Interview: Frag die… Regierungsrätin & Amtfluencerin

-Werbung-spot_imgspot_img

Ann-Kathrin Langanke studierte Rechtswissenschaften an der Universität Osnabrück und legte ihr Zweites Staatsexamen 2021 am Landgericht Darmstadt ab. Nachdem sie kurzzeitig als Rechtsanwältin tätig war, wechselte sie 2022 in die Hessische Finanzverwaltung. Im Finanzamt Dieburg begann sie ihr strukturiertes Einführungsjahr und übernahm anschließend eine Sachgebietsleitung im Finanzamt Frankfurt am Main. Seit März 2025 hat sie die Funktion als Referentin für digitale Transformation im Hessischen Ministerium der Finanzen inne. Zuvor unterrichtete sie auch als Dozentin am Campus Süd des Studienzentrums der Finanzverwaltung und Justiz in Frankfurt am Main. Außerdem berichtet sie als Amtfluencerin auf LinkedIn regelmäßig über ihren Arbeitsalltag.

Sehr geehrte Frau Langanke, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, Wissenswertes über sich und Ihren Beruf mit unseren JURios-Leser:innen zu teilen! Wie kam es, dass sie von der Anwaltschaft in die Finanzverwaltung gewechselt sind?

Antwort: Eigentlich wollte ich immer Anwältin werden. Nach dem Zweiten Staatsexamen habe ich deswegen auch in einer Wirtschaftskanzlei in Frankfurt am Main als Anwältin angefangen. Relativ schnell habe ich jedoch gemerkt, dass dies nicht die richtige Tätigkeit für mich ist. Ich habe mir eine vielseitigere Tätigkeit im Team gewünscht.

In einem Klausurenkurs vom Referendariat hatte ich das erste Mal von der Tätigkeit als Volljurist:in in der Hessischen Finanzverwaltung gehört. In der Zeit als Anwältin bin ich abends an einer Werbung, die mich sehr angesprochen hat, vorbeigekommen und habe mich für eine Bewerbung entschieden. Ich habe den Wechsel nie bereut.

Sie spielen eine Runde Tabu und müssen als Erklärerin Ihren Mitspieler:innen den Begriff „Regierungsrätin“ umschreiben. Welche fünf Tabu-Begriffe, die dabei nicht genannt werden dürfen, stehen auf Ihrer Karte, um Ihren Suchbegriff nicht direkt zu entlarven?

Antwort: Verwaltung, Recht, Führungsverantwortung, und KaffeeBeamtin

Schildern Sie uns kurz Ihren Werdegang. Sie waren zunächst im Finanzamt als Sachgebietsleiterin und Dozentin am Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz tätig, inzwischen sind Sie Referentin für digitale Transformation im Hessischen Ministerium der Finanzen.

Antwort: Ich habe im Oktober 2022 mein sog. Einführungsjahr im Finanzamt Dieburg  begonnen. In diesem Jahr habe ich unter Begleitung einer erfahrenen Sachgebietsleitung als Mentorin an meiner Seite viele verschiedene Bereiche der Hessischen Finanzverwaltung kennengelernt und neben drei vierwöchigen Lehrgängen an der Bundesfinanzakademie – diese finden zur Hälfte in Berlin oder in Brühl bei Bonn und zur Hälfte digital statt – mein sogenanntes Probesachgebiet absolviert. Im Probesachgebiet bekommt man vorübergehend Führungsverantwortung für ein Team übertragen und trifft die rechtlichen und personellen Entscheidungen. Besonders toll an dem Probesachgebiet ist, dass die originär zuständigen Kolleg:innnen  jederzeit ansprechbar sind und bei Fragestellungen helfen.. Besonders vor Entscheidungen, die über den Zeitraum meines Probesachgebiets hinauswirken würden, habe ich die Kolleg:innen miteinbezogen.

Nach meinem Einführungsjahr bin ich in das Finanzamt Frankfurt IV gewechselt, welches während meiner Zeit dort mit den anderen Frankfurter Finanzämtern zm Finanzamt Frankfurt am Main fusionierte. Dort war ich für ganz unterschiedliche Sachverhalte und Arbeitsgebiete zuständig – von Personengesellschaften über Auslandssachverhalte bis hin zu Gewerbetreibenden.

Im Sommer 2024 wechselte ich in Form einer Abordnung als Dozentin an unseren Campus Süd des Studienzentrums der Finanzverwaltung und Justiz in Frankfurt am Main und durfte für sechs Monate unsere dual Studierenden in Zivilrecht, Abgabenordnung und Methodenlehre unterrichten. Seit März 2025 bin ich als Referentin für digitale Transformation im Hessischen Ministerium der Finanzen tätig und darf mich in verschiedenen IT-Projekten einbringen.

Nehmen Sie uns an die Hand und führen Sie uns durch einen typischen Arbeitstag im Hessischen Finanzministerium. Was unterscheidet Ihren Beruf von anderen juristischen Tätigkeiten?

Antwort: Ein typischer Tag im Ministerium beginnt für mich zwischen sieben und acht Uhr morgens – ich könnte auch früher oder später starten, Gleitzeit macht dies möglich. Nach der Sichtung meiner E-Mails stehen kurze Rücksprachen mit den Fokusbereichen meines Referats an. Hier erfahre ich, was meine Kolleg:innen momentan beschäftigt und bekomme gleichzeitig wichtige Informationen für meine eigenen Aufgaben.

Im Anschluss arbeite ich oft meine eigenen Aufgaben ab. Das kann das Erstellen eines Gutachtens, Beantworten von Anfragen aus dem Landtag oder die Leitung einer behördenübergreifenden Arbeitsgruppe sein. Es ist eine sehr vielseitige Tätigkeit, die jeden Tag anders sein kann und mir dadurch besonders gut gefällt.

Je nachdem, wie voll meine To-Do-Liste war, mache ich mal früher, mal später Feierabend.  Die reguläre Wochenarbeitszeit beträgt bei uns 41 Stunden.

Apropos „typischer Tag“: Was sind typische juristische Probleme, die Ihnen tagtäglich in Ihrer Arbeit begegnen – was war im Gegenteil dazu der kurioseste Fall, der Ihnen im Berufsleben widerfahren ist?

Antwort: Von klassischen Fragen der Geschäftsfähigkeit über Formwirksamkeit von Verträgen hinzu steuerlichen Fragen wie: „Sind die Kosten für eine Ausbildung zum Guru Werbungskosten?“ darf man sich bei uns auf eine bunte Mischung an juristischen Problemen und steuerrechtlichen Fragen freuen. Ich hatte schon einige kuriose Fälle. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir zwei: Einmal habe ich mit einem Steuerpflichtigen diskutiert, ob Vorträge, die er aus seiner Wohnung in Hessen für ein Publikum im Ausland gehalten hat, in Hessen oder im Ausland stattgefunden haben. In einem anderen Fall habe ich mich mit Garantien aus einem SPA (share purchase agreement = die Übertragung von Gesellschaftsanteilen) einer zivilprozessualen Streitverkündung und Brustimplantaten beschäftigt.

Bei „Verwaltung“ denken viele an starre Hierarchien, Inneneinrichtung aus den 70ern und mangelnde Digitalisierung. Stimmen diese Vorurteile?

Antwort: Ein klares: Nein! Die Vorurteile stimmen überhaupt nicht. Ich konnte bereits in vielen Stationen innerhalb der Finanzverwaltung Erfahrungen sammeln und kann für verschiedene Dienststellen sagen, dass die starren Hierarchien nicht zutreffen. In der Abteilung, in der ich zurzeit arbeite, gibt es flache Hierarchien und einen sehr unkomplizierten Umgang, der sich zum Beispiel darin zeigt, dass wir uns größtenteils Duzen – über alle Hierarchieebenen hinweg.

Dadurch, dass ich im Referat für digitale Transformation tätig bin, musste ich über die Frage nach der mangelnden Digitalisierung schmunzeln. Wir sind moderner als viele denken und arbeiten an vielen sehr spannenden und zukunftsweisenden Themen in diesem Bereich.

Wir setzen auf Desksharing und unsere Arbeitsplätze sind funktional und ergonomisch ausgestattet, zum Beispiel mit höhenverstellbaren Schreibtischen und Balance-Hockern. Unter unserer eigenen Firmenfitness-Marke jobfit verbergen sich viele Angebote zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden. An einem Tag mit vielen Online-Terminen habe ich mir beispielsweise auch schon eines unserer Büro-Walking-Pads ausgeliehen und während meiner Arbeit am Schreibtisch Schritte gesammelt.

Ebenso steht Weiterbildung bei uns hoch im Kurs. Über unsere Online-Lernplattform haben wir die Möglichkeit, verschiedenste Fortbildungsangebote zu absolvieren. Das wird auch aktiv unterstützt und gefördert.

Jetzt haben Sie uns schon sehr von Ihrem Beruf überzeugen können. Welche Voraussetzungen sollte man für die Finanzverwaltung mitbringen.

Antwort: Neben den juristischen Fähigkeiten werden bei uns Volljurist:innen gesucht, die sich als Teamplayer für ihr Sachgebiet einbringen. Dabei geht es vor allem auch darum, wie man mit zwischenmenschlichen Situationen umgeht. Erfahrung bei der Führung von Teams und steuerrechtliche Vorkenntnisse werden nicht erwartet – durch Schulungen bekommt man hier Handwerkszeug mitgegeben, um positive Erfahrungen in dem Bereich zu sammeln. Die Tätigkeitsmöglichkeiten als Volljurist:in in der Hessischen Finanzverwaltung sind sehr vielfältig. Ich würde deswegen empfehlen, eine gewisse Flexibilität mitzubringen und auch einmal um die Ecke denken zu können.

Neben ihrer eigentlichen Tätigkeit berichten Sie als Amtfluencerin auf LinkedIn über Ihren Arbeitsalltag. Wie kam es dazu? Was motiviert sie, regelmäßig zu posten? Und was ist das Ziel dahinter?

Antwort: Das Amtfluencer-Programm ist im Winter 2023 gestartet, mit dem Ziel als Arbeitgeber sichtbarer zu werden. Viele wissen gar nicht, wie es ist, bei uns in der Hessischen Finanzverwaltung zu arbeiten und welche vielfältigen Karrieremöglichkeiten es bei uns gibt. Das wollen wir ändern und LinkedIn ist aktuell die geeignete Plattform, um individuelle Einblicke in unseren Berufsalltag zu geben.

Meine damalige Amtsleiterin hat mich gefragt, ob ich mir dies vorstellen kann. Gerne habe ich den ersten Austausch dazu wahrgenommen und bin dabeigeblieben. Mir ist es wichtig, authentisch und mit Spaß über meine Tätigkeit als Volljuristin in der Hessischen Finanzverwaltung zu berichten. Ich weiß aus eigener Erfahrung aus vorheriger Tätigkeit, aber auch durch Freunde und Bekannte, wie es ist, wenn man ungerne zur Arbeit geht. Da ich meinen Job sehr gerne mache und diese Tätigkeit in der Finanzverwaltung  noch nicht so bekannt ist, berichte ich mit Freude darüber. Zusätzlich zu den Beiträgen habe ich per Direktnachrichten mit vielen (oft jungen) Jurist:innen außerhalb der Verwaltung Kontakt und beantworte deren Fragen. Es ist mir persönlich ein Anliegen dafür zu sorgen, dass mehr Jurist:innen Spaß an ihrem Job haben. Ich freue mich immer sehr darüber, wenn diese Kontakte zu Bewerbungen und Einstellungen bei uns führen.

Zu guter Letzt: Versetzen Sie sich in Ihr Erstsemester-Ich zurück. Was würde es heute von Ihrem Werdegang halten und umgekehrt: was würden Sie Ihrem Erstsemester-Ich raten?

Antwort: Mein Erstsemester-Ich wäre stolz, dass ich meinen Weg gegangen bin und heute etwas mache, was mir wirklich Spaß macht. Ich würde meinem Erstsemester-Ich raten, dran zu bleiben aber auch an ausreichend Pausen zu denken.

Sehr geehrte Frau Langanke, vielen Dank für Ihre spannenden Einblicke!

-Werbung-
Redaktion
Redaktion
JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

Ähnliche Artikel

Social Media

10,950FollowerFolgen
3,146FollowerFolgen
Download on the App Store
Jetzt bei Google Play
-Werbung-spot_img
-Werbung-

Letzte Artikel

Datenschutz-Übersicht

Diese Internetseiten verwenden teilweise so genannte Cookies. Cookies richten auf deinem Rechner keinen Schaden an und enthalten keine Viren. Cookies dienen dazu, unser Angebot nutzerfreundlicher, effektiver und sicherer zu machen. Cookies sind kleine Textdateien, die auf deinem Rechner abgelegt werden und die dein Browser speichert.

Die meisten der von uns verwendeten Cookies sind so genannte „Session-Cookies“. Sie werden nach Ende deines Besuchs automatisch gelöscht. Andere Cookies bleiben auf deinem Endgerät gespeichert, bis du diese löschst. Diese Cookies ermöglichen es uns, deinen Browser beim nächsten Besuch wiederzuerkennen.

Weitere Informationen findest du in der Datenschutzerklärung: Mehr erfahren