Die Serie Mrs. Playmen und der Markenrechtsstreit mit dem Playboy

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Im November 2025 gelang Netflix mit der italienischen Serie „Mrs. Playmen“ ein überraschender Erfolg. Die Serie erzählt die Geschichte des italienischen Erotikmagazins „Playmen“, das in den 1960ern gegründet wurde. Jurist:innen sollte das Magazin vor allem wegen seines berühmten Markenrechtsstreits mit dem Playboy bekannt sein.

Als das italienische Männermagazin Playmen Ende der 1960er Jahre auf den Markt kam, verstand es sich als europäische Antwort auf die beliebten US-Lifestyle‑Magazine. In Italien entwickelte sich die Publikation rasch zu einem festen Bestandteil der Popkultur. Sie verband erotische Fotografie mit Interviews, Reportagen und dem Anspruch, mehr zu sein als bloße Pornografie, und inszenierte sich als italienisches Gegenstück zu Playboy. Was in Rom funktionierte, wurde in den Vereinigten Staaten jedoch zum juristischen Pulverfass. Dort traf Playmen auf einen Gegner, der seinen Namen wie eine Festung verteidigte: Playboy.

Playmen vs. Playboy

Der Konflikt eskalierte, als der amerikanische Verlag Chuckleberry Publications plante, die italienische Marke in den USA zu etablieren. Das Unternehmen veröffentlichte bereits das Magazin Adelina, ein sogenanntes „male sophisticate magazine“, das sich an ein ähnliches Publikum richtete wie Playboy. 1979 kündigte Chuckleberry an, Adelina in den Vereinigten Staaten unter dem Namen Playmen herauszugeben und das Heft mit dem Untertitel „America’s Edition of Italy’s Playmen“ zu versehen. Für Playboy war das ein Affront. Das Unternehmen reagierte sofort mit rechtlichen Schritten und erwirkte zunächst eine einstweilige Verfügung, später eine temporäre Unterlassungsanordnung. Der Fall landete schließlich vor dem U.S. District Court in Manhattan und 1982 vor dem United States Court of Appeals, Second Circuit.

Dort machte Richter Abraham Sofaer unmissverständlich klar, dass es bei diesem Streit nicht nur um ein Wort ging, sondern um ein immenses wirtschaftliches Gut. Der Name Playboy, so stellte er fest, sei allein mindestens 200 Millionen Dollar wert. Er besitze „great distinctiveness“ und bilde das Fundament des gesamten Unternehmensimperiums von Playboy Enterprises. In seiner Entscheidung betonte Sofaer, dass der Versuch, Adelina in Playmen umzubenennen, eindeutig darauf abziele, von der Strahlkraft der Marke Playboy zu profitieren. Der Untertitel „America’s Edition of Italy’s Playmen“ sei nicht etwa ein harmloser Hinweis auf die italienische Herkunft des Magazins, sondern ein bewusst gewähltes Mittel, um eine Assoziation zum Playboy herzustellen. Die Behauptung des Verlags, man wolle lediglich den guten Ruf der italienischen Originalausgabe nutzen, bezeichnete Sofaer als „sham“.

Playmen dauerhaft in den USA verboten

Mit seiner Entscheidung untersagte der Richter Chuckleberry Publications dauerhaft, Adelina in den USA unter dem Namen Playmen zu vertreiben oder den irreführenden Untertitel zu verwenden. Zugleich lehnte er jedoch einen weitergehenden Antrag von Playboy ab: Das Unternehmen hatte versucht, die Nutzung des Namens Playmen auch für andere „male sophisticate“-Magazine in Französisch, Deutsch, Japanisch, Portugiesisch und Spanisch zu blockieren. In Italien wurde das Magazin deswegen weiter veröffentlicht. Die letzte Ausgabe erschien 2001.

Mrs Playmen . (L to R) Francesca Colucci as Elsa, Marco Rossetti as Steve in episode 107 of Mrs Playmen . Cr. Camilla Cattabriga/Netflix © 2025

Klage des Playmate of the Year

Dass Playboy bereit war, selbst gegen vermeintlich kleinere oder ehemalige Verbündete mit voller Härte vorzugehen, zeigte sich auch in späteren Verfahren. Besonders bekannt wurde der Rechtsstreit Playboy Enterprises, Inc. v. Welles. In diesem Fall klagte das Unternehmen gegen Terri Welles, die 1981 zum „Playmate of the Year“ gekürt worden war. Auf ihrer persönlichen Website verwendete sie Begriffe wie „Playboy Playmate of the Year 1981“, um ihre eigene Karriere zu beschreiben.

Die Gerichte entschieden jedoch, dass Welles die Marke nominativ verwenden durfte, um tatsächlich auf ihre Rolle als Playmate hinzuweisen, solange sie nicht den Eindruck erweckte, ihre Seite werde offiziell von Playboy gesponsert oder betrieben. Das Urteil wurde zu einem wichtigen Präzedenzfall für die nominative Markenverwendung und die Grenzen des Markenschutzes in der digitalen und werblichen Selbstinszenierung ehemaliger Markenbotschafterinnen.

Italienische Serie erzählt Geschichte der Gründerin

Während Playboy in den USA juristisch dominierte, blieb Playmen in Italien ein kulturelles Phänomen – und erlebt seit 2025 eine neue Aufmerksamkeit durch die Netflix‑Serie Mrs. Playmen. Die italienische Produktion erzählt als biografisch-historisches Drama die wahre Geschichte von Adelina Tattilo, der Gründerin und Herausgeberin von Playmen, gespielt von Carolina Crescentini.

Die Serie, die im November 2025 bei Netflix startete, zeichnet den Aufstieg und Niedergang des Magazins im konservativen, katholisch geprägten Rom der 1960er und 1970er Jahre nach. Sie zeigt Tattilo als Unternehmerin, die in einer patriarchalischen Medienwelt um kreative und wirtschaftliche Kontrolle kämpft, während Nacktaufnahmen von Prominenten Skandale auslösen und Polizeiaktionen, Zensur und moralische Empörung das Magazin begleiten. Mrs. Playmen rahmt Playmen damit explizit als italienisches Gegenstück zu Playboy – und macht zugleich deutlich, dass hinter der Marke eine Frau stand, die sich bewusst gegen gesellschaftliche Normen stellte.

Ein wesentlicher Teil der kulturellen Sprengkraft von Playmen lag in den prominenten Persönlichkeiten, die – freiwillig oder unfreiwillig – in seinen Ausgaben auftauchten. Internationale Aufmerksamkeit erlangte das Magazin insbesondere 1972, als es unveröffentlichte Nacktaufnahmen von Jacqueline Kennedy Onassis druckte, die auf der griechischen Insel Skorpios entstanden waren. Die Bilder, aufgenommen von Paparazzo Settimio Garritano, zeigten die ehemalige First Lady beim Sonnenbaden und Schwimmen und lösten weltweit einen Mediensturm aus.


Fundstelle: https://www.upi.com/

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