Internetmythos oder Realität? Der Anwalt, der seine Zigarre gegen Feuer versicherte

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Alle Jahre wieder macht die Geschichte eines Anwalts aus North Carolina im Internet die Runde, der seine Zigarren gegen Feuer versicherte, diese rauchte und dann seine Versicherung verklagte. Doch was ist dran an diesem skurrilen Fall? Internetmythos oder Realität? Wir haben recherchiert.

Der Vorfall wird – je nachdem, wo man ihn nachliest – immer ungefähr folgendermaßen erzählt. Ein Anwalt aus Charlotte (North Carolina) kaufte sich eine Kiste mit teuren Zigarren. Diese versicherte er gegen Feuer. Nachdem er alle Zigarren geraucht hatte, reichte er eine Klage gegen die Versicherungsgesellschaft ein und behauptete, die Zigarren seien durch einen Brand zerstört worden. Natürlich verweigerte die Versicherung die Zahlung mit der Begründung, er habe die Zigarren auf alltagsübliche Weise konsumiert. Der Anwalt verklagte seine Versicherung daraufhin vor Gericht und gewann. Der Richter kam zu dem Schluss, dass die Versicherung aufgrund des Wortlauts im Vertrag haftete. Sie habe versäumt, genau zu definieren, welche Art von Brand versichert sei, sodass auch das Anzünden der Zigarren bereits von der Versicherungspolice umfasst sei.

Die Versicherung zahlte daraufhin tatsächlich 15.000 Dollar an den Kläger, zeigte den Anwalt aber gleichzeitig bei der Polizei an. Wegen Brandstiftung! Schließlich hatte er die versicherte Sache vorsätzlich in Brand gesetzt. Er wurde verhaftet und wegen Brandstiftung in 24 Fällen zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Criminal Lawyer Award?

Oft wird dann auch noch behauptet, dieser Fall habe den “Criminal Lawyers Award“ gewonnen. Doch Moment, es gibt überhaupt keinen Criminal Lawyer Award? So verlockend es wäre, diesen Preis tatsächlich zu vergeben: auch dieser ist rein erfunden. Genauso wie der ganze Fall. Denn weder im Internet, noch in Casebooks aus den USA lässt sich der Fall bzw. ein Aktenzeichen für einen so oder ähnlich lautenden Rechtsstreit finden.

Laut WELT geht die Legende sogar bis auf das Jahr 1965 zurück. Und auch The Guardian klärte bereits über den vermeintlichen Rechtsfall auf. Eher bedenklich ist, dass unter anderem die Website anwaltsseiten24 den Fall für bare Münzen zu halten scheint.

Und die Moral von der Geschichte? Nicht jede juristische Anekdote, die aus Amerika kommt, entspricht der Wahrheit, auch wenn sie mit “Only in America” überschrieben ist.

Andererseits: In den USA zahlte tatsächlich eine Autoversicherung, weil sich eine Frau im versicherten Auto mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt hatte.

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