Erfahrungsbericht: Wahlstation am Bundesarbeitsgericht (BAG)

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Im Rahmen des juristischen Vorbereitungsdienstes absolvierte ich meine Wahlstation am BAG in Erfurt bei der Präsidentin des BAG, Inken Gallner. Die Station stellte einen fachlich besonders prägenden und persönlich inspirierenden Abschnitt meiner Ausbildung dar und war mein persönliches Highlight.

Inken Gallner hat im Rahmen der Neujahrsfeier von Justitia Mentoring im Februar 2024 einen Vortrag gehalten, der mich persönlich sehr bewegte. Im Nachgang hatte ich die besondere Gelegenheit, sie kennenzulernen und so hat sich vor offiziellem Beginn meines Rechtsreferendariats im April 2024 die Möglichkeit ergeben, die Wahlstation am BAG in Erfurt zu absolvieren. Ich kann daher nur dazu ermutigen, ins ehrliche Gespräch mit jenen zu gehen, die euch inspirieren, begeistern und ermutigen.

Referendariat

Im EU-Vergleich einzigartig

Das BAG ist der oberste Gerichtshof der Arbeitsgerichtsbarkeit in Deutschland mit Sitz in Erfurt und entscheidet insbesondere über Revisionen in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten. Ein verselbständigtes Höchstgericht im arbeitsgerichtlichen Verfahren kennt im Rechtsvergleich der 27 EU-Mitgliedstaaten nur das deutsche Recht. Seit November 1999 hat das Gericht seinen Sitz in Erfurt. Zuvor teilte es sich gemeinsam mit dem Schwesterngericht, dem Bundessozialgericht, in Kassel ein Gebäude.

Während meiner Wahlstation am BAG erhielt ich Einblicke in die Tätigkeit eines obersten Bundesgerichts sowie in das berufliche Umfeld der dort Beschäftigten. Neben fachlichen Eindrücken prägte insbesondere der offene und kollegiale Austausch mit den verschiedenen Mitarbeitenden meine Zeit vor Ort. Dieser Austausch war für mich nicht nur fachlich besonders bereichernd, sondern ermöglichte mir auch einen sehr persönlichen und authentischen Einblick in die Arbeitskultur am Gericht.

Durch die Zuweisung zu Inken Gallner als Ausbilderin erhielt ich die seltene Möglichkeit, eine außergewöhnlich engagierte und inspirierende Persönlichkeit des Arbeitsrechts unmittelbar zu erleben, die durch ihre fachliche Klarheit, ihren offenen Dialog und ihrer zugewandten Art besonders beeindruckt. In diesen intensiven Monaten habe ich nicht nur fachlich wertvolle Einblicke gewonnen, sondern auch persönlich viel gelernt.

Berivan am BAG (CC privat)

Wissenschaftliches Arbeiten + Praxis

Die Aufgaben von Rechtsreferendar:innen umfassen das Verfassen von ein bis zwei Artikeln und die Forschung zu diesen selbst gewählten Themen. Für die wissenschaftliche Arbeit besteht freie Themenwahl. Die Auseinandersetzung mit intersektionaler Diskriminierung stand im Mittelpunkt meines Aufsatzes und ermöglichte mir eine vertiefte Beschäftigung mit aktuellen Fragestellungen. Während der Station steht den Rechtsreferendar:innen ein eigenes Büro, eine dienstliche E-Mail-Adresse und ein Telefonzugang im BAG zur Verfügung.

Mein Arbeitsalltag gliederte sich in eigenständige wissenschaftliche Tätigkeit sowie die Teilnahme als Zuhörerin an Verhandlungen während der Sitzungstage, was mir ein hohes Maß an Eigenverantwortung und wissenschaftlicher Freiheit ermöglichte. So habe ich an meinem Aufsatz gearbeitet oder an Verhandlungen und Entscheidungsverkündungen als Zuhörerin teilgenommen. Zu meinem Arbeitsalltag gehörte auch der offene Austausch mit wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie mit weiteren Beschäftigten des Gerichts, etwa im Rahmen gemeinsamer Mittags- oder Kaffeepausen.

Während der Station wurde es mir ermöglicht, am 10. Moot Court Wettbewerb des BAG als Zuhörerin teilzunehmen. Darüber hinaus konnte ich gemeinsam mit Inken Gallner verschiedene Fachveranstaltungen besuchen, darunter der 7. Deutsche Arbeitsrechtstag sowie das 15. Hans-Böckler-Forum in Berlin. Auch die Begleitung zu Vorträgen von Inken Gallner bot mir Einblicke in den fachlichen Austausch innerhalb der arbeitsrechtlichen Praxis und Wissenschaft.

Obwohl meine Station in den Wintermonaten von Januar bis März 2026 stattfand, habe ich die Zeit genutzt, um Erfurt und weitere ostdeutsche Städte zu erkunden, darunter u.a. Weimar, Leipzig sowie die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald. Ergänzt habe ich dies gerne durch Aufenthalte in der Natur in Thüringen.

Teilnahme am Deutschen Juristentag

An dieser Stelle möchte ich auch kurz für den 75. Deutschen Juristentag in Erfurt im September 2026 werben. Dieser bietet eine super Gelegenheit, aktuelle rechtspolitische Themen zu diskutieren und zugleich den Standort näher kennenzulernen. Dieses Jahr wird auch darüber diskutiert, welche Reformen sich für die juristische Ausbildung empfehlen. Die Teilnahme ist daher gerade jungen Jurist:innen sehr zu empfehlen.

Im Rahmen der Wahlstation durfte ich mit vielen sehr zugewandten Menschen sprechen und mich fachlich und persönlich austauschen. Die Ausbildung am BAG war das Highlight meiner juristischen Ausbildung und der enge Austausch mit Inken Gallner hat mich sowohl fachlich als auch persönlich nachhaltig geprägt, insbesondere durch ihre Art, juristische Exzellenz mit Offenheit, Klarheit und persönlicher Zugewandtheit zu verbinden.

Ich kann daher allen nur mitgeben: Seid mutig, sprecht die Menschen an, die euch inspirieren, ermutigen und begeistern.

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Berivan Cebba
Berivan Cebba
Berivan Cebba ist Rechtsreferendarin am Landgericht Freiburg im Breisgau. Sie absolvierte im Dezember 2025 die schriftlichen Prüfungen des zweiten Staatsexamens und wird im April 2026 ihre mündliche Prüfung beim Landesjustizprüfungsamt in Stuttgart ablegen. Zudem ist sie als wissenschaftliche Hilfskraft bei Justitia Mentoring tätig.

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