Die monatliche Kolumne über das Durchfallen im Staatsexamen von Frida Fortun.
Hier geht es zu Teil 1: “Zweites Staatsexamen, zweiter Anlauf: Die Erkenntnis”
Hier geht es zu teil 2: “Zweites Staatsexamen, zweiter Anlauf: Einsicht – kein Weg zur Besserung?!”
Hier geht es zu Teil 3: “Zweites Staatsexamen, zweiter Anlauf: Halbzeit”
Hier geht es zu Teil 4: “Zweites Staatsexamen, zweiter Anlauf: Ende des Ergänzungsvorbereitungsdienstes”
Hier geht es zu Teil 5: „Zweites Staatsexamen, zweiter Anlauf: Auf der anderen Seite“
Hier geht es zu Teil 6: „Zweifel, Sorgen, Ängste“
Meine Kennziffer steht nicht auf der Liste. Ich habe die erlösende E-Mail mit der Notenmitteilung erhalten! ES GEHT WEITER – ICH DARF FÜR DIE MÜNDLICHE PRÜFUNG LERNEN!
Ich kann das Gefühl weder konkret benennen, noch mit passenden Worten umschreiben, aber ich versuche es mal:
Ungläubigkeit, positive Überforderung, Erleichterung, Anspannungsabfall, Stressabbau, Freude, große Freude, Freudentränen, Dankbarkeit, tiefe Dankbarkeit. Es fühlt sich an, als wäre ich schon jetzt Volljuristin, als könnte ich alles schaffen, als wäre keine Hürde groß genug, um mich noch aufzuhalten. Ich fühle mich beflügelt, motiviert, ehrgeizig. Ich bin nicht nur stolz auf meine eigene Leistung, ich bin sehr dankbar für die Unterstützung, die ich auf diesem Weg erhalten habe. Die bestanden Klausuren, die Ladung zur mündlichen Prüfung: das ist vielleicht in erster Linie mein Verdienst, aber er wäre nicht möglich gewesen, ohne meine Liebsten. Und er ist auch das Ergebnis des guten Ergänzungsvorbereitungsdienstes. Und ja, die nötige Portion Glück war vielleicht auch dabei.
Ende gut, alles gut?
Rechnerisch ist es noch möglich, durchzufallen. Ist das wahrscheinlich? Nein! Realistisch werde ich mich verbessern. Damit halte ich die Motivation oben: ich kann noch „was reißen“. Es ist noch nicht alles verloren (auch wenn gewisse Noten in unrealistischer Ferne liegen) und sogar ein Notensprung ist in greifbarer Nähe. Ich hoffe nicht auf Glück mit meiner Kommission, ich bin jetzt fleißig und stecke die Arbeit rein, die für diesen Erfolg notwendig ist.
Das heißt jetzt vor allem eins: Fokus, Fokus, Fokus. Zum jetzigen Zeitpunkt kenne ich nur die Klausurnoten. Eine Ladung und damit auch Mitteilung über die Kommission habe ich noch nicht erhalten und auch das Prüfungsdatum ist mir noch nicht bekannt. Ich behalte nun im Blick, ob das LJPA Terminübersichten mit Kennziffern für meinen Prüfungsmonat hochlädt. Ob ich lieber früher, oder erst gegen Ende des Monats dran wäre, wurde ich gefragt. Mir egal. Ich nehme es, wie es kommt und ich freue mich über diese Chance. Das Prüfungsdatum liegt nun wirklich nicht in meiner Hand. Wenn mir das Nichtbestehen eine Sache beigebracht hat, dann das Vertrauen in mich selbst, dass ich jede Situation bewältigen kann und mit allem zurechtkommen werde. Keine protokollfesten Prüfer:innen? Last minute Prüferwechsel? Hitzetag? Alles nichts, was man sich wünscht. Ich weiß nun aber: auch solche Situationen kann ich überstehen. Ich weiß, ich werde mein Bestes geben.
Erstmal werde ich diesen Monat eine mündliche Prüfung besuchen und es noch für einen Moment genießen, nicht selbst in der Prüfungssituation zu stecken. Darüber berichte ich im nächsten Teil. Bis dahin, eure Hoffentlich-ganz-bald-Volljuristin Frida.


