Wer denkt, Wettbewerbe gibt’s nur auf dem Fußballplatz, hat noch nie einen Moot Court erlebt. Auch im Jurastudium gibt es jede Menge Wettbewerbe – und die haben nichts mit selbstgenähten Habersack-Taschen oder Debattierclubs zu tun.
Ob Du gerne schreibst, diskutierst oder schlicht ein Talent fürs Verhandeln hast: Es gibt Wettbewerbe für jede Neigung – und die bieten mehr als nur Urkunden fürs WG-Klo. Welche Formate es gibt, was sie Dir bringen und warum Deine Kämpfernatur nicht nur beim Run auf die besten Bib-Plätze gefragt ist, liest Du im Folgenden.
Wettkampf der Köpfe – welche Formate es gibt
Am bekanntesten dürfte unter den Jurist:innen vermutlich der Moot Court sein – ein Wettbewerb, bei dem ein fiktiver Fall vor einem Gericht ausgetragen wird und Teams aus Studierenden ihre fiktive Mandantschaft im schriftlichen und mündlichen Verfahren vertreten. Vom traditionsreichen Philip C. Jessup Moot Court über einen Moot Court beim Bundesarbeitsgericht bis hin zu Strafrecht- und Harry-Potter-Moot-Courts gibt es eine wachsende Bandbreite an Themengebieten. Neuere Moot Courts umfassen den Märchen-Moot-Court und jüngst den weltweit ersten Moot Court im Bereich internationaler Tierrechte. Ob vor dem Internationalen Gerichtshof, dem Bundesarbeitsgericht oder einem fiktiven Gericht – der Ablauf der Wettbewerbe variiert ebenso sehr wie der thematische Schwerpunkt, aber die rechercheintensiven schriftlichen Anteile sowie der Fokus auf flammenden Plädoyers vor renommierten Richter:innen gehört wohl überall dazu.
Wer statt hinter einem Podium zu stehen, lieber im stillen Kämmerlein am Laptop sitzt, findet sich vielleicht eher bei einem Schreibwettbewerb wieder. Zeitschriften, Institute und Organisationen veranstalten häufig Essay- oder Aufsatzwettbewerbe, bei denen auch Studierende zu bestimmten Themenbereichen recherchieren und schreiben können.
Verhandlungs- und Mediationswettbewerbe bieten die Möglichkeit, das eigene Können in Sachen Streitbeilegung und Streitschlichtung unter Beweis zu stellen. Als Alternative zum streitigen Gerichtsprozess führen derlei außergerichtliche Verfahren oft zu kostengünstigeren und nachhaltigeren Ergebnissen.
Für unternehmerisch versierte Studis bieten Innovations- und Startup-Wettbewerbe einen guten Rahmen, um sich und ihre Ideen auszuprobieren. Wer stattdessen mehr Interesse am akademischen Diskurs hat, sollte eher nach Forschungs- und Nachwuchspreisen Ausschau halten – insbesondere in interdisziplinären Gebieten kann hier die Expertise zukünftiger Jurist:innen von großer Bedeutung sein.
Wo auch immer Deine Stärken thematisch liegen – wenn Du Deinen Kampfgeist unter Beweis stellen willst, findest sicher auch Du den richtigen Wettbewerb für Dich. Und wenn es den noch nicht gibt, dann könnte es ja auch ein spannendes Projekt sein, mit Gleichgesinnten einen neuen Wettbewerb ins Leben zu rufen!
Soft Skills, Selbstbewusstsein und Seminarschein – was Du davon hast
First things first: viele Unis honorieren die Teilnehmenden von Moot Courts in verschiedenster Weise. Sei es ein zusätzliches Semester für den Freischuss, ein Seminarschein, eine Schlüsselqualifikation oder ein Sprachschein – an manchen Unis wird Deine Teilnahme sogar in mehrfacher Hinsicht belohnt.
Neben den Vorteilen fürs Studium bringt die Teilnahme an Wettbewerben Dir aber vor allem auch Erfahrungen und damit wertvolles Career Capital! Schreibwettbewerbe, Moot Courts und Co. bieten Dir vertiefte Einblicke in die juristische Forschung und Recherche. Daneben lernst Du bei Moot Courts, Verhandlungs- und Mediationswettbewerben wichtige Präsentations- und Soft-Skills. Den Studierenden werden meistens erfahrene Coaches an die Seite gestellt, um sie mit Rhetorik-Trainings sowie Tipps zur Körpersprache und Vortragsweise auf das mündliche Plädoyer beziehungsweise das Gespräch mit Richter:innen oder Prozessparteien vorzubereiten. So direktes und konstruktives Feedback gibt es im Jurastudium fast nie – schon gar nicht mit persönlichem Coach statt anonymer Korrektur am Klausurrand.
Mit der Teilnahme an einem Wettbewerb stellst Du Dich außerdem ganz bewusst dem Vergleich mit anderen engagierten Studis – ein Schritt raus aus der Komfortzone, der Mut erfordert, aber langfristig das Selbstbewusstsein stärkt! Stell Dir vor, Du diskutierst kreative rechtliche Argumente mit einem ehemaligen BVerfG-Richter oder mit einem Professor, der selbst schon vor dem Internationalen Gerichtshof und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte stand – dagegen ist jede mündliche Prüfung ein Spaziergang!
Karrierebooster statt Lebenslauf-Füller – langfristige Benefits
Auch nach dem Studium kann die Teilnahme an einem Studi-Wettbewerb noch Vorteile haben. Abgesehen von den Skills, die Dir keiner mehr nehmen kann, wirst Du höchstwahrscheinlich auch neue Kontakte knüpfen. Seien es Mitstreiter:innen aus Deinem Team, die Freunde fürs Leben werden könnten oder auch fortgeschrittene Jurist:innen, die schon mitten im Berufsleben stehen. Wie wichtig Netzwerken für Jurastudierende ist, kann man nur immer wieder betonen. Probepleadings bei Großkanzleien in Vorbereitung auf die mündlichen Runden eines Moot Courts erinnern teilweise an Recruiting-Events. Wer Dich bei einem Probeplädoyer erlebt, sieht mehr als nur eine Note – die Proberichter:innen sehen Deinen Einsatz, Deine Argumentationsstärke und Dein Entwicklungspotential. Bei diesen Events werden gern mal die Grundsteine für ein späteres Praktikum, eine Ref-Station oder sogar eine Position als WissMit gelegt.
Für die persönliche Karriereplanung spielen Wettbewerbe aber noch eine andere Rolle: beschäftigst Du Dich vertieft mit einer Materie, sieht das nicht nur gut auf dem Lebenslauf aus, sondern hilft Dir auch selbst, die richtige Spezialisierung für Dich zu finden und abseits vom Pflichtfachstoff Einblicke in spannende Rechtsgebiete zu erhalten.
Das alles reicht Dir nicht? Dann streng Dich besser an, denn wenn Du zu den besten gehörst, erwarten Dich spannende Preise und Chancen. Wer einen Schreibwettbewerb gewinnt, wird den eingereichten Artikel oftmals im jeweiligen Journal oder Blog veröffentlichen dürfen – und zwar unter Anleitung oder Mentoring von erfahrenen Jurist:innen. Das ist also eine ideale Möglichkeit, um schon im Studium zu publizieren. Daneben locken oft auch monetäre Preise, Mitgliedschaften in Organisationen, deren Netzwerke sonst für Studis schwer zugänglich sind, oder auch Praktika bei Unternehmen im relevanten Bereich.
Ob Du später einmal vor Gericht, im Hörsaal oder im Think Tank stehen willst – Wettbewerbe sind das ideale Testfeld, um Dich auszuprobieren, sichtbar zu werden und über Dich hinauszuwachsen.
Also: Ready, Set, Moot!


