Lincoln Lawyer: Zahlt die Autoversicherung, wenn ich mich beim Sex im Pkw mit HPV anstecke?

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Im Februar 2026 erschien die vierte Staffel der beliebten Anwaltsserie „Lincoln Lawyer“ auf Netflix. Mickey Haller muss sich selbst vor Gericht verteidigen, nachdem er im Finale von Staffel drei überraschend festgenommen wurde. Bei einer Verkehrskontrolle fand die Polizei die Leiche eines ehemaligen Klienten im Kofferraum seines Autos. Über zehn Episoden hinweg verfolgen Zuschauer:innen, wie Mickey im Knast landet und um seine eigene Rettung kämpft.

Die Erfolgsserie basiert auf der Buchreihe des US-Autors Michael Connelly, in der der charismatische Strafverteidiger Mickey Haller im Mittelpunkt steht. In Los Angeles kämpft er für seine Mandantschaft – und macht seinem Spitznamen als „Lincoln Lawyer“ alle Ehre, denn noch immer arbeitet er – zumindest teilweise – aus seinem Lincoln Navigator heraus, mit dem er sich von Termin zu Termin chauffieren lässt.

Der fiktive Fall: Beim Sex im Auto infiziert

Vor Gericht begegnet Mickey erneut seiner ersten Ex-Frau Maggie McPherson, mit der ihn nicht nur eine gemeinsame Tochter, sondern auch ein komplexes Verhältnis verbindet. In seiner Kanzlei wird er wie gewohnt von seiner zweiten Ex-Frau Lorna Crane unterstützt, die eine unverzichtbare Stütze seines Teams ist.

Lorna zieht in Staffel vier ihren ersten eigenen Fall an Bord. Sie vertritt die Ehefrau eines reichen Mannes bei deren Scheidung. Das Problem: Ein fieser Ehevertrag steht dem Geldsegen entgegen. Lorna muss kreativ werden. Als sie erfährt, dass der Ex-Mann ihre Mandantin mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt hat, droht Lorna kurzerhand, die Autoversicherung zu verklagen. Denn ihre Mandantin hat sich beim Sex im versicherten Pkw angesteckt. Kann diese Argumentation rechtlich Bestand haben? Die Realität sagt ja!


Noch mehr Lincoln Lawyer: Der „Lincoln Lawyer“ und die schwarze Wand: Ist das Kunst oder kann das weg?


Der reale Fall aus den USA

Der Autoversicherer Geico muss einer Frau rund fünf Millionen US-Dollar Schadensersatz zahlen, nachdem sich diese beim Sex in einem von dem Unternehmen versicherten Auto mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt hatte.

HPV-Viren (Humanen Papillomvirus) können Geschlechtskrankheiten verursachen, die sich durch Warzen auf der Haut und im Genitalbereich bemerkbar machen. In seltenen Fällen kann es zu bösartigen Tumoren kommen. Am bekanntesten ist hierbei der bei Frauen auftretende Gebärmutterhalskrebs. Die Ansteckung geschieht häufig beim Geschlechtsverkehr über die Haut bzw. Schleimhäute sowie über infizierte Gegenstände (Sexspielzeug, Handtücher). Genitale HPV-Infektionen zählen deshalb zu den Geschlechtskrankheiten (sexual transmitted diseases, STD).

Im echten Fall aus den USA hatte eine Frau aus Missouri Sex mit ihrem damaligen Freund. In dessen Hyundai Sedan. Das Fahrzeug war bei Geico versichert. Später wurde bei der Frau das HPV-Virus nachgewiesen. Die Frau tat deswegen etwas, was in Deutschland keinem normalen Menschen eingefallen wäre. Sie wendete sich an die Fahrzeugversicherung. Dort machte sie geltend, dass der Versicherte sie beim Geschlechtsverkehr im Auto infiziert hätte.

Sex im Auto „normale Nutzung“?

Geico weigerte sich jedoch, die vorgeschlagene Vergleichssumme von einer Million US-Dollar zu bezahlen. Das Unternehmen erklärte, dass der Versicherungsschutz für das Auto nicht greife, weil die geltend gemachten Schäden nicht aus einer normalen Nutzung des Fahrzeugs resultierten.

Daraufhin wendete sich die Frau 2021 an eine Schlichtungsstelle in Missouri. Und bekam Recht! Der Schlichter sprach der Frau 5,2 Millionen US-Dollar Schadensersatz für „vergangene und zukünftige medizinische Kosten“ sowie „vergangene und zukünftige geistige und körperliche Schmerzen und Leiden“ zu. Die sexuellen Aktivitäten im Auto des Versicherten hätten direkt zu einer HPV-Infektion der Frau geführt und dies sei auch von der Versicherungsleistung gedeckt.

Soupreme Court war das Urteil zu wild

Dem Supreme Court von Missouri war die Entscheidung in diesem Fall jedoch zu wild. Die Richterinnen und Richter hoben das Urteil 2023 einstimmig auf und verwies den Fall zur erneuten Prüfung an die Vorinstanz zurück.

Das Schiedsgericht hatte der Klägerin 5,2 Millionen US-Dollar Schadenersatz zugesprochen – mit der Maßgabe, dass GEICO als Haftpflichtversicherer des Fahrzeugs die Summe zahlen solle. Der Clou: Geico war an diesem verfahren nicht beteiligt.

Genau an diesem Punkt setzte nun die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von Missouri an. Die Richter:innen stellten fest, dass Geico ein Recht gehabt habe, sich früher in das Verfahren einzuschalten. Da dem Unternehmen diese Möglichkeit vor Erlass der Entscheidung verwehrt worden sei, müsse das Urteil aufgehoben und der Fall an die Vorinstanz zurückverwiesen werden.

In ihrer einstimmigen Entscheidung betonten die Richter, es gehe nicht um die materielle Frage, ob eine Kfz-Versicherung für eine sexuell übertragene Krankheit einstehen müsse. Vielmehr stehe das prozessuale Recht des Versicherers im Vordergrund, seine Interessen rechtzeitig geltend zu machen. Ohne diese Gelegenheit sei das Verfahren nicht ordnungsgemäß geführt worden.

Mit der Zurückverweisung ist die juristische Auseinandersetzung keineswegs beendet. Das vorinstanzliche Gericht muss nun erneut prüfen, ob und in welchem Umfang Geico in das Verfahren einzubeziehen ist – und ob die Versicherungspolice überhaupt einen solchen Schadensfall abdeckt.


Fundstelle: https://www.cbsnews.com/news/geico-std-car-5-million-award-vacated-by-judges/

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