Im Ersten Staatsexamen in Bayern ist es erneut zu einer Panne gekommen. 124 Prüflinge aus Würzburg erhhielten keine Ladung zu ihrer Mündlichen Prüfung, weil das Landgericht Würzburg es vergessen hatte, die Briefe abzuschicken.
Vom 02. bis 24. Juli finden in Bayern die Mündlichen Prüfungen des Examenstermins 2025/1 statt. Das Landesjustizprüfungsamt Bayern hatte zugesagt, die Ladungen zur Mündlichen Prüfung am 23. Juni 2025 zu verschicken. Hierbei kam es jetzt zu einer Panne: Prüflinge aus Würzburg haben ihre postalische Ladung bis heute – einen Tag vor Beginn der Prüfungen – noch nicht erhalten.
Eine Liste mit den Gesamtnoten konnte bereits online eingesehen werden. Damit wissen die Kandidat:innen zwar, dass sie die schriftlichen Klausuren bestanden haben, nicht aber, vor welcher Prüfungskommission sie im Juli vorsprechen müssen. Zudem kennen sie ihre Einzelnoten nicht und wissen damit auch nicht, in welchen Rechtsgebieten sie besonders gut oder schlecht abgeschnitten haben.
Anforderung der Prüfungsprotokolle nicht möglich
Die Bekanntgabe der Prüfungskommission ist zudem für die Anforderung der Prüfungsprotokolle relevant. Diese können den Kandidat:innen unter Umständen Indizien dafür geben, welche Rechtsgebiete oder Paragrafen ihre Prüfer:innen besonders gerne abfragen. Die Protokolle werden von den Fachschaften bereitgehalten und herausgegeben.
„Die schriftliche Ladung ist wichtig, um herauszufinden, welche Einzelnoten man hat, und um die Protokolle für die Prüfungskommission anzufordern“, schreibt ein Kandidat an JURios. „Es wird schwierig, jetzt überhaupt noch rechtszeitig an die Protokolle heranzukommen. Ich fühle mich gegenüber den anderen Prüflingen benachteiligt. Ist das die Chancengleichheit, die das LJPA Bayern angeblich immer so hochhält?“
Selbst wenn die Ladung „pünktlich“ am 27. Juni erfolgte, haben die Prüflinge, die Anfang Juli geprüft werden, nur wenige Tage Zeit, um die Protokolle anzufordern und durchzusehen. Ein Umstand, der diejenigen Personen benachteiligt, die direkt am 2. Juli zur Prüfung antreten müssen. Denn die Kolleg:innen, die erst Ende Juli geprüft werden, haben so einen knappen Monat mehr Zeit, um sich mit Hilfe der Protokolle auf die Mündliche Prüfung vorzubereiten.
Wie Kandidat:innen aus anderen Städten in Bayern berichten, wurden die Ladungen nicht mit der Deutschen Post, sondern mit der Mainpost verschickt. Andere Prüflinge haben ihre postalischen Ladungen bereits am Samstag, den 28. Juni erhalten. Auf Anfrage von JURios bestätigte die Fachschaft der Universität Würzburg, dass sie bereits Anfragen für Protokolle erhalten hat. Die Post-Panne betrifft also nicht alle Prüflinge gleichermaßen.
LJPA vergisst Ladungen: „Bedauerliches Versehen“
Ob die Ladungen zu spät verschickt wurden oder es zu einem Fehler bei der Mainpost kam, war zunächst nicht bekannt. Auf Rückfrage von JURios teilte die Pressestelle des Landgerichts Würzburg am 01. Juli mit: „Aufgrund eines bedauerlichen Versehens des Landgerichts Würzburg wurden die Ladungen zur mündlichen Prüfung für die Erste Juristische Staatsprüfung am Prüfungsstandort Würzburg zwar am 23.06.2025 erstellt und zur Versendung fertig gemacht, aber nicht zum Versand weitergegeben. Betroffen sind 124 Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer am Prüfungsstandort Würzburg.“
Immerhin war es den Prüflingen laut Website des LJPA Bayern erlaubt, sich telefonisch nach ihrer Ladung zu erkundigen, wenn sie diese bis zum 26. Juni nicht erhalten haben. Davon haben inzwischen zahlreiche Kandidat:innen aus Würzburg Gebrauch gemacht. Allerdings gab es hierbei ebenfalls Probleme. „Wir hatten große Schwierigkeiten auf der Geschäftsstelle überhaupt jemanden telefonisch zu erreichen“, teilt eine Betroffene JURios mit. Eine Kandidatin schreibt: „Die Präsidialstelle wurde nach Angaben einer sehr netten Dame, die ich gegen 11.30 Uhr nach mehreren Versuchen erreicht habe, mit Anrufen geflutet.“
Nach Angabe der Pressestelle des LG Würzburg sind inzwischen alle Betroffenen über den Fehler informiert.
Auch bei vergangenen Examensterminen gab es Ladungsprobleme
Es bleibt aber weiterhin unverständlich, wieso das LJPA Bayern zwar die Gesamtnoten online mitteilt, jedoch nicht in der Lage ist, auch die Einzelnoten sowie die einzelnen Prüfungskommissionen online zu stellen oder jedenfalls (zusätzlich) per Mail mitzuteilen. Probleme mit den Ladungen scheint es nämlich bereits seit Jahren zu geben. Kandidat:innen des Examensdruchgangs 2024/2 schrieben JURios, dass auch sie die Ladungen nicht pünktlich erhalten haben. „Mein Brief kam über drei Wochen zu spät im Januar. Das kann absolut nicht sein“, beschwert sich eine Diplomjuristin gegenüber JURios. „Ich fand das sehr frech. Meine Ladung wurde nachträglich per Mail verschickt. Aber erst, nachdem ich dort zweimal angerufen und mich beschwert habe.“
Die Zustände in der bayerischen Juristenausbildung lassen damit einmal mehr zu wünschen übrig. Unter anderem wird das bayerische Justizministerium dafür kritisiert, bis heute die Einführung eines integrierten Bachelors zu blockieren (JURios berichtet). Auch bei der Einführung des E-Examens kam es zu mehreren Pannen (JURios berichtet). Noch schlechter ergeht es jedoch den bayerischen Rechtsreferendar:innen, die zu ihren Übungsklausuren ihre eigenen Laptops mitbringen müssen; dabei aber nicht einmal Ladekabel verwenden dürfen (JURios berichtet).
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