Die steigenden Lebenshaltungskosten, insbesondere in Städten wie Berlin, zwingen viele Studierende dazu, neben dem Studium zu arbeiten. Während viele Jurastudierende auf klassische Kanzleijobs oder Werkstudierendenstellen setzen, gibt es auch unkonventionelle Alternativen. Eine davon: Spielleiter:in in einer Lasertag-Arena.
Was auf den ersten Blick wie ein reines Freizeitvergnügen wirkt, kann sich als idealer Nebenjob entpuppen – vor allem, wenn man Abwechslung zum Studienalltag sucht, aber dennoch Soft Skills trainieren möchte, die auch im juristischen Berufsleben gefragt sind.
Warum in der Lasertag-Arena?
Die Entscheidung für einen Nebenjob neben dem Jurastudium fällt vielen Studierenden nicht leicht – insbesondere, wenn man sich zwischen „sinnvoll für den Lebenslauf“ und „gut für die mentale Gesundheit“ entscheiden muss. Auch bei der Jobsuche stellt sich schnell heraus: Die gängigen Stellenangebote für Jurastudierende klingen oft nach staubigen Aktenstapeln, monotoner Recherche, wenig Bewegung und kaum Abwechslung. Wer etwas Ausgefallenes sucht, muss kreativ werden – oder einfach die eigenen Hobbys zum Beruf machen.
Bei mir war es genau das: Die Leidenschaft fürs Lasertagspielen bestand schon seit vielen Jahren. Seit 2016 auf dem Spielfeld aktiv, später sogar als Capitänin der LTMD Bulldogs, dem Lasertagteam aus Magdeburg, war die Begeisterung längst mehr als nur Freizeitbeschäftigung. Also lag der Gedanke nahe: Warum nicht genau dort arbeiten, wo ich sonst auch meinen Ausgleich suche?
Eine kurze Online-Recherche führte zur Lasertag-Arena- Lasertag.Berlin, die glücklicherweise regelmäßig auf der Suche nach motivierten Aushilfen ist. Nach einer unkomplizierten Bewerbung und einem Probetag war schnell klar – das passt! Und zwar nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. Das junge Team und die energiegeladene Atmosphäre bieten genau den Ausgleich, den das Jurastudium oft vermissen lässt.
Ein Job, der körperlich aktiv ist, soziale Kompetenzen stärkt und trotzdem genug Raum fürs Lernen lässt? Jackpot.
Was macht ein:e Spielleiter:in?
Als Spielleiter:in sorgt man dafür, dass die Kund:innen einen möglichst schönen, reibungslosen Aufenthalt erleben. Das heißt: Begrüßung bei der Ankunft, Erklärung des Ablaufs, Eintragung der Teamnamen – und dann geht’s los. Die Einweisung erfolgt möglichst humorvoll, aber dennoch professionell: Spielweise und Regeln werden erklärt, Fragen beantwortet, Westen angelegt, Teams in die Startbasen gebracht – und das Spiel gestartet. Eine Runde dauert 12 Minuten.
Während des Spiels erledigt man alles, was sonst noch anfällt: Tische reinigen, Lounge saugen, Schwitzschutze waschen, Westen desinfizieren, Getränke und Speisen verkaufen (Pizza, Flammkuchen, Brezeln zubereiten), defekte Spielautomaten prüfen – kurz: die Arena am Laufen halten. Nach jeder Runde trifft man die Gruppe erneut im Einweisungsraum, erklärt die nächste Runde und startet sie. Am Ende erhalten alle Spielenden individuelle Scorecards, die man spielerisch mit ihnen auswertet. Anschließend kauft die Gruppe eventuell Getränke oder Speisen – oder verabschiedet sich. Als Spielleiter:in ist man jederzeit ansprechbar, kassiert ab und sorgt für einen positiven Gesamteindruck.
Das Wichtigste: Ob 8-jähriger Kindergeburtstag oder 30-jähriger Junggesell:innenabschied – man bleibt freundlich, professionell und passt sich der jeweiligen Gruppe souverän an. Auch Englischkenntnisse sind hilfreich, da nicht alle Gruppen Deutsch sprechen.
Vereinbarkeit mit dem Jurastudium
Der Job lässt sich dabei meistens gut mit dem Jurastudium vereinbaren. Wer neben dem Studium BAföG bezieht, muss bei der Jobwahl auf die Einkommensgrenze (556 Euro im Monat) achten. In einer Lasertag-Arena bedeutet das in der Regel ein Arbeitstag pro Woche – meist am Wochenende, da dort das Hauptgeschäft ist. Die typischen Schichten sind entweder vormittags (ca. 9–17 Uhr) oder nachmittags bis zur letzten Buchung (meist bis 22/23 Uhr). Man kann aber jederzeit Abwesenheitsanträge stellen, und die Führungskräfte lassen auch gut mit sich reden, wenn man mal 1–2 Wochen nicht arbeiten kann (z. B. wegen Prüfungsphase, Urlaub oder Ähnlichem).
Am besten sucht man sich dabei einen Standort, den man gut erreichen kann. Optimal ist es, wenn man den Arbeitsweg mit dem Studium verbinden kann. Von meiner Wohnung aus zum Beispiel liegt die Staatsbibliothek auf dem Weg zur Arena. Frühschicht? Danach direkt zum Lernen. Spätschicht? Davor noch in die Bibliothek. Eine perfekte Kombination, gerade wenn man eine Hausarbeit schreibt oder in der Prüfungsphase ist.
Jura und Lasertag – bringt mir der Job etwas fürs Studium?
Direkt: Nein – man lernt keine Gesetzesanwendungen, Streitstände oder Falllösungen.
Indirekt bringt einem der Job in der Lasertag-Arena aber schon etwas, nämlich:
- Menschenkenntnis
Man lernt, mit den unterschiedlichsten Menschengruppen umzugehen – sei es mit übervorsichtigen Eltern, quirligen Kindern oder internationalen Teams. Diese Anpassungsfähigkeit ist auch im juristischen Beruf entscheidend: Ob als Anwält:in oder Richter:in – man begegnet allen möglichen Persönlichkeiten. Aber auch im Privatleben und im Studium hilft es, wenn man mit den verschiedensten Charaktertypen interagieren kann. - Lebenserfahrung
Der Job bietet Realitätsbezug. Wer nur in Bibliothek und Vorlesung sitzt, verliert schnell den Blick fürs echte Leben. Die Arbeit mit Menschen, die nichts mit Jura zu tun haben, holt einen zurück auf den Boden. Theorie ist gut – Praxis ist essenziell. - Rechtliche Bezüge
Ganz ohne Jura geht’s nicht: Beim Pizzaverkauf denkt man an § 433 BGB, bei Nichterscheinen trotz Buchung an Schadensersatzansprüche. Auch Datenschutz ist Thema – etwa bei Gruppenfotos in der Arena. Ein bisschen Zivilrecht ist also immer dabei. - Sprachfähigkeiten
Durch das regelmäßige Einweisen von Gruppen verbessert man seine Rhetorik, Artikulation und Selbstsicherheit beim Sprechen – auch mit Kindern, was besonders herausfordernd sein kann. Das hilft nicht nur im Alltag, sondern sicher auch mit Blick auf die mündliche Prüfung. Und das sogar auch auf Englisch.
Die Tätigkeit als Spielleiter:in in einer Lasertag-Arena ist vielleicht nicht der klassische juristische Nebenjob – aber eine sinnvolle Ergänzung zum Studium. Sie bietet Flexibilität, fördert soziale Kompetenzen und bringt wertvolle Erfahrungen für Beruf und Alltag. Wer zwischen Lernphasen abschalten, aber nicht ausbrennen möchte, findet hier die perfekte Balance zwischen Paragraphen und Phasern.


