Die Fernuniversität in Hagen (FUH) feiert ihr 50-jähriges Jubiläum. Neben dem Bachelor (LL.B.) und dem Master of Laws (LL.M.) kann an der Fernuni auch der Studiengang Rechtswissenschaft Erste Juristische Prüfung (EJP) mit dem Ziel Erstes Staatsexamen studiert werden. Dabei können Studierende den Bachelor auf Laws in das EJP-Studium integrieren, sodass die Studentinnen und Studenten auf dem Weg zum Staatsexamen „nebenbei“ auch den Jurabachelor erhalten.
Das Studium an der FUH verspricht vor allem Flexibilität und Ortsunabhängigkeit, ohne dabei Abstriche in der Qualität machen zu wollen. Als staatliche Universität sind die Studiengebühren an der Fernuniversität zudem im Vergleich zu privaten Anbietern vergleichsweise günstig. Allerhöchste Zeit für einen Studienbericht direkt aus der Praxis!
Einschreibung und Studienstart
Der Weg von der Idee zu Studieren zur Immatrikulation ist wohl nirgendwo so schnell absolviert wie an der FUH. Auf der Website der FUH findet man alle notwendigen Informationen – und dann kann es schon losgehen.
1. Antrag online ausfüllen,
2. Unterlagen in das Upload-Portal der Fernuni hochladen und
3. den Antrag online einreichen.
Fertig ist die Immatrikulation. Übrigens: Wer sich noch nicht sicher ist, kann im Rahmen eines Akademiestudiums das Studieren an der Fernuniversität testen.
Los geht es dann zum Semesterstart. Das ist für das Wintersemester i.d.R. Mitte Oktober und für das Sommersemester Mitte April. Bei der Wahl der Module ist man völlig flexibel. Es gibt Vorschläge für Studienabläufe, diese sind allerdings eben nur als solche zu verstehen. Derzeit bekommt man die meisten Studienskripte der belegten Module noch per Post zugesendet. Das kann man online abbestellen, wenn einem das PDF genügt. Beginnend mit dem nächsten Jahr werden dann nur noch digitale Skripte zum Download bereitstehen. Ab dem offiziellen Starttermin steht der Zugriff auf der Lernplattform Moodle für die gewählten Module bereit. Dort findet man alles zum Modul inklusive Nachrichtenforum, Vorlesungsunterlagen, Virtuellem Mentoriat, Arbeitsgemeinschaften und dem Klausurbereich des jeweiligen Moduls. Voraussetzung für das Studium an der FUH ist daher ein PC mit Webcam und Headset. Dabei funktionieren alle Programme sowohl auf Windows, Mac und Linux. Zugriff auf Literatur und juristische Datenbanken gibt es über das Fernuni-VPN.
Vorlesungen, Mentoriate, AG und mehr
Die Vermittlung des Stoffes erfolgt an der FUH ein wenig anders als an Präsenzunis. Statt Vorlesungen gibt es hier vor allem eins: Das Selbststudium. Ob Vorlesungen bereitgestellt werden, ist Sache des jeweiligen Lehrstuhls. Wenn Vorlesungen bereitgestellt werden, sind diese i.d.R. als Video im Moodle-Kurs verfügbar. Teils wird aber als wesentliches Lehrelement auf das sog. virtuelle Mentoriat gesetzt, das live zu bestimmten Zeiten von Mitarbeitenden des Lehrstuhls oder externem Lehrpersonal gehalten wird. Es ist weniger förmlich als eine Vorlesung und bietet mehr Möglichkeit, in den Dialog zu treten. Wer möchte, kann sich via Zoom live dazuschalten. Alternativ gibt es jederzeit die Möglichkeit, das Mentoriat nachzuschauen, weil die Aufnahmen hochgeladen werden.
Zusätzlich dazu gibt es Arbeitsgemeinschaften. Diese finden ebenfalls über Zoom statt. Das Anmeldeverfahren zu den AG funktioniert über das Windhundprinzip, wer sich also schnell anmeldet, bekommt einen Platz. Selten kann es sein, dass AGs voll sind und man daher nicht die Wunsch-AG bekommt. AG werden im Gegensatz zu den Mentoriaten nicht aufgenommen, verpasst man also einen Termin, kann man sich diesen nicht im Nachhinein ansehen. Zeitlich liegen AG eher in den Abendstunden oder am Wochenende. Vereinzelt können sie auch unter der Woche vormittags sein.
Klausuren und Prüfungsleistungen
Zu den Prüfungsleistungen meldet man sich über das Prüfungsportal der FUH ca. zwei Monate vor der Prüfung an. Dabei gibt es verschiedene Prüfungsformen, die sich nach dem Modul richten. Hier eine Auswahl:
- Online-Klausur: Die Klausur wird vor dem eigenen Rechner zu Hause absolviert, die eigene Webcam filmt dabei Bildschirm und die Tastatur. Beaufsichtigt wird dies via Zoom, zwischenzeitlich findet eine Kontrolle des Personalausweises statt.
- Präsenz-Klausur: Handschriftliche Klausur an einem der Campus der FUH, beaufsichtigt von dortigem Personal. Die Blätter werden eingescannt und zur Korrektur hochgeladen.
- Bring-Your-Own-Device-Klausur: Man schreibt mit Laptop an einem der Campus der FUH und lädt dort das fertige PDF-Dokument nach Ende der Schreibzeit hoch. Beaufsichtigt wird die Klausur wie eine Präsenzklausur.
- Hausarbeit: In einem Schreibzeitraum von i.d.R. zwei Monaten wird ein Dokument nach strengen Formalvorgaben erstellt, das dann über das Prüfungsportal bis zu einem bestimmten Datum hochgeladen werden muss.
Die Betreuung im Fernstudium
Fernstudium heißt: Selbstorganisation. Wer dennoch Beratung braucht, kann sich an das Beratungsteam der Rechtswissenschaftlichen Fakultät wenden. Es gibt telefonische Sprechzeiten und E-Mail-Support. Zu Neuerungen in der Juristenausbildung wird i.d.R. mit einem Video mit Livestream informiert.
Über das Fernstudium existieren viele Vorurteile. Nicht selten hört man die Aussage „Achso, du studierst nur an einer Fernuni…“. Offen gesagt: Es gibt an der FUH nichts geschenkt. Die Beaufsichtigung der Prüfungen ist teils strenger als an Präsenzuniversitäten und das Prüfungsniveau nicht geringer. Der gelegentliche Plausch nach der Vorlesung bei einem Kaffee bleibt aus – wer hier studiert macht das meist nebenberuflich, neben der Familie, abends oder am Wochenende, meist alles zusammen. Wer sich an der Fernuniversität für Jura einschreibt, sollte einen langen Atem haben und die Bereitschaft mitbringen, sich weitgehend allein durch den Stoff und den Studienverlauf zu beißen. Doch das kann sich lohnen: Nur wenige Universitäten dürften hinsichtlich Flexibilität und Zugangsoffenheit mit der FUH mithalten können.


