst du dir deine Lernunterlagen anschauen und am besten schriftlich in einem Protokoll festhalten, was an den Materialien gut oder schlecht ist.

Als nächstes kommt die Veränderung. Es gibt unzählige Bücher und YouTube-Videos zu dem Thema „Jura richtig lernen“. Vielleicht kann dir so ein Buch wertvolle Impulse geben. Wenn du bisher allein gelernt hast, empfehle ich wärmstens, dir eine engagierte Lerngruppe zu suchen. Im Team ist man immer stärker. Solltest du bisher relativ unstrukturiert gelernt haben, kannst du dir einen Lernplan schreiben, um Struktur in dein Lernen zu bringen. Auf jeden Fall solltest du Klausurtraining machen. Am Anfang kannst du gerne deine Unterlagen dazu verwenden. Lass nicht den Kopf hängen, wenn du noch nicht zu Beginn die Ergebnisse hast, die du dir wünschst. Das kommt alles mit der Zeit. Sei gut zu dir selbst. Die nächsten Monate werden ein Marathon und kein Sprint. Die Übungsklausuren sind so wichtig, weil du Routinen im Klausuren schreiben entwickeln musst, die dir helfen, in den Examensprüfungen nicht so aufgeregt zu sein.

Lerne aus Misserfolgen Erfolge zu machen

Verändere auch deine innere Einstellung zum Jurastudium und den Inhalten. Wenn du alles langweilig oder kompliziert findest, kannst du dir alles viel schlechter merken. Daher empfehle ich eine positive, wissbegierige und optimistische Einstellung.

Wichtig ist auch, dass du großzügig Zeit für den Letztversuch einplanst. Du kannst ruhig schon einen Termin ansteuern. Solltest du zum Zeitpunkt der Anmeldung für die Prüfung jedoch feststellen, dass du dich noch unsicher fühlst, kannst du weiterhin schieben. Ein Termin später ist im Vergleich zum endgültig nicht bestandenen Examen das geringere Übel.

Erwarte nicht, dass im Letztversuch ein Wunder geschieht und du plötzlich ein zweistelliges Prädikat schreibst, nur, weil es der Letztversuch ist. Auch wenn du deine Art zu lernen änderst und voll motiviert ins Examen gehst, bleiben Prädikatsexamen eine Seltenheit. Gleichwohl musst du nicht gleich pessimistisch werden und denken, dass es wieder nicht funktioniert. Zwischen „nicht bestanden“ und „mit Prädikat bestanden“ liegt eine breite Notenspanne! Versuche aus deinen Fehlern, die du in deinen Übungsklausuren oder Lösungsskizzen machst, zu lernen und wertvolle Erfahrungen zu ziehen. Bodo Schäfer sagt immer: „Wenn Sie Ihre Erfolgsquote erhöhen wollen, verdoppeln Sie Ihre Fehlerquote.“

Fazit: Du kannst es schaffen!

Du kannst es also auch schaffen. Du musst es dir nur wert sein. Es wird nicht einfach sein, aber es ist nicht unmöglich, wenn du dein WARUM kennst, optimistisch und realistisch denkst und deine Art zu lernen radikal änderst. Halte an deinem Traum fest und lass dich durch nichts in dieser Welt davon abhalten.

Abschließend wünsche ich dir von Herzen auf deinem weiteren Weg, alles Gute, viel Kraft und Durchhaltevermögen.


Die Autorin hat das Examen erfolgreich im Drittversuch mit 6,1 Punkten im schriftlichen Teil trotz Nebenjob bestanden. Auf ihrem Weg dorthin hat sie auch anderen Studierende in einer ähnlichen Situation unterstützt. Sie möchte aus persönlichen und beruflichen Gründen lieber anonym bleiben. Ihre Identität ist der JURios-Redaktion bekannt.

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JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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