HateAid: „Unsere Nacktbilder sind nicht euer Business“

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Mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion vor dem Bundestag und der Übergabe von mehr als 55.000 Unterschriften fordert die Organisation HateAid schärfere gesetzliche Maßnahmen gegen die massenhafte Verbreitung nicht‑einvernehmlicher KI-generierter Nacktbilder.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Laut einer Umfrage im Auftrag von HateAid befürworten 79,4 Prozent der Befragten, die Erstellung und Verbreitung KI-generierter Bilder und Videos ohne Einwilligung der Betroffenen strafrechtlich zu ahnden. Noch größer ist die Zustimmung, wenn es um kommerzielle Anbieter geht: 88,7 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Apps und Webseiten nicht länger mit sexualisierten Deepfakes Geld verdienen dürfen. Selbst Darstellungen, die Betroffene „nur“ in Unterwäsche oder Bikini zeigen, sollen nach Ansicht von 77,8 Prozent strafbar sein, wenn sie ohne Einwilligung erstellt wurden.

HateAid sieht darin einen klaren Auftrag an die Politik. Die Organisation verweist auf eine florierende Industrie, die von fehlenden gesetzlichen Schranken profitiert. Jeden Tag entstehen Millionen KI-generierter Nacktbilder ohne Wissen oder Zustimmung der Betroffenen. Besonders brisant: KI-Systeme wie Elon Musks Grok oder sogenannte Nudification-Apps ermöglichen die massenhafte Erstellung solcher Inhalte. Nach Angaben des Center for Countering Digital Hate und AI Forensics seien allein über Grok rund drei Millionen sexualisierte Deepfakes entstanden, darunter mindestens 23.000 Bilder von Kindern.

Unternehmen verdienen am Leid Betroffener

Die Wertschöpfungskette, die HateAid beschreibt, ist lang – und lukrativ. Pornoplattformen hosten die Inhalte, Suchmaschinen machen sie auffindbar, App-Stores vertreiben die Anwendungen, Zahlungsdienstleister wickeln die Transaktionen ab. An jeder Stufe der Wertschöpfungskette machen Konzerne Profit auf Kosten der Betroffenen, heißt es in der Pressemitteilung. Besonders betroffen seien Frauen und Mädchen, die oft jahrelang darum kämpfen, die Bilder aus dem Netz zu entfernen.

Vor dem Bundestag macht HateAid diesen Missstand nun sichtbar – mit einer überlebensgroßen verpixelten Statue der Göttin Justitia. Die entblößte Justitia stehe sinnbildlichfür die Entwürdigung, die betroffene Frauen erleben, wenn sie sich nackt im Internet wiederfinden. Gleichzeitig soll sie an die Gerechtigkeit erinnern, die es nun dringend brauche.

Josephine Ballon, Geschäftsführerin von HateAid, findet deutliche Worte: Diese Geschäftsmodelle bereichern sich am Leid der Betroffenen. Sie profitieren nicht nur von gesetzlichen Schutzlücken, sondern auch von einer hohen Nachfrage. Sie führt dazu, dass jede einzelne Frau heutzutage mit der Angst leben muss, dass auch sie ungewollt nackt im Internet landen könnte – mit lebenslangen Folgen.“ Die Politik müsse nun „unmissverständlich regeln, dass wir diese lukrativen Geschäftsmodelle […] nicht länger hinnehmen“.

Politik soll drei Maßnahmen ergreifen

Erstens: Strafbarkeitslücken schließen. Die Erstellung und Verbreitung sexualisierter bildbasierter digitaler Gewalt müsse explizit unter Strafe gestellt werden – ausdrücklich auch dann, wenn es sich um Deepfakes handelt. Zwar existieren bereits strafrechtliche Normen wie § 201a StGB, doch diese erfassen KI-generierte Inhalte bislang nur unzureichend.

Zweitens: Das Geschäft mit bildbasierter Gewalt beenden. Host- und Access-Provider sollen verpflichtet werden, Websites zu sperren, die KI-Anwendungen zur Erstellung von Missbrauchsbildern anbieten. Systeme, die mithilfe von KI Nacktdarstellungen realer Personen ohne deren Zustimmung erzeugen, sollen verboten werden. Damit zielt HateAid auf eine Regulierung der technischen Infrastruktur – ein Ansatz, der in der politischen Debatte bislang wenig Beachtung fand.

Drittens: Den Digital Services Act (DSA) konsequent durchsetzen. Die Bundesregierung müsse sich stärker für eine effektive Aufsicht einsetzen. HateAid kritisiert erhebliche Defizite bei pornografischen Plattformen, die teils nicht einmal Meldewege für rechtswidrige Inhalte eingerichtet hätten. Besonders scharf fällt die Kritik an der Reaktion der Aufsicht auf die Deepfake-Massenproduktion durch Grok aus: Eine Reaktion […] dauerte mehrere Wochen. Dies ist nicht hinnehmbar.

Petition: „Unsere Nacktbilder sind nicht euer Business“

Mit der Petition „Unsere Nacktbilder sind nicht euer Business“ will HateAid den Druck erhöhen. Unterstützt wird die Aktion von bekannten Aktivistinnen wie Theresia Crone, Kristina Lunz und Moderatorin Ruth Moschner. Die mehr als 55.000 Unterschriften sollen den rechtspolitischen Sprecherinnen und Sprechern aller demokratischen Fraktionen übergeben werden.

Die politische Debatte über sexualisierte Deepfakes gewinnt damit weiter an Fahrt. Während auf EU-Ebene bereits über strengere KI-Regulierung diskutiert wird, wächst in Deutschland der Ruf nach spezifischen strafrechtlichen Regelungen. Die Zahlen der Civey-Umfrage zeigen, dass die Bevölkerung diese Forderungen klar unterstützt.

HateAid verweist zudem auf die langfristigen Folgen für Betroffene. Viele litten unter psychischen Belastungen, beruflichen Nachteilen und sozialer Stigmatisierung. Die digitale Verbreitung der Bilder sei kaum vollständig rückgängig zu machen. Umso wichtiger sei ein frühzeitiges Eingreifen des Gesetzgebers, bevor sich die Technologie weiter verfestigt.

Die Organisation, die seit 2018 Betroffene digitaler Gewalt berät und Prozesskosten finanziert, verweist auf ihre bisherigen Erfolge: HateAid wurde unter anderem mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet, 2025 erhielt Mitgründerin Anna-Lena von Hodenberg stellvertretend das Bundesverdienstkreuz.

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