True Crime meets Kultur – Kunstverbrechen als Trend-Podcasts

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True Crime Podcasts sind seit einigen Jahren im Trend. Nicht nur Jurist:innen hören beim Putzen, Autofahren oder Kochen gerne alles über abscheuliche Axtmorde, entführte Schulkinder und Serienvergewaltiger. Während viele True Crime Projekte auf blutige Skandale und billigen Grusel aus sind, haben sich am Randbereich zwischen Kultur und Jura zwei neue Podcastformate aufgetan, die sich mit Kunstverbrechen beschäftigen. „Tatort Kunst“ des Deutschlandfunks und „Kunstverbrechen – True Crime meets Kultur“ des NDR.

Kennst du die TV-Serie „White Collar“? Die US-amerikanische Krimiserie wurde erstmals 2011 auf RTL ausgestrahlt und drehte sich um den Meisterdieb und Kunstfälscher Neal Caffrey und seinen Widersache Agent Burke, zuständig für Wirtschaftskriminalität beim FBI. Aufsehenserregende Kunstraube gingen aber auch außerhalb von Film und Fernsehen in die Geschichte ein. So beispielsweise der Raub der Mona Lisa aus dem Louvre durch einen italienischen Handwerker 1911. Oder der Kunstdiebstahl von Gotha 1979, bei dem fünf berühmte Gemälde aus Schloss Friedenstein gestohlen wurde, die erst 2019 wieder auftauchten. Zu einem der größten Clous der letzten Jahre gehört mit Sicherheit der Dresdner Juwelendiebstahl, bei dem 2022 Teile dreier Juwelengarnituren aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlen wurden.

Kunstverbrechen im Nationalsozialismus

Juristisch betrachtet ist in den meisten Kunstdiebstählen ein „ganz normaler“ Diebstahl bzw. besonders schwerer Diebstahl nach §§ 242, 243 StGB zu sehen. Das Völkerrecht kennt daneben die UNESCO-Konvention gegen illegalen Handel mit Kulturgut vom 14. November 1970 und die UNIDROIT-Konvention über gestohlene oder rechtswidrig exportierte Kulturgüter vom 25. Juni 1995. Deutschland kommt historisch dabei auf Grund der Raubkunst der Nationalsozialisten eine ganz besondere Verantwortung zu. Mit der sogenannten Washingtoner Erklärung verpflichteten sich 1998 44 Staaten in einem unverbindlichen internationalen Reglement dazu, für die Rückgabe von Raubkunst zu sorgen.

Mit dem Nationalsozialismus beschäftigen sich deswegen auch der Podcast „Tatort Kunst“ und der Podcast „Kunstverbrechen – True Crime meets Kultur“. In den ersten beiden Folgen von „Kunstverbrechen“ geht es um die Bronzestatuen zweier Hengste, die einst Adolf Hitler in Auftrag gegeben hatte und die erst 2015 von einem Kunstdetektiv wiederentdeck wurden. In Folge fünf von „Tatort Kunst“ geht es hingegen um NS-Kunsthandwerk, das bis heute – teils illegal – gehandelt wird. Darunter Hakenkreuz-Orden, Görings Unterhose oder Porzellanfiguren mit SS-Runen.

Brandaktuelle Fälle meets Kunstgeschichte

Aber auch die ganz großen Kunstdiebstähle der Geschichte werden in den beiden Podcast behandelt. So die Geschichte rund um Meisterfälscher Beltracchi (Kunstverbrechen Folge 3 und 4), der oben erwähnte Kunstdiebstahl aus Schloss Friedenstein (Kunstverbrechen Folge 5 und 6) oder der Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe (Kunstverbrechen Folge 10 und 11). In „Tatort Kunst“ geht es hingegen zunächst um brandaktuelle Fälle. So z.B. um das im Auktionshaus Christie’s im Juni 2023 versteigerte Aquarell von August Macke, das es gleich zweimal gibt (Folge 1 und 2) sowie einen Auktionsrekord in Tschechien im März 2023. Hier sollte das Gemälde „Frau mit dem Sklaven“ des österreichischen Malers Oskar Kokoschka mit einem Aufrufpreis von umgerechnet 8,3 Millionen Euro versteigert werden.

Hosts des NDR-Podcasts „Kunstverbrechen“ sind die Journalist:innen Lenore Lötsch und Torben Steenbuck sowie Deutschlands bekanntester Kunst-Kommissar René Allonge vom LKA Berlin. Hosts des Podcasts „Tatort Kunst“ sind die Journalist:innen Rahel Klein und Stefan Koldehoff.

Beide Podcasts haben unterschiedliche Schwerpunkte, sind für True Crime Fans und Kulturliebhaber:innen aber uneingeschränkt empfehlenswert.

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