Mit ChatGPT verfasste Traurede: Ehe ungültig!

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Eine mit KI-geschriebene Traurede sorgt in den Niederlanden für Aufsehen, nachdem ein Gericht die so geschlossene Ehe für nichtig erklärt hatte.

Ein niederländisches Gericht hat die Ehe eines Paares für nichtig erklärt, weil bei der Zeremonie keine rechtsgültige Eheschließung zustande gekommen sei. Grund dafür war die Rede des Standesbeamten – ein guter Freund des Paares –, die den gesetzlichen Anforderungen nicht genügt habe. Medienberichten zufolge soll der Text mithilfe von ChatGPT entstanden sein.

Die Hochzeit hatte im April vergangenen Jahres stattgefunden. Nun, fast ein Jahr später, entschied das Bezirksgericht Overijssel, dass damals keine Ehe begründet wurde. In der Folge wurde die ausgestellte Heiratsurkunde annulliert. Ausschlaggebend war nach Auffassung des Gerichts nicht die Verwendung von Künstlicher Intelligenz an sich, sondern der Inhalt der Rede, die zentrale Elemente des niederländischen Zivilrechts vermissen ließ.

Traurede genügt gesetzlichen Anforderungen nicht

Nach dem niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuch müssen zukünftige Ehepartner bei der standesamtlichen Trauung ausdrücklich erklären, dass sie einander als Eheleute annehmen und die Pflichten erfüllen wollen, die das Gesetz mit dem Ehestatus verbindet. Diese Erklärung ist zwingende Voraussetzung für die Wirksamkeit einer Eheschließung. Fehlt sie, kommt rechtlich keine Ehe zustande.

Die umstrittene Rede verfolgte hingegen einen bewusst lockeren, emotionalen Ansatz – ganz im Sinne des Brautpaares. Der Standesbeamte fragte: „Versprecht ihr, gemeinsam zu lachen, gemeinsam zu wachsen und euch zu lieben – was auch immer das Leben bringt?“ In einer weiteren Passage hieß es: „Wählt ihr einander, euch gegenseitig zu unterstützen, euch zu necken, festzuhalten – auch wenn das Leben schwierig ist?“

Am Ende erklärte der Trauende: „Dann erkläre ich euch hiermit: nicht nur Mann und Frau, sondern vor allem ein Team“. Nach Auffassung des Gerichts fehlte die explizite rechtliche Annahmeerklärung als Ehepartner, wie sie das Gesetz verlangt.

Standesbeamter fragte ChatGPT um Hilfe

Das Paar selbst weist den Vorwurf zurück, die Rede sei von ChatGPT geschrieben worden. Gegenüber dem Fernsehsender RTL News erklärten die Eheleute am Donnerstag: „Das stimmt so nicht. Allerdings hat der Standesbeamte eine KI gefragt, ob sein Text rechtlich gültig ist.“ Gleichwohl spielte die Frage der KI-Nutzung im Urteil eine untergeordnete Rolle. Entscheidend war allein, dass die gesetzlichen Formulierungen nicht enthalten waren.

Vor Gericht schilderte das Paar die erheblichen emotionalen Folgen der Entscheidung. Der Verlust des ursprünglichen Hochzeitsdatums habe sie stark belastet. Sie beantragten daher, ihnen zu ermöglichen, die Ehe nachträglich mit dem ursprünglichen Datum eintragen zu lassen. Ob dem stattgegeben wird, ist bislang offen.

Immer mehr Paare greifen auf KI zurück

Das Paar ist nicht allein: Weltweit greifen immer mehr Paare und Dienstleister auf KI-Tools zurück, um Reden, Gelübde oder Einladungen zu formulieren. Laut einer Umfrage der Hochzeitsplanungsplattform Zola unter fast 6.000 Paaren, die im Jahr 2025 geheiratet haben, zeigten sich 74 Prozent offen dafür, KI zum Verfassen von Hochzeitsreden oder Trinksprüchen zu nutzen.

Deutlich gespalten waren die Meinungen hingegen beim Thema Ehegelübde. Rund die Hälfte der Befragten befürwortete hier den Einsatz von KI, während die andere Hälfte Vorbehalte äußerte. Viele sehen gerade in den Gelübden den persönlichsten Teil der Zeremonie, der Authentizität und individuelle Handschrift erfordert.

Kritisch äußert sich auch Eleanor Willock, eine unabhängige Traurednerin aus Großbritannien. Gegenüber der Times sagte sie: „Die Nutzung von ChatGPT hat im vergangenen Jahr zweifellos zugenommen. Mein Beruf besteht aus Schreiben, und viele freie Redner – so wie ich – sind strikt dagegen.“ KI könne zwar sprachlich korrekte Texte liefern, habe aber Schwierigkeiten, echte Zukunftshoffnungen oder den richtigen Rhythmus und Ton zu treffen. „Solche Reden werden es kaum schaffen, die Eltern von Braut oder Bräutigam vor Freude zum Weinen zu bringen“, so Willock.

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