Emma Kailikapuolono Metcalf Beckley Nakuina (5. März 1847 – 27. April 1929) war eine der bedeutendsten hawaiianischen Verwaltungs- und Rechtsfiguren des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie gilt häufig als erste weibliche Richterin Hawaiis, obwohl sie diesen Titel formal nie trug. Nakuina war zugleich Museumskuratorin, Regierungsbeamtin und Autorin, die sich für den Schutz hawaiianischer Rechte, Kultur und Umwelt einsetzte.
Sie wurde am 5. März 1847 im Familienanwesen Kauaʻala im Mānoa Valley auf Oʻahu geboren, auf einem Gelände, das heute Teil des Campus der University of Hawaiʻi at Mānoa ist. Ihr Vater Theophilus Metcalf, ein aus dem US-Bundesstaat New York stammender Einwanderer, kam 1842 nach Hawaii und arbeitete als Zuckerpflanzer sowie als staatlicher Landvermesser während der Landreform des Great Māhele. Ihre Mutter Kailikapuolono entstammte den aliʻi-Adelslinien von Oʻahu und war mit dem heiligen Geburtsort der Häuptlinge, den Kūkaniloko Birthstones, verbunden. Zu Nakuinas Vorfahren gehörte der Häuptling Nahili, ein General von Kamehameha I während der Eroberung der hawaiianischen Inseln.
Ausbildung und frühe juristische Prägung
Nakuina erhielt eine außergewöhnlich umfassende Ausbildung. Sie besuchte sowohl die katholische Sacred Hearts Academy als auch die Punahou School (damals Oʻahu College) in Honolulu. Zusätzlich wurde sie privat von ihrem Vater unterrichtet und lernte mehrere Sprachen, darunter Griechisch, Latein, Hebräisch, Französisch, Deutsch, Englisch und Hawaiianisch.
Eine entscheidende Rolle für ihre spätere juristische Tätigkeit spielte ein früher Auftrag von Kamehameha IV: Der König ließ sie bereits als junges Mädchen in den traditionellen hawaiianischen Wasserrechten und Landnutzungsregeln ausbilden. Diese Kenntnisse der indigenen Rechtsordnung bildeten später die Grundlage ihrer Tätigkeit als staatliche Schiedsrichterin in Wasserrechtsfragen.
1866 plante sie ein Studium am Young Ladies Seminary in Kalifornien (heute Mills College). Nachdem ihr Vater jedoch am 6. August 1866 in Oakland starb, blieb sie in Hawaii und setzte ihre Ausbildung und berufliche Laufbahn dort fort.
Am 3. Dezember 1867 heiratete sie den Adligen Frederick William Beckley Sr., der sowohl Mitglied des hawaiianischen Parlaments als auch königlicher Gouverneur der Insel Kauaʻi war. Nakuina diente während dieser Zeit als Hofdame von Queen Kapiʻolani, der Ehefrau von King Kalākaua.
Das Paar hatte sieben Kinder, darunter Frederick William Beckley Jr.. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1881 heiratete sie 1887 den Geistlichen Moses Kuaea Nakuina, ebenfalls ein Nachkomme hawaiianischer Adeliger. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor; eines starb kurz nach der Geburt, eine Tochter wurde später wegen Lepra in die Kolonie von Kalaupapa Leprosy Settlement geschickt.
Fokus: Wasserrechte
Mit 27 Jahren wurde Nakuina von Walter Murray Gibson, vermutlich auf Empfehlung von König Kalākaua, zur Curatrix des Hawaiian National Museum und der Government Library ernannt. Sie übte dieses Amt von 1882 bis 1887 aus. Diese Ämter verbanden Verwaltungskompetenz mit juristischer Verantwortung, da sie über Sammlungen, Eigentumsrechte und die Verwaltung öffentlicher Institutionen wachte.
Der wichtigste Abschnitt ihrer Karriere begann 1892, als sie zur Commissioner of Private Ways and Water Rights für den Distrikt Kona auf Oʻahu ernannt wurde, der das Gebiet von Honolulu umfasste. Ihre Ernennung erfolgte ausdrücklich wegen ihres Wissens über traditionelle Wasserrechte.
In dieser Funktion entschied sie 15 Jahre lang (1892–1907) über Streitfälle bezüglich:
- Wasserzugang
- Bewässerungsrechte
- Nutzung von Bächen und Wasserläufen
- privaten Wegen und Landzugängen
Damit erfüllte sie de facto richterliche Aufgaben und gilt deshalb als erste weibliche Richterfigur Hawaiis.
Ihre Amtszeit umfasste mehrere politische Regimewechsel: Sie arbeitete zunächst unter der Monarchie von Kalākaua und Queen Liliʻuokalani, blieb jedoch auch nach dem Overthrow of the Hawaiian Kingdom im Amt, nachdem sie einen Treueeid auf die nachfolgenden Regierungen – die Provisorische Regierung, die Republik Hawaii und später das Territorium der USA – geleistet hatte.
Schutz der hawaiianischen Lebensweise
Nach dem Sturz der Monarchie trat Nakuina im März 1893 der Frauenorganisation Hui Aloha ʻĀina o Nā Wāhine bei. Diese patriotische Vereinigung setzte sich gegen die Annexion Hawaiis durch die USA ein und unterstützte die abgesetzte Königin Liliʻuokalani. Nakuina arbeitete zunächst als Dolmetscherin der Organisation. 1895 gründete sie zusammen mit führenden hawaiianischen Frauen – darunter Elizabeth Kekaʻaniau, Abigail Kuaihelani Campbell und Emilie Widemann Macfarlane – die Hawaiian Relief Society, um Opfer einer Choleraepidemie zu unterstützen.
Nakuina setzte ihr juristisches Wissen aktiv zum Schutz der hawaiianischen Bevölkerung ein. Sie klagte gegen die Enteignung von Land und den Verlust von Fischereirechten, die ihrer Familie und der Gemeinschaft zustanden. Sie intervenierte formell bei Institutionen, wenn die Rechte oder die Würde der Hawaiianer verletzt wurden. In all diesen Fällen nutzte sie juristische Mittel, um kulturelles und materielles Erbe zu bewahren. Besonders hervorzuheben ist ihr Engagement bei der Schaffung öffentlicher Räume wie des Parks an den Ufern des Nuuanu Streams. Diese Arbeit war Ausdruck ihrer Überzeugung, dass Recht, Umwelt und Kultur untrennbar verbunden sind.
Tätigkeit als Autorin und politisches Engagement
Neben ihrer administrativen und gerichtlichen Arbeit nutzte Nakuina die Presse und wissenschaftliche Veröffentlichungen, um Rechts- und Landfragen öffentlich zu machen. Ihr Buch Hawai‘i, Its People, Their Legends (1904) dokumentierte nicht nur Kultur und Geschichten, sondern machte die Rechte, Traditionen und Gebräuche Hawaiis für ein breites Publikum verständlich – ein indirekter juristischer Schutz des kulturellen Erbes.
Auch die Veröffentlichung der Pele- und Hi‘iaka-Geschichten auf Englisch hatte juristische Dimension: Indem sie die mo‘olelo dokumentierte, sicherte sie einen Teil des geistigen Eigentums und des rechtlich relevanten kulturellen Wissens der Hawaiianer gegen Marginalisierung.
In späteren Jahren wurde sie Mitglied der Hawaiian Historical Society und engagierte sich in der kulturellen Organisation Daughters of Hawaiʻi.
In den 1910er Jahren unterstützte Nakuina auch die Frauenwahlrechtsbewegung im Territorium Hawaii. 1917 veranstaltete sie ein Treffen für die amerikanische Suffragistin Almira Hollander Pitman, an dem zahlreiche Aktivistinnen aus Honolulu teilnahmen, darunter Wilhelmine Widemann Dowsett. Diese Kontakte trugen dazu bei, politische Unterstützung für das Frauenwahlrecht in Hawaii zu mobilisieren. Kurz darauf führte der Nineteenth Amendment to the United States Constitution (1920) schließlich zum landesweiten Wahlrecht für Frauen.
Emma Nakuina starb am 27. April 1929 im Alter von 82 Jahren im Haus ihres Sohnes in Honolulu und wurde auf dem Oʻahu Cemetery beigesetzt. Ihre juristische Arbeit wirkt bis heute nach.
Fundstelle: https://hihumanities.org/


