Das Rad der Zeit – Gesetze und Regeln in der Fantasy-Welt der Aes Sedai

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Das Rad der Zeit (The Wheel of Time) ist ein aus 15 Bänden bestehender Fantasy-Zyklus des US-amerikanischen Schriftstellers Robert Jordan. Auf Prime Video erschien 2021 die erste Staffel der gleichnamigen Fantasy-Serie. Die fiktive Welt der Aes Sedai folgt dabei ganz eigenen Gesetzen und Regelungen, um die es hier gehen soll.

Nachdem der Bauernsohn Rand al’Thor mit einigen Freund:innen vor einem Angriff durch sogenannte Schattenwesen fliehen muss, lernt er die Magierin Moiraine Damodren kennen. In der Fantasy-Welt ist es usus, dass nur Frauen (sog. Aes Sedai) die „Eine Macht“ benutzen dürfen. Denn alle Männer, welche die Eine Macht nutzen, verfallen über kurz oder lang dem Wahnsinn und verwüsten oftmals das ganze Land mit ihren magischen Kräften. Einer der Freunde, die Moiraine auf ihrer Reise begleitet, soll die Wiedergeburt des „Drachen“, eines mächtigen Zauberers sein, der vor 3.000 Jahren bereits einmal die Welt in Schutt und Asche legte. Das will Moiraine verhindern. Begleitet wird sie von ihrem Behüter, Al’Lan Mandragoran.

Die Aes Sedai unterstützen die Menschheit als Wissenschaftlerinnen, Heilerinnen und Lehrerinnen. Sie leben in der Weißen Burg und bilden dort junge Frauen, die die Eine Macht besitzen, als Novizinnen aus. Die Aes Sedai teilen sich in sieben Gruppierungen auf: die Blaue, die Braune, die Grüne, die Graue, die Rote, die Gelbe und die Weiße Ajah. Jede Ajah hat ihre eigenen spezifischen Fähigkeiten, Absichten und Regeln. Beschützt werden die Aes Sedai von männlichen Kriegern, mit denen sie einen magischen Bund schließen und die sich verpflichten, „ihre“ Aes Sedai vor allen Gefahren zu verteidigen.

Die Regeln der Weißen Burg

Mittelpunkt und Heimat der Aes Sedai ist die Weiße Burg in Tar Valon. Dort gilt das Burggesetz, eine Sammlung von Dekreten, Gesetzen und Statuten. In diesen ist unter anderem geregelt:

  • Novizinnen dürfen das Gelände des Turms nicht verlassen, es sei denn, sie sind in Begleitung einer Aes Sedai.
  • Novizinnen müssen weiße Kleidung (und im Freien Umhänge) tragen.
  • Novizinnen dürfen nicht mit Aes Sedai sprechen, es sei denn, sie werden dazu aufgefordert.
  • Novizinnen müssen jedes Mal einen Knicks machen, wenn sie an einer Aes Sedai vorbeigehen.
  • Novizen dürfen die Eine Macht nicht berühren oder benutzen, es sei denn, sie werden von einem Angenommenen unterrichtet oder ein Aes Sedai ist anwesend.
  • Angenommene dürfen sich unter keinen Umständen an Behüter binden.
  • Angenommene dürfen Tar Valon nicht verlassen, es sei denn, es handelt sich um eine offizielle Angelegenheit.
  • Angenommene sind selbst dafür verantwortlich, ihren Unterricht bei Aes Sedai zu organisieren und entscheiden, in welche Richtung sie ausgebildet werden wollen.
  • Die Angenommenen dürfen niemals über das sprechen, was sie bei ihrer Prüfung für die Annahme erfahren haben.

Die Einhaltung dieser Regelungen wird kontrolliert und bei einem Verstoß ein Gerichtsprozess abgehalten. Bei besonders ernsten Verstößen wird hierzu ein „hohes Gericht“ einberufen. Das Urteil wird durch drei Richterinnen gesprochen. Der sog. Sitz des Tadels fungiert dabei als die „Anklägerin“ des Gerichts und erbringt die Beweise gegen die Beschuldigte. Denn auch in der Fantasy-Welt gilt der Grundsatz in dubio pro reo. Die Rolle der Verteidigung übernimmt der sog. Sitz der Gnade. Dies gilt auch bei einem Verstoß gegen andere Straftatbestände. Bekannt sind beispielsweise:

  • Erpressung, Entführung, Diebstahl
  • Sich fälschlicherweise als Aes Sedai ausgeben
  • Kämpfe unter Aes Sadai
  • Mord
  • Hochverrat

Die drei Eide der Aes Sedai

In der zweiten Folge von “Das Rad der Zeit” erfahren wir, dass sich die Aes Sedai drei Eide auferlegt haben, um ihre Macht einzuschränken. Die Eide sollen außerdem das Vertrauen der einfachen Bevölkerung in die Aes Sedai stützen. Die drei Eide lauten:

  • Ich schwöre unter dem Licht und bei meiner Hoffnung auf Rettung und Wiedergeburt, dass ich kein Wort sprechen werde, das nicht die Wahrheit ist.
  • Ich schwöre unter dem Licht und bei meiner Hoffnung auf Rettung und Wiedergeburt, dass ich keine Waffe schaffen werde, mit der ein Mensch einen anderen töten kann.
  • Ich schwöre unter dem Licht und bei meiner Hoffnung auf Rettung und Wiedergeburt, dass ich die Eine Macht niemals als Waffe einsetzen werde, außer gegen Schattengezücht oder als letzte Möglichkeit, um mein Leben oder das meines Behüters oder einer anderen Schwester zu verteidigen.

Zu den Strafen für Aes Sedai gehört unter anderem die Verbannung ins Exil. Der Betroffenen wird der Aufenthalt in der Weißen Burg für einen bestimmten Zeitraum oder für immer untersagt. Das Exil kann außerdem mit einer Arbeitspflicht (z.B. auf einem Bauernhof) verbunden werden.

Zu einer der schlimmsten Bestrafungen gehört neben der Exekution das „Dämpfen“, also das Abschneiden von der Einen Macht. Das Abtrennen von der Fähigkeit, die Macht zu lenken, wird von den meisten als schlimmer als der Tod angesehen. Viele Betroffene verlieren danach ihren Lebenswillen und begehen Suizid oder werden dauerhaft depressiv. Dementsprechend ist auch hier vorher ein Gerichtsprozess notwendig und der Strafvollzug erfolgt durch insgesamt 13 Aes Sedai.

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Das Strafrecht der Aiel

Die Aiel sind kriegerische Wüstenbewohner:innen, über deren Bräuche und Gesetze relativ viel bekannt ist. Ihr Pflichtenkatalog wird als Ji’e’toh bezeichnet, der alle Interaktionen von Kampf über Wohnen bis hin zur Heirat regelt. Ji bezeichnet dabei die Ehre und Toh die Pflicht. Das größte Ji kommt daher, einen bewaffneten Feind in der Schlacht zu besiegen, ohne ihn zu verletzen.

Genauso wie wir kennen die Aiel den Straftatbestand des Mordes und des Diebstahls. Auf Grund ihrer Geografie gibt es außerdem ein Gesetz, dass es verbietet, Wasser zu vernichten oder zu verunreinigen. Bei einem Verstoß kommt es zu einem Gerichtsprozess, in dem über die Bestrafung entschieden wird.

Bei den Aiel-Prozessen fungiert das Oberhaupt eines Clans als Richter und zu den Geschworenen gehören zwölf Männern und zwölf Frauen, die durch ein Los bestimmt werden. Gegen eine Entscheidung kann Berufung beim Clanoberhaupt eingelegt werden, der dann mit einem Richter und einer Jury aus zwölf Weisen erneut über den Fall berät. In beiden Fällen entscheiden die Geschworenen über Schuld oder Unschuld, und der Richter entscheidet über das Strafmaß. Die Strafe kann gemildert werden, wenn der Angeklagte zuvor verschiedene Pflichten (toh), die ihm auferlegt wurden, erfüllt hat.

Mit dem Tod wird immer bestraft, wer eine schwangere Frau, ein Kind oder einen Schmied getötet oder ein Kind sexuell missbraucht hat. Auch für die Zerstörung oder Verunreinigung von Wasserquellen droht die Todesstrafe. Die Todesstrafe wird vollzogen, indem dem Verurteilen die Kehle durchgeschnitten wird. Neben der Todesstrafe kennt das Rechtssystem keine Gefängnisstrafe. Als mildere Strafe kommt aber beispielsweise das Auspeitschen in der Öffentlichkeit oder Zwangsarbeit in Betracht.

Mittelalterliche Fantasy-Rechtsordnung

Im Ergebnis hat Autor Robert Jordan damit ein Rechtsystem geschaffen, das unserem Mittelalter und der Frühen Neuzeit ähnelt. Dies ist für Fantasy-Werke typisch. Das liegt einerseits daran, dass die Lebensweise in Fantasy-Welten oftmals an das Leben im Mittelalter (z.B. keine Elektrizität, keine moderne Technik usw.) angelehnt ist. Andererseits lassen sich so aber auch Konfliktlagen schaffen, die in einer modernen Welt nicht möglich wären. Beispielsweise ist die Flucht des Protagonisten vor einem grausamen Unrechtsregime nur dann möglich, wenn auch die Bestrafungen entsprechend streng ausfallen, also „tatsächlich etwas auf dem Spiel steht“. Hierfür eignet sich die Todesstrafe oder der Verweis ins Exil besonders gut. Außerdem müssen mächtigen Elementen wie Magie ebenso mächtige Regelungen gegenüberstehen, um erzählerisch zu verhindern, dass die Hauptfiguren der Geschichte zu mächtig werden.


Fundstelle: http://13depository.blogspot.com/

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