Kennst du das Gefühl? Du wachst morgens auf und fühlst dich schon wieder zwischen den Erwartungen zerrieben: die liebevolle Mutter, die Karrierefrau, die perfekte Hausfrau, die gleichzeitig noch sportlich und stets gut gelaunt ist. Der gesellschaftliche Druck ist allgegenwärtig – und manchmal fühlt es sich an, als müsstest du all das gleichzeitig schaffen.
Als Mama von zwei wundervollen Kindern (sechs und zwei Jahre) kenne ich die Herausforderungen, die mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie einhergehen, nur allzu gut. Mein Weg war kein gerader, sondern ein steiniger Pfad voller Höhen und Tiefen. Doch ich möchte dir sagen: Es ist möglich, beides zu vereinen – und du bist nicht allein!
Mein Weg: Von Studium bis zum Staatsexamen mit Kind
Das Studium habe ich noch ohne Kinder absolviert, voller Energie und ohne die zusätzlichen Herausforderungen, die das Elternsein mit sich bringt. Doch als ich in die Referendariatsphase kam, rückte mein erster großer Meilenstein näher: Das zweite Staatsexamen – mit einem Kind an meiner Seite. Das war eine Zeit voller schlafloser Nächte, intensiver Lernphasen und der ständigen Frage: „Wie soll ich das nur alles schaffen?“
Das juristische Staatsexamen ist schon für sich genommen eine enorme Herausforderung. Es verlangt Disziplin, Durchhaltevermögen und eine klare Zielsetzung. Mit einem Kind wird alles noch komplexer: Die Balance zwischen Lernzeiten, Kinderbetreuung, Haushalt und eigener Erholung zu finden, war eine tägliche Herausforderung. Aber ich habe gelernt: Es geht – mit Planung, Unterstützung und ganz wichtig: einer großen Portion Selbstliebe.
Genauso ging es dann auch im Arbeitsleben weiter und es wurde nochmals heraufordernder als mein zweiter Sohn auf die Welt kam und ich nach 6 Monaten Elternzeit wieder in Teilzeit als Rechtsanwältin zu arbeiten begann. Zwar nur mit wenigen Stunden und im Homeoffice, aber das erste Lebensjahr meines zweiten Sohnes hatte es wahrhaftig in sich. Zwischen Windeln wechseln, Stillen und Gerichtsterminen. Klar, ich wollte natürlich auch „alles alleine schaffen“.
Der Spagat – eine Herausforderung, aber kein Hindernis
Viele Frauen stehen vor der gleichen Frage: Wie kann ich Beruf und Familie unter einen Hut bringen? Der Spagat zwischen Karriere als Anwältin und Mama ist kein leichter Weg, aber er ist definitiv machbar. Es erfordert Mut, Flexibilität und das Bewusstsein, dass Perfektion eine Illusion ist.
Ich möchte anderen Frauen Mut machen: Es ist okay, nicht alles perfekt zu machen. Es ist okay, Hilfe anzunehmen. Es ist okay, auch mal „Nein“ zu sagen. Wichtig ist, dass du auf dich achtest und dir bewusst machst, dass du deine eigenen Grenzen setzen darfst.
Und hier kommt der wichtigste Punkt: Es ist meist gar nicht die Gesellschaft, die uns ständig fordert, alles perfekt zu machen. Es ist oft unser eigener innerer Kritiker, der uns das Gefühl gibt, nicht genug zu sein. Wir vergleichen uns mit den scheinbar mühelosen Instagram-Bildern, den Erfolgsgeschichten anderer – und vergessen dabei, dass wir Menschen sind. Mit Schwächen, Zweifeln und Bedürfnissen.
Mentale Belastung und Me-Time – die Balance finden
Der sogenannte Mental-Load – all die Gedanken, To-Do-Listen, Verantwortlichkeiten – kann manchmal überwältigend sein. Das ständige Jonglieren zwischen Beruf, Familie, Haushalt und eigenen Bedürfnissen ist anstrengend. Deshalb ist es so wichtig, sich bewusst Me-Time zu gönnen. Kleine Auszeiten, in denen du nur für dich da bist, helfen, den Kopf frei zu bekommen und neue Energie zu tanken.
Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Nur wenn wir auf uns selbst achten, können wir auch für unsere Familien und im Beruf voll da sein. Ein wichtiger Bestandteil meiner Selbstfürsorge sind meine regelmäßigen Auszeiten im Sport sowie im Yoga und in der Meditation. Diese Momente der Ruhe helfen mir, den Kopf frei zu bekommen, Stress abzubauen und neue Energie zu tanken. Sie sind für mich unverzichtbar geworden, um sowohl im Beruf als Anwältin als auch im Familienleben präsent und ausgeglichen zu sein.
Was, wenn auch du heute eine andere Entscheidung triffst? Statt die Wohnung blitzsauber zu halten oder bis nachts um 1 Uhr Akten durchzuarbeiten, gönn dir eine entspannende Dusche oder mach einen Spaziergang im Wald, sobald die Kinder schlafen. Atme tief durch, höre den Vögeln zu und spüre, wie die Natur dich wieder mit Energie füllt. Denn manchmal ist die wahre Befreiung, sich bewusst gegen das „Perfekt-Sein“ zu entscheiden. Gegen den Druck, immer alles im Griff zu haben. Gegen die ständige Selbstkritik, die uns Mamas oft klein macht.
Konkrete Strategien für die Vereinbarkeit
Es gibt Wege, um den Spagat leichter zu machen:
- Flexible Arbeitsmodelle: Homeoffice, Teilzeit oder individuelle Arbeitszeiten können helfen, den Alltag besser zu strukturieren.
- Unterstützung suchen: Familie, Freunde oder professionelle Hilfe bei der Betreuung oder im Haushalt – alles, was Entlastung bringt.
- Klare Prioritäten setzen: Nicht alles muss perfekt sein. Der Wäscheberg ist auch morgen noch da J
- Netzwerke und Austausch: Der Kontakt zu anderen Frauen in ähnlichen Situationen gibt Kraft, Inspiration und praktische Tipps.
- Auszeiten einplanen: Nur wer selbst energiegeladen ist, kann eine durchsetzungsfähige Anwältin und gleichzeitig eine liebevolle Mama sein.
Mein Appell an alle Frauen: Traut euch, euren Weg zu gehen!
Jede Frau hat das Potenzial, ihre Träume zu verwirklichen – egal, ob sie Anwältin, Mama oder beides ist. Es braucht Mut, Durchhaltevermögen und manchmal auch eine Portion Selbstironie. Aber vor allem braucht es ganz viel Selbstliebe!
Der Weg ist nicht immer leicht, aber er lohnt sich. Du darfst ihn in deinem Tempo gehen, mit deinen Regeln, und so, wie es zu dir und deinem Leben passt.
Glaub an dich. Lass dich nicht von äußeren Erwartungen kleinhalten. Umgib dich mit Menschen, die dich stärken und inspirieren. Du hast alles in dir, was du brauchst, um deinen eigenen Weg zu gehen – als Anwältin und als Mama.
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