“How to Lerngruppe”: Wie man sich mit einer Lerngruppe im Jurastudium auf Prüfungen vorbereitet

Alle Jurastudierenden kennt und fürchtet es: das Motivationstief. Es kommt manchmal unerwartet, gerne versteckt es sich auch hinter einem unliebsamen Thema. In dieser Situation kann eine Lerngruppe helfen. Doch wie lernt man im Juratsudium erfolgreich und produktiv in einer Lerngruppe? Auch wenn anfängliche Versuche einer Studiengruppe bereits fruchtlos waren, bedeutet dies nicht, dass es grundsätzlich so sein bzw. bleiben muss. Dieser Artikel versucht, Impulse und Hinweise für das erfolgreiche Arbeiten in einer Gruppe zu geben.

Eine Lerngruppe besteht aus mindestens zwei und höchstens fünf Lernenden, die regelmäßig, d.h. mindestens wöchentlich zu einem festen Termin (in Präsenz oder online) zusammenkommen, um ihr Wissen zu erweitern und zu vertiefen. Die Art des Lernens ist dabei abhängig von den eigenen Zielen und Bedürfnissen der Gruppe. So kann man sich treffen, um das individuell Gelernte zu besprechen und wiederholen, offene Fragen zu klären oder man kann Klausurfälle besprechen und sich so auf die Zwischenprüfung oder das erste Staatsexamen vorbereiten.

Tipps fürs Jurastudium

Für wen sich eine Lerngruppe eignet

Grundsätzlich eignet sich eine Lerngruppe für alle, die mit ihrer aktuellen Art zu lernen noch nicht vollkommen zufrieden sind und alle, die etwas Neues ausprobieren möchte oder grundlegende Verständnisprobleme haben. Ebenso ist eine Lerngruppe allen Studierenden zu empfehlen, die im Studium etwas Neues ausprobieren möchte. Mithilfe einer Lerngruppe lässt sich die Prüfungsvorbereitung im Jurastudium aktiv und effizient durch gemeinsames Diskutieren gestalten und passives Lernen abgewöhnen. Besonders Jurastudierende, die dem kommunikativen Lerntyp angehören, sind für eine Lerngruppe deswegen geeignet. Aber auch auditive oder visuelle Typen, die beispielsweise lieber passiv Vorlesungen anhören oder passiv Skripte lesen, können sich bei der richtigen Herangehensweise für eine Lerngruppe begeistern.

Auf YouTube gibt es zu diesem Thema zahlreiche Tutorials. Besonders hervorzuheben ist jedoch das Video von Prof. Martin Fries:

Die innere Einstellung zu dem Lernen in einer Gruppe ist grundsätzlich entscheidend für den Erfolg. Daher ist es am besten, wenn das gemeinsame Lernen mit einer positiven, offenen und motivierten Einstellung angegangen wird. Wenn man dies richtig macht, kann die Prüfungsvorbereitung mithilfe einer Lerngruppe eine wahre Bereicherung sein und richtig viel Spaß machen. Dementsprechend kann es förderlich sein, wenn man sich gegenseitig lobt. Es hilft niemanden, wenn man andere demotiviert, indem man sagt, wie schlecht alles ist oder wie „schrecklich“ die letzte Klausur war. Das reißt die Stimmung nur nach unten. Nachteilig ist es auch, unzuverlässig oder unstrukturiert zu sein. Mit einer negativen Grundeinstellung stellt sich die Zusammenarbeit grundsätzlich als schwer dar.

Wichtig für ein erfolgreiches Lernen ist ein vergleichbares Niveau bzw. ähnliche Ziele im Hinblick auf die Noten. Es sollte jede:r von jedem:r lernen können. Die gemeinsamen Sitzungen sollten auch entsprechend ernst genommen werden. Demnach ist unentschuldigtes Fehlen bzw. wiederholtes Zuspätkommen (ähnlich wie später im Beruf) ein absolutes No-Go.

Wie man eine Lerngruppe findet und organisiert

Optimaler Weise ist man schon mit ein paar motivierten und zuverlässigen Jurastudierenden befreundet. Falls dem noch nicht so ist, kann man auch aktiv nach einer Lerngruppe suchen und sich einer anschließen oder eine neue gründen. Die meisten Universitäten haben auf ihrer Online-Plattform ein Forum, in dem man sich gemeinsam finden kann. Manche Universitäten bieten sogar aktiv eine Lerngruppenvermittlung an. Auch die Fachschaften betreiben z.B. auf Instagram inzwischen Lerngruppenbörsen. Bei Unsicherheiten hilft die Studienberatung. Selbst, wenn man sich eine neue Lerngruppe sucht, kann sich daraus eine langanhaltende Freundschaften entwickeln.

Damit das Verhältnis „Spaß“ und „Produktivität“ ausgewogen ist, bietet sich eine strukturierte Arbeitsweise an. Wie diese konkret aussieht, ist stark abhängig vom Einzelfall. Der Einfachheit halber soll im Folgenden nur auf die gemeinsame Besprechung von Fällen eingegangen werden. Anfänger:innen ist zu empfehlen, immer eine Moderation (bzw. Expert:in) zu bestimmen. Die Moderation sucht einen Fall bzw. eine Klausur vorab heraus und kennt die Lösung schon. Alle anderen bekommen den Sachverhalt vorab (spätestens 24 Stunden vor der Besprechung) zugeschickt und können diesen eigenständig mithilfe ihrer Unterlagen bearbeiten. Die Moderation führt dann die Besprechung und gibt Hilfestellungen und Hinweise, wenn dies notwendig ist. Diese Arbeitsweise ist hilfreich, wenn man noch am Anfang steht und weniger geübt ist. Vorteilig ist, dass der Lerneffekt für alle sehr hoch ist. Nachteilig daran ist vor allem, dass diese Methode sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

Eher fortgeschrittenen Lernenden (d.h. der Prüfungstermin ist relativ nahe) ist zu empfehlen, dass die Klausuraufgabe „live“ in der Besprechung erarbeitet wird. Das heißt, dass der Sachverhalt zwar vorab ausgewählt und allen zur Verfügung gestellt wird, jedoch werden vorab keine Notizen dazu gemacht. Um so vorzugehen zu können, müssen alle Teilnehmenden im Stoff sicher sein, um falsche Ergebnisse bzw. „Irrwege“ zu vermeiden und die Lösung in einer angemessenen Zeit bearbeiten zu können. Im Anschluss kann die Musterlösung dann immer gemeinsam durchgegangen und mit den eigenen Gedanken verglichen werden. Das Risiko dieser Vorgehensweise ist, dass eine falsche Lösung gemeinsam erarbeitet werden kann und sich so „Fehler einschleichen“ können.

Schließlich lassen sich die vorgeschlagenen Wege auch kombinieren. Alternativ kann man auch mit der ersten Methode anfangen und diese dann steigern. Letztlich ist alles individuell gestaltbar. Daher kann die Organisation ruhig ohne Zwang erfolgen. Gleichwohl bietet es sich an, unzuverlässige Mitglieder nicht sinnlos „mitzuschleifen“. Sollte sich jemand wiederholt nicht an Absprachen halten, dann hilft es manchmal nur, die Reißleine zu ziehen und sich von einem Mitglied zu verabschieden.

Weitere Vorteile einer Lerngruppe

Eine gute und strukturierte Arbeitsweise in einer Lerngruppe kann nicht nur dazu beitragen, dass sich der Lernstoff durch gemeinsame Diskussionen lebendiger und effizienter einprägen lässt. Gleichzeitig können auch wichtige Softskills weiterentwickelt werden. So werden durch das gemeinsame Besprechen von Fällen rhetorische Fähigkeiten geschult. Dies ist in der mündlichen Prüfung von erheblichem Vorteil. Weiterhin kann durch die gemeinsame Zusammenarbeit die Teamfähigkeit ausgebaut werden. Ebenso kann mithilfe einer Lerngruppe die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen (Resilienz), entwickelt werden. Da man sich im Rahmen eines gemeinsamen Austauschs besser einschätzen und offen über individuelle (mentale) Herausforderungen sprechen kann.

Letztendlich ist eine gut organisierte und motivierte Lerngruppe im Juratsudium sehr zu empfehlen. Dabei ist die innere Einstellung sowie eine gut strukturierte Arbeitsweise hilfreich. Dennoch birgt ein gemeinsames Lernen gewisse Gefahren in sich, wie etwa ein hoher Zeitaufwand oder ineffiziente Besprechungen. Diese lassen sich jedoch vermeiden, indem man sich vorher abspricht und Grenzen zieht. Neben den verschiedenen Vorteilen für eine nachhaltige Prüfungsvorbereitung lassen sich mithilfe einer Lerngruppe im Jurastudium auch wichtige Softskills entwickeln und Freundschaften aufbauen. So kann ein Motivationstief vermieden werden. Viel Erfolg!

Julia Schmidt
Julia Schmidt
Die Autorin hat an der Universität Leipzig Jura mit Schwerpunkt internationalen Privatrecht studiert.

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