Der Gründer der mittlerweile eingestellten Website GirlsDoPorn, Michael James Pratt, wurde in den USA zu einer langen Haftstrafe von 27 Jahren verurteilt. Pratt gestand im Juni 2025 vor dem Bundesgericht in San Diego, in den vergangenen Jahren gemeinsam mit seinen Komplizen hunderte von jungen Frauen unter falschen Vorwänden für Porno-Produktionen angeworben und ausgenutzt zu haben.
Das Gericht verurteilte den Plattformbetreiber unter anderem wegen Menschenhandels zu einer Haftstrafe von 324 Monaten. Damit ging die Richterin deutlich über das von der Staatsanwaltschaft beantrage Strafmaß von 260 Monaten (21,5 Jahre) hinaus.
Pornos angeblich nur in Australien auf DVD
Der 42-Jährige Neuseeländer hatte die Website GirlsDoPorn 2007 gegründet und betrieben. Seit rund 15 Jahren hatte er auf der Plattform eine große Anzahl von Pornos mit jungen Frauen veröffentlicht. Das perfide: Viele dieser Frauen wurden über angebliche Modelangebote und ungenaue Vertragsbedingungen zur Mitarbeit manipuliert. Die Männer hatten den Darstellerinnen unter anderem versprochen, die Filme würden nur in Australien auf DVD vertrieben. Tatsächlich wurden sie auf GirlsDoPorn und bisweilen zu Werbezwecken auch auf größeren Pornoportalen veröffentlicht.
Die strafrechtlichen Ermittlungen begannen nach einer Zivilklage von 22 Frauen, die behauptet hatten, Opfer von Betrug und sexueller Ausbeutung geworden zu sein. Sie berichteten von einer systematischen Täuschung durch Pratt und seine Komplizen. Anstatt Modeljobs zu bekommen, wurden sie zu Sex vor laufender Kamera genötigt. Einige berichteten, dass sie in Hotels eingesperrt und erst freigelassen wurden, nachdem die Dreharbeiten beendet waren. Viele wurden unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol gesetzt, bevor sie Verträge unterschrieben, die sie nicht verstanden. Andere Frauen gaben an, sexuell missbraucht worden zu sein. Die Plattform war 2020 dazu verurteilt worden, über 12 Millionen US-Dollar an die Opfer zu zahlen.
Festnahme in Madrid
Pratt war 2022 nach drei Jahren auf der Flucht in Madrid festgenommen wurde. Die Staatsanwaltschaft beschrieben den Fall als besonders erschütternd aufgrund der schieren Anzahl von betroffenen Frauen und der perfiden Vorgehensweise der Täter.
In der Urteilsbegründung hob Richterin Janis Sammartino hervor, wie schwerwiegend die Taten von Pratt und seinen Mitangeklagten waren. Sie betonte, dass der Fall „nicht nur eine individuelle Tragödie für die Opfer“ darstelle, sondern auch ein System von Ausbeutung und Missbrauch widerspiegele, das es zu bekämpfen gelte. Sie verwies auf die psychischen und physischen Schäden, die die Frauen erlitten hatten. In vielen der Zeugenaussagen war von tiefen Traumata die Rede, die noch Jahre nach den Vorfällen anhielten. Einige der Frauen berichteten von Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen und sogar Suizidgedanken, die als direkte Folge der Erfahrungen bei GirlsDoPorn entstanden. Vor der Strafmaßverkündung hatte das Gericht 40 Opfer öffentlich angehört.
Pratt ist nicht der Einzige, der für die Vergehen im Rahmen von GirlsDoPorn verurteilt wurde. Bereits zuvor hatten sich auch andere Mitangeklagte für ihre Rolle verantworten müssen. So erhielt Matthew Isaac Wolfe, der die täglichen Geschäfte der Seite leitete und maßgeblich für das Marketing und die Produktion verantwortlich war, eine Haftstrafe von 14 Jahren. Ruben Andre Garcia, ein Produzent und Performer, wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Theodore Gyi, ein Kameramann, erhielt eine Strafe von vier Jahren.


