„Der Prozess des Hans Litten“ – Theaterstück zeigt Leidenszeit des berühmten Juristen

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Im Oktober läuft das Theaterstück „Der Prozess des Hans Litten“ im Rudolf Steiner Haus in Hamburg. Der Jurist Hans Litten arbeitete im NS-Staat als Strafverteidiger und wurde als Gegner des NS-Unrechtsregimes im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Das Theaterstück „Der Prozess des Hans Litten“ beruht auf historischen Tatsachen. Es begleitet die Leidenszeit des berühmten Juristen Hans Litten, der Adolf Hitler vor Gericht bloßgestellte und dafür in ein KZ gesperrt wurde. Im KZ Dachau trifft er auf den Schriftsteller Erich Mühsam und den Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky. Die Drei behalten – trotz ihrer politischen Gefangenschaft und der Folter – bis zum Tode ihren Humor und zeigen Größe, Hoffnung und Menschlichkeit im Kampf um den Erhalt der Demokratie. Gleichzeitig begleitet das Stück die Mutter Irmgard Litten im verzweifelten Kampf um das Leben ihres Sohnes.

Die Regie führt der deutsche Schauspieler Marcus Kaloff. Die Rolle des Hans Litten übernimmt Philip Heimke. Die Produktion stammt von Marion Elskis, die gleichzeitig Irmgard Litten spielt.

Aufstrebender Strafverteidiger gegen das NS-Regime

Der 1903 geborene Hans Litten wurde von seinem Vater – selbst ein Jurist – dazu motiviert, ebenfalls ein Studium der Rechtswissenschaften aufzunehmen, das er 1927 mit glänzenden Noten abschloss. Über sein Jurastudium notierte er in seinem Tagebuch „Als sich der Ochs im Paradies langweilte, erfand er die Jurisprudenz.“

Trotzdem gründete er mit dem – der KPD nahestehenden – Rechtsanwalt Ludwig Barbasch eine Anwaltskanzlei in Berlin und war bald als leidenschaftlicher Strafverteidiger bekannt. Als „Anwalt des Proletariats“. Verteidigte er regelmäßig “linke” Arbeiter und „Kommunisten“. Dabei setzte er sich im und außerhalb des Gerichtssaals gegen Polizeigewalt und Justizwillkür ein. Das brachte ihn jedoch bald in den Fokus des aufsteigenden NS-Regimes.

Im sogenannten „Edenpalast-Prozess“ machte sich Litten 1931 sogar Adolf Hitler persönlich zum Feind. Zuvor war das Tanzlokal „Eden“ in Berlin, das vorwiegend von „linken“ Arbeitern besucht wurde, von einem SA-Kommando überfallen worden. Hans Litten vertrat vier der insgesamt zwanzig verletzten Arbeiter als Vertreter der Nebenklage vor dem Strafprozess am Landgericht Berlin gegen den SA-Rupp. Berühmt wurde Litten hier für seinen Mut. Der gerade einmal 27-jährige Rechtsanwalt rief Adolf Hitler persönlich in den Zeugenstand und trieb in dort verbal in die enge. Litten wollte zeigen, dass der Überfall von der Parteiführung organisiert war und dass die NSDAP keine demokratische Partei sei.

Zahlreiche Gedenken an Hans Litten

Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Hans Litten am 28. Februar 1933 aufgrund der Reichstagsbrandverordnung in Schutzhaft genommen. In verschiedenen Gefängnissen und KZs wurde Litten gefoltert und am 5. Februar 1938 im KZ Dachau erhängt aufgefunden. Hans Litten wurde nur 34 Jahre alt.

Der deutsche Anwaltsverein errichtete 2023 eine Gedenkstätte für Hans Litten auf dem Friedhof Pankow III, wo er beerdigt liegt. Seit 2015 heißt das ehemalige „Oberstufenzentrum für Recht und Wirtschaft“ in Berlin „Hans-Litten-Schule“. In Berlin existiert außerdem die „Littenstraße“. Die Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen (VDJ) verleiht alle zwei Jahre den “Hans-Litten-Preis für demokratisches Engagement”. An seinem ehemaligen Wohnort in Berlin liegt ein Stolperstein.


Zum Theaterstück: https://www.hanslitten.de/mehr-infos
Weiterlesen: „Wer war eigentlich…? Hans Litten”, in: Bauerkamp/Kollenberg, AdLegendum 4/2022, S. 333-336.

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