Studie: Remote-Arbeit bleibt in Kanzleien die Ausnahme

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Homeoffice gehört in vielen Branchen inzwischen zum Standard. Gerade seit der Pandemie werben zahlreiche Unternehmen mit „Remote First“-Modellen oder zumindest großzügigen Hybridregelungen. In der Rechtsbranche hingegen bleibt die Arbeit von zuhause weiterhin eher die Ausnahme. Zu diesem Ergebnis kommt die „Remote-Friendly Industries Study 2025“ des britischen Unternehmens Vestd.

Die Studie analysierte mehr als 113.000 Stellenanzeigen aus 29 Branchen, die im Jahr 2025 veröffentlicht wurden. Ziel war es, zu untersuchen, wie häufig Arbeitgeber vollständig remote ausgeschriebene Stellen anbieten. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Insgesamt waren nur rund 5 % aller ausgeschriebenen Jobs vollständig remote. Für Jurist:innen ist die Lage kaum besser.

Rechtsbranche nur im Mittelfeld

In der Untersuchung landet die Rechtsbranche lediglich im Mittelfeld der untersuchten Wirtschaftszweige. Von 6.323 ausgeschriebenen juristischen Stellen im Jahr 2025 waren nur 4,84 % vollständig remote. Damit liegt der Rechtssektor zwar knapp über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von etwa 4,75 %. Gleichzeitig reicht dieser Wert jedoch nur für Platz zwölf von insgesamt 29 untersuchten Branchen.

Mit anderen Worten: Obwohl juristische Arbeit theoretisch häufig digital erledigt werden kann – etwa durch elektronische Akten, Videokonferenzen oder Online-Mandantenkommunikation – bleibt der Anteil reiner Homeoffice-Stellen gering.

Die Studie betrachtet ausschließlich vollständig remote ausgeschriebene Stellen. Sie sagt daher wenig über hybride Modelle aus, die in der Praxis deutlich verbreiteter sind. Andere Untersuchungen zeigen, dass viele Kanzleien mittlerweile zumindest teilweise flexible Arbeitsformen anbieten. In einer Analyse von Branchenstatistiken geben etwa 40 % der Kanzleien an, hybride Arbeitsmodelle eingeführt zu haben, während eine Mehrheit plant, flexible Arbeitsoptionen beizubehalten oder auszubauen.

Andere Branchen deutlich flexibler

Ein Blick auf die Spitze des Rankings zeigt, wie groß die Unterschiede zwischen den Branchen sind. Besonders remote-freundlich sind laut der Studie vor allem Finanz- und dienstleistungsnahe Tätigkeiten. Angeführt wird die Rangliste von Finanzdienstleistungen, wo rund 24,6 % der ausgeschriebenen Stellen vollständig remote waren. Dahinter folgen Freizeit- und Tourismusunternehmen mit gut 20 %, Versicherungen mit knapp 18 % sowie Vertrieb und Immobilienvermittlung, die jeweils zweistellige Remote-Anteile aufweisen.

Deutlich restriktiver sind allerdings Branchen mit stark physischer oder operativer Tätigkeit. Im Einzelhandel etwa waren lediglich 0,07 % der ausgeschriebenen Stellen vollständig remote, in der Produktion nur rund 0,44 %.

Nachfrage nach Homeoffice bleibt hoch

Besonders bemerkenswert ist der Abstand zwischen Angebot und Nachfrage. Laut der Studie gehört flexibles Arbeiten zu den wichtigsten Kriterien für Bewerber:innen. In Umfragen nennen Jobsuchende Remote- oder Hybridarbeit regelmäßig als einen der entscheidenden Faktoren bei der Wahl eines Arbeitgebers.

Gerade in der Rechtsbranche ist diese Entwicklung spürbar. Viele junge Jurist:innen erwarten inzwischen flexible Arbeitsmodelle – insbesondere nach der weit verbreiteten Homeoffice-Erfahrung während der Pandemie. Die Zahlen zeigen jedoch, dass Kanzleien diese Erwartungen bislang nur begrenzt erfüllen.

Gründe für Zurückhaltung in Kanzleien

Dass die Rechtsbranche beim Thema Remote-Arbeit zurückhaltender ist als andere Wissensbranchen, hat mehrere Ursachen. Ein zentraler Faktor ist die traditionelle Arbeitsorganisation vieler Kanzleien. Präsenz im Büro gilt weiterhin häufig als wichtig für Ausbildung, Zusammenarbeit und Mandantenkontakt. Gerade bei großen Wirtschaftskanzleien spielt außerdem die interne Abstimmung im Team eine wichtige Rolle.

Hinzu kommen organisatorische und rechtliche Aspekte. Mandatsarbeit erfordert oft vertrauliche Dokumente, sichere IT-Strukturen und unmittelbaren Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Viele Kanzleien sehen daher hybride Modelle – etwa mehrere Büro-Tage pro Woche – als praktikabler an als vollständig remote organisierte Teams.

Auch die Ausbildung von Berufseinsteiger:innen wird häufig als Argument gegen vollständige Remote-Strukturen angeführt. Mentoring, spontane Rückfragen oder gemeinsame Aktenarbeit lassen sich im Büro oft leichter organisieren.

Für Kanzleien könnte das Thema dennoch an Bedeutung gewinnen. Gerade bei der Rekrutierung jüngerer Juristinnen und Juristen spielt Flexibilität eine zunehmende Rolle. Der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Neben Gehalt und Karriereperspektiven rücken daher auch Arbeitszeitmodelle und Work-Life-Balance stärker in den Fokus. Vor allem internationale Kanzleien experimentieren bereits mit neuen Konzepten – etwa vollständig remote arbeitenden Praxisgruppen oder regional verteilten Teams.


Fundstelle: https://www.vestd.com/blog/

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