Erfahrungsbericht mit den Perspektiven des Legal Tech Verbands Deutschland e.V. und recode.law e.V.
Alle Jurastudierenden wissen: Juristische Methodik ist eine Kernkompetenz, die man beherrschen muss, um sowohl im Studium als auch in der späteren Berufspraxis erfolgreich juristisch zu arbeiten. Beim Benchathon bot sich am 14. und 15. März 2026 die Möglichkeit, diese Kernkompetenz zu trainieren. Teilnehmen konnte man in Präsenz in München und Berlin oder online vom heimischen Schreibtisch aus. Für viele Teilnehmende zeigte sich, dass sich das Event auch digital gut verfolgen ließ. Konkret wurden zweistündige Klausurfälle aus allen Rechtsgebieten gelöst, die per Zufall rein menschlich oder mithilfe von KI-Unterstützung zu bearbeiten waren.
Aus Sicht des Legal Tech Verbands Deutschland e.V., der Mitveranstalter des Events war, handele es sich beim Benchathon um ein Format, das neben der juristischen Methodik den reflektierten Umgang mit KI trainiere. Gleichzeitig leiste das Event einen Beitrag zur Entwicklung von Qualitätsstandards für Legal AI. Besonders hervorzuheben sei dabei das experimentelle Setting, das konkrete Ergebnisse liefere. Insbesondere sei der direkte Vergleich zwischen menschlicher und KI-gestützter Bearbeitung ein wertvoller Einblick, den der Benchathon erbringe.
Bessere Klausuren mit KI-gestützten Lösungen?
Reformen der juristischen Ausbildung werden bereits seit Jahren in vielen Facetten diskutiert – von der Bewertungspraxis im Examen, über die Inhalte des Pflichtfachstoffs bis hin zu digitalen Kompetenzen und den Einsatz von KI in Studium und Berufsalltag. Dass sich etwas verändert hat, darin dürften sich weitgehend alle einig sein. Wie es in Zukunft weitergeht, ist offen. Recode.law e.V., der die Veranstaltung mit unterstützte, betont, dass gerade die einheitliche Bewertung menschlicher und KI-gestützter Lösungen Erkenntnisse liefere. Dies könne auch die juristische Didaktik weiterbringen und insbesondere zur Diskussion beitragen, was objektiv eine gute Klausurlösung ausmache und welche Kriterien hierfür trennscharf einzusetzen seien. Denn der Benchathon mache ein seit Langem bekanntes Manko sichtbar: die mangelnde Transparenz von Klausurbewertungen.
Der Legal Tech Verband Deutschland e.V. sagt, er sehe sich hier in einer Brückenfunktion: Er bringe Praxis, Wissenschaft und Politik zusammen, um so Impulse für Reformen zu schaffen. Formate wie der Benchathon sollen dabei echte Erfahrungsräume bieten, mit dem Ziel, die Transformation der juristischen Ausbildung aktiv mitzugestalten.
Auch recode.law e.V. unterstreicht, dass die Praxisakteur:innen durch die Unterstützung weiterer Benchthons und den Ausbau der angestoßenen Diskussionen konkret zur Weiterentwicklung der juristischen Ausbildung beitragen können. Dies sei insbesondere dadurch möglich, dass der Benchathon auch für Nicht-Jurist:innen offenstehe. Mitmachen lohne sich laut recode.law e.V., denn über die aktive Falllösung hinaus bestehe die Möglichkeit, einiges zu lernen: über sich selbst und den Einsatz von KI.
„Richtiges Prompting kann man lernen“
Kritische Stimmen werden dazu neigen zu behaupten, dass KI-gestützte Tools auf Basis großer Sprachmodelle wie ChatGPT, Perplexity, Claude oder Gemini überhaupt nicht geeignet seien, juristische Klausuren im Gutachtenstil zu lösen. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass diese Einschätzung ohne ein geeignetes Prompting sicherlich zutreffend sein mag. Richtiges Prompting kann man lernen – so kann aus dem KI-gestützten Tool ein ernstzunehmender Sparringpartner werden.
Stempelt man KI vorschnell als unzuverlässig und unausgereift ab, verpasst man das Potential, das auch im juristischen Kontext eine erhebliche Tragweite entfalten kann. Der Legal Tech Verband Deutschland e.V. betont in diesem Zusammenhang, dass KI kein Ersatz für juristische Expertise sei, sondern ein Werkzeug, das diese ergänze. KI-Kompetenzen wie Prompting, Validierung und kritische Ergebniseinordnung müssten aus Sicht des Legal Tech Verbands Deutschland e.V. integraler Bestandteil der juristischen Ausbildung werden.
Richtig eingesetzt könne sie – laut des Legal Tech Verbands Deutschland e.V. – Effizienz steigern, Zugänge zum Recht verbessern und Raum für die eigentlichen Kernkompetenzen von Jurist:innen schaffen. Fortschritt bedeute in diesem Kontext nicht unkritische Übernahme von Technologie, sondern deren bewusste und reflektierte Integration in bestehenden Strukturen.
Das Interesse an KI ist groß
Laut recode.law e.V. sei das Interesse bei Jurastudierenden und (Young) Professionals groß, gerade für konkrete Anwendungsbeispiele von KI und das Erlernen eigener Fähigkeiten im Umgang damit. Hervorzuheben sei in diesem Zusammenhang, dass bereits eine Vielzahl von Universitäten zum Thema KI Übersichten, Beratungsangebote und Weiterbildungskurse für Studierende und Lehrende bereitstellten.
Wie man im juristischen Kontext richtig promptet bzw. sich daran versucht, war eine der zentralen Lernerfahrungen, die der Benchathon ermöglichen sollte. Dies bestätigt recode.law e.V. und äußert, dass das Austesten von Klausurbearbeitung mithilfe von KI-Unterstützung in diesem Format einen Nerv getroffen habe. Zudem hofft recode.law e.V., dass die Diskussion über den KI-Einsatz im Rechtsmarkt von subjektiven Einschätzungen hin zu messbaren Ergebnissen verlagert werde, da der Benchathon auch einen wissenschaftlichen Hintergrund habe: eine Human-Benchmark für juristische Falllösung zu entwickeln.
Der unbedarfte KI-Anwender wird sich also im Rahmen des Benchathon über ein KI-unterstütztes Klausurergebnis vermutlich weniger gefreut haben als derjenige, der sich bereits damit auseinandergesetzt hat, wie man KI anwendet. Die entscheidende Frage ist somit nicht, ob man KI nutzt, sondern wie gut man sie anleitet, um die erstrebten Ziele zu erreichen. So sieht recode.law e.V. die Streitfrage des „ob“ der Nutzung von KI in der juristischen Ausbildung weitgehend als geklärt an. Viel relevanter sei hingegen das „wie“, das gerade durch Formate wie den Benchathon beantwortet werden solle. Die zu stellende Leitfrage sei also, wie viel juristische Abwägung den Jurist:innen vorbehalten bleiben solle, damit Rechtsfragen nicht zu reinen technologischen Optimierungsfragen der Effizienz werden.
Klausurmarathon für Forschungszwecke
Trotz regelmäßiger Pausen konnte man während des Events mit entsprechender Motivation einige Klausuren schaffen. Ein positives Erlebnis kann dabei sein, dass man aufgrund der KI-Korrektur detaillierte Rückmeldung erhält und motiviert ist, bei der nächsten Klausur seine Stärken weiter auszubauen und die Schwächen noch zu reduzieren. Dies war hilfreicher als ein Klausurvotum, das sich in der Bemerkung erschöpft: „Die Schwelle der Brauchbarkeit wurde vom Bearbeitenden überschritten, daher ist die Klausur mit x Punkten zu bewerten“.
Zudem erschien es beim Benchathon erstmals möglich zu sein, die eigenen Leistungen blitzschnell einzuschätzen. Man musste also nicht erst bei acht direkt hintereinander geschriebenen Probeklausuren dieselben Fehler machen, um anschließend anhand der Korrektur der ersten festzustellen, dass man diesen Fehler in den letzten sieben Klausuren wiederholt und damit eingeübt hat. Auch recode.law e.V. sah hierin einen besonderen Mehrwert und sagt, dass die selbstständige Bearbeitung rein menschlich und mit KI-Unterstützung sowie deren unmittelbare Bewertung durch KI zum Entdecken von Verbesserungspotentialen führe. Bei künftigen Benchathons solle das grundsätzliche Format beibehalten werden, gleichwohl solle ein gleichmäßigerer Rhythmus zwischen dem Wechsel von rein menschlichen und KI-unterstützten Klausuren angewendet werden, damit der Wechsel noch strukturierter und vergleichbarer werde.
Wie sich aus den Aussagen und Chatverläufen der Teilnehmenden während des Events entnehmen ließ, wurde dieses als sehr gelungen eingeschätzt. Als Quintessenz konnte man außerdem herauslesen, dass die Teilnehmenden durch den Wechsel zwischen rein menschlicher und KI-unterstützter Bearbeitung Erfahrung sammelten, wie sie KI in Zukunft als Lerntool gezielter einsetzen können.
Dies deckt sich auch mit der Wahrnehmung des Legal Tech Verbands Deutschland e.V., der den Benchathon ebenfalls als gelungene und erkenntnisreiche Veranstaltung bewertet. Bei einer Wiederholung solle der Praxisbezug durch examensnahe Fälle, der Vergleich „Mensch mit vs. Mensch ohne KI“ und die kollaborative Auswertung der Ergebnisse beibehalten werden. Allerdings solle dann ein stärkerer Fokus auf die systematische Analyse der Ergebnisse und deren Übersetzung in konkrete Handlungsempfehlungen für Ausbildung und Praxis gesetzt werden. Denn der Legal Tech Verband Deutschland e.V. sehe auch Handlungsbedarf in der juristischen Ausbildung. Zukünftig reiche es nicht mehr aus, klassische Falllösungskompetenzen zu vermitteln. Vielmehr müssten Kompetenzen im Umgang mit KI fester Bestandteil der Ausbildung werden.
Die Teilnahme am Benchathon lohnt sich somit doppelt: Unmittelbares Klausurtraining mit examensnahen Fällen, das auch noch als Datenbasis für die zukünftige Ausbildung und Praxis herangezogen werden kann, um diese digitaler und zukunftsfähiger zu machen. Wer den Benchathon dieses Jahr verpasst hat, kann ihn sich für nächstes Jahr vormerken. Denn wie aus den Äußerungen der Expert:innen deutlich wird, soll das Format fortgeführt werden.
Den Mut haben, an Veranstaltungen teilzunehmen
Man kann viel über Reformen diskutieren und die aktuellen Modalitäten der juristischen Ausbildung monieren. Für einen echten Fortschritt benötigt man jedoch Akteur:innen, die diese Debatten in konkrete Formate übersetzen.
Wer selbst dazu beitragen möchte, dem sei Mut zugesprochen, an derartigen Events teilzunehmen. Man kann davon nur profitieren, denn Klausurpraxis und der Einsatz von KI-Tools können eingeübt werden. Skepsis vor KI im Recht sei dabei verständlich und in Teilen auch notwendig, entscheidend sei jedoch, zwischen berechtigter Vorsicht und pauschaler Ablehnung zu differenzieren, wie der Legal Tech Verband Deutschland e.V. betont. Solche Formate seien hilfreich eben diese Perspektive zu vermitteln und die Stärken und Schwächen von KI transparent zu machen. Dies deckt sich mit der Rückmeldung von Teilnehmenden, die äußerten, bereits nach diesen beiden Eventtagen diesbezüglich etwas mitgenommen zu haben.
Fortschritt passiert nicht von heute auf morgen und manchmal auch kaum merklich. Doch wie jeder Jurastudierende in der Examensvorbereitung erfährt, ist jeder noch so kleine Baustein hilfreich, um das große Ziel des Staatsexamens zu erreichen. So ist es auch bei der juristischen Ausbildung. Wichtig ist nur, stetig dabei zu bleiben und mit juristischem Sachverstand die digitale Brücke zur Transformation hin zu einer zukunftsfähigen, modernen juristischen Ausbildung zu schlagen.


