Das Team der Universität Münster hat den Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot in Wien gewonnen. Geeske Buß, Clara-Sophie Büschken, Edith Sophie Büchner, Friedrich Tiller, Erik Wiggers und Caspar Prenger-Berninghoff setzten sich in der letzten Runde gegen das Team der University of Cambridge durch. Das Münsteraner Team wurde dabei betreut von Leonard Arp und Claas Heck am Institut für Internationales Wirtschaftsrecht der Universität Münster.
Der englischsprachige Willem C. Vis Moot gilt als der bedeutendste internationale Studierendenwettbewerb und beschäftigt sich mit dem UN-Kaufrecht (CISG) und dem Recht der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit.
Liebes Münsteraner-Team, ihr hab einen der angesehensten Moot Courts gewonnen, herzlichen Glückwunsch. Wie fühlt Ihr Euch?
Dankeschön! Unsere Gefühle sind schwer in Worte zu fassen. Es ist eine Mischung aus großer Freude, Erleichterung, Dankbarkeit und Stolz.
Nehmt unsere Leser:innen mit auf die Reise. Wie lief die Teilnahme ab? Musstet Ihr Euch für den Moot Court bewerben? Wer hat entschieden, wer dem Team angehören darf?
Wir haben uns im Juni 2025 beworben, und unsere großartigen Coaches haben aus rund 20 Bewerber:innen ein sechsköpfiges Team ausgewählt. Im Oktober wurde die etwa 50-seitige Fallakte veröffentlicht. Darauf folgten vier intensive Monate in denen wir uns (teilweise bis tief in die Nacht) die Zähne am Fall ausgebissen haben. In dieser Zeit haben wir nicht nur zwei Schriftsätze verfasst, sondern sind zwischen gemeinsamer Verzweiflung und vielen Erfolgsmomenten auch zu guten Freund:innen und einem eingespielten Team zusammengewachsen. Die Abgabe jedes Schriftsatzes haben wir als einen Meilenstein gefeiert.
Ende Januar begann dann die zweimonatige mündliche Phase. Wir durften an verschiedenen Vorwettbewerben („Pre-Moots“) und „Probepleadings“ auf der ganzen Welt teilnehmen und viele anderen Teams, sowie beeindruckende Kanzleien und Anwält:innen kennenlernen.
Der Höhepunkt des Moots ist der Hauptwettbewerb. Der Vis East in Hongkong und der Vis Moot in Wien. Dort kommen 161 bzw. 384 Teams aus aller Welt zusammen. Einige trifft man als „opposing-counsel“ in der Verhandlung, alle anderen spätestens abends in der sogenannten „Moot-Bar“.
Wieso gerade der Vis International Commercial Arbitration Moot?
Gerade der Vis Moot, weil kein anderer Moot Menschen weltweit so zusammenbringt. Anders als bei anderen internationalen Moot Courts gibt es keine nationale Vorentscheide – alle Teams treffen direkt international aufeinander. Das macht den Austausch besonders intensiv und einzigartig. Außerdem verbindet der Vis Moot die Rechtsfelder des international Schiedsverfahrensrecht und des UN-Kaufrechts – zwei spanende und praxisnahe Bereiche des internationalen Wirtschaftsrecht, die so kein anderer Moot bietet.
Wie habt Ihr Euch auf den Moot vorbereitet?
Um uns auf die schriftliche Phase vorzubereiten, haben unsere Coaches einen „Mini-Moot“ veranstaltet: Wir verfassten einen Schriftsatz zu einem verkürzten alten Vis Moot Fall. Das war der perfekte Einstieg in die neuen Rechtsgebiete und half uns, alle Formalienfragen frühzeitig zu klären.
Die beste Vorbereitung für die mündliche Phase war dann eine intensive Schriftsatzarbeit. So haben wir jeden rechtlichen Standard und jeden relevanten Fakt verinnerlicht, bis wir sie im Schlaf aufsagen konnten. Gleichzeitig haben wir intern mit unseren Coaches und unserem engagierten Alumninetzwerk schon den mündlichen Vortrag geübt.
Bekamt Ihr dabei auch Unterstützung von der juristischen Fakultät der Uni Münster?
Ja! Ein großer Dank gilt Professor Mäsch und Professorin Heiderhoff, die uns trotz voller Terminkalender sowohl fachlich als auch rhetorisch unterstützt haben.


Gab es Vorrunden? Wie liefen die ab?
Vor den Hauptwettbewerben gibt es zahlreiche internationale Vorwettbewerbe, sogenannte Pre-Moots, bei denen Teams aus aller Welt zusammenkommen und ihre Argumente gegeneinander testen. Diese Pre-Moot ermöglichen praktische Erfahrung und bereichern das eigene Pleading durch wertvolles Feedback von erfahrenen Praktiker:innen und Vis Moot Alumni.
Wir hatten in diesem Jahr das Privileg, an vielen Pre-Moots teilnehmen zu dürfen. Hierfür reisten wir nach Rio de Janeiro, San Diego, New York, London, Rom und München. Fünf dieser Pre-Moots konnten wir für die Universität Münster gewinnen.
Viel erwähnenswerter sind aber die Bekanntschaften, die wir dort gemacht haben. Besonders Rio und San Diego haben wir mit engen Freundschaften zu den lokalen Teams verlassen. Diese Freund:innen bei den Hauptwettbewerben in Hongkong und Wien wiederzutreffen, war für uns alle ein magischer Moment.
Das Finale war in Wien: Wer hat die Reise finanziert und organisiert?
Wir finanzieren uns ausschließlich durch Spenden von Kanzleien, Vereinen und Stiftungen. So ist die Teilnahme nicht von eigenen finanziellen Mitteln abhängig und Chancengleichheit für alle Studierenden gewährleistet. Die Organisation der Reisen übernehmen unsere Coaches.

Wie lief das Finale ab? Worum ging es im diesjährigen Fall?
Im diesjährigen Fall ging es um einen Kaufvertrag über Vanilleorchideen, für die der Käufer am Ende kein notwendiges „import permit“ erhielt – ein Problem, dass aus Verkäufersicht vermeidbar gewesen wäre. Der Verkäufer schloss daraufhin ein umstrittenes Deckungsgeschäft mit Verlust, noch bevor er den Vertrag aufhob. Prozessual stritten die Parteien unter den „current arbitration rules“ des Singapore International Arbitration Center. Umstritten war, ob damit die Regeln bei Vertragsschluss oder bei Beginn des Schiedsverfahrens gemeint sind. Diese Auslegung hatte Auswirkungen darauf, ob der Beklagte verlangen kann, dass der Kläger bestehende „Third-Party-Funding Agreements“ offenlegt.
Wir hatten das Privileg, im Finale vor über 2.000 Menschen im Wiener Messezentrum den Kläger gegen das Team der University of Cambridge zu vertreten. Das Publikum und ein hochkarätig besetztes Tribunal haben das Finale zu unserem mit Abstand aufregendsten Pleading gemacht. Das Finale wurde zudem im Livestream auf YouTube übertragen und ist dort weiterhin abrufbar. Am Ende waren wir sehr zufrieden mit unserer Leistung und umso glücklicher, als das Tribunal uns als Gewinner verkündete.
Was habt Ihr beim Moot Court Neues gelernt? Und welche Skills sollte man schon mitbringen, wenn man sich bewirbt?
Mitbringen sollte man gutes Englisch, idealerweise Legal English, Teamfähigkeit, Ehrgeiz, und die Motivation, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Durch die Teilnahme haben wir vor allem wertvolle Skills im Legal Writing und in der Oral Advacocy gewonnen, sowie die Erfahrung bereichernder Teamarbeit.
Welche Tipps habt ihr für Jurastudierende, die am nächsten International Commercial Arbitration Moot teilnehmen möchten?
Einfach bewerben! Die Teilnahme ist ein riesiger Gewinn – persönlich wie fachlich. Im Moot selbst gilt: eng im Team zusammenarbeiten und früh mit dem Üben der mündliche Verhandlungen beginnen.

Findet der nächste Moot Court dann in Münster statt?
Nein, der Vis Moot findet wie jedes Jahr in Wien statt bzw. der Vis East in Hongkong. Wir freuen uns darauf das nächste Münsteraner Team auf seinem Weg dorthin zu begleiten. Lokale Moot Courts an der Uni Münster sind dafür eine hervorragende Vorbereitung.
Wie geht es für Euch jetzt weiter? Ausgiebig feiern? Auf das Examen vorbereiten? Praktika in einer internationalen Kanzlei?
All of the above. Wir haben unseren Sieg schon in Wien gefeiert und möchten das auch in Münster noch einmal nachholen. Bis dahin gehen einige von uns ins Schwerpunktsstudium, absolvieren Praktika in Wirtschaftskanzleien oder Auslandssemester und bereiten sich auf das Examen vor.


