NRW-Landesbester im zweiten Staatsexamen verrät seine Tipps!

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Adrian Grimpe schloss das Zweite Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen als Landesbester ab. Schon im ersten Examen hatte er herausragende Noten erzielt. Mit JURios spricht er über seinen Erfolg und gibt Tipps für das Referendariat.

JURios: Du hast das zweite Staatsexamen als Landesbester in NRW abgeschlossen – wie fühlt man sich da? Hattest du damit gerechnet, zu den Besten zu gehören?

Adrian Grimpe: Ich hatte nach den Klausuren zwar schon ein gutes Gefühl, aber genau kann man die Ergebnisse bei Jura natürlich nie einschätzen. Als ich dann die Mail vom Prüfungsamt mit den Klausurergebnissen bekommen habe, bin ich gleich aus allen Wolken gefallen – mit einem derart starken Ergebnis hatte ich nicht gerechnet. Als ich dann auch die mündliche Prüfung sehr gut abgeschlossen habe, habe ich mich einfach riesig gefreut, dass der lange Weg der juristischen Ausbildung, die vielen Anstrengungen am Ende so toll belohnt werden. In diesem Jahr habe ich dann noch erfahren, dass ich sogar Landesbester in NRW bin; dass es soweit kommt, das habe ich nicht erwartet. Das am stärksten wiegende Gefühl ist die Dankbarkeit an alle, die mich auf diesem Weg unterstützt haben.

JURios: Wenn Du Dir Deine Examensvorbereitung rückblickend anschaust: Was war der entscheidende Faktor für das herausragende Ergebnis?

Adrian Grimpe: Fleiß. Für mich war die Vorbereitungszeit für beide Staatsexamina wie ein Marathon. Entscheidend ist, sich die Kräfte einzuteilen, das Ziel im Blick zu behalten, den Fokus nicht zu verlieren und etappenweise vorzugehen. Für ein gutes Ergebnis kommt es aus meiner Sicht nicht darauf an, dass man in kurzer Zeit sehr viel lernt, sondern dass man über einen längeren Zeitraum kontinuierlich einen Wissens- und Fähigkeitsschatz aufbaut. Dieser befähigt einen dann dazu, jede auch noch so ausgefallene Klausur mit Ruhe, Gelassenheit und Fokus zu lösen.

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JURios: Im zweiten Staatsexamen werden ganz andere Dinge gefordert als im ersten Examen.Welche Umstellung ist Dir am schwersten gefallen und wie hast Du sie trotzdem gemeistert?

Adrian Grimpe: Es gibt aus meiner Sicht zwei große Umstellungen im Vergleich zum ersten Examen, die für die meisten Referendarinnen und Referendare Herausforderungen sind: zum einen die Anforderungen an eine praktisch verwertbare Arbeit, zum anderen der Zeitdruck beim Lernen.

Das zweite Staatsexamen ist vor allem ein Praktikerexamen. Das heißt, man lernt, wie man die juristischen Fähigkeit in praktisch verwertbare Arbeiten umsetzt. Statt ellenlang Meinungsstreitigkeiten mit vielfältigen Theorien auszubreiten, geht es jetzt um Praxisnähe. Man lernt die korrekten Zeitformen, Formalia, sprachlich richtiges Tenorieren, und teilweise ist sogar viel Rechnerei dabei (Stichwort: Kosten und vorläufige Vollstreckbarkeit). Davon darf man sich aber nicht abschrecken lassen, sondern im Gegenteil: Mir hat es einfach total viel Spaß gemacht, zu lernen, wie man Urteile, Anklagen, Schriftsätze, Verwaltungsakte verfasst. Jura wird lebendig und greifbar!

Damit einher gehen natürlich die Aufgaben in den Stationen, die Arbeitsgemeinschaften und die regelmäßigen Klausuren. Es bleibt deutlich weniger Zeit zum Lernen in der Bibliothek als im ersten Staatsexamen. Stattdessen müssen alle Referendarinnen und Referendare je nach Station bis zu drei- oder viermal in der Woche ins Büro sowie wöchentlich in die Arbeitsgemeinschaften am Ausbildungsgericht. Auch das ist aber, wie man schnell merkt, keine vergeudete Zeit, sondern unfassbar wertvoll: Innerhalb von zwei Jahren haben wir die Chance, einmal alle juristischen Berufe im Schnelldurchlauf kennenzulernen und regelmäßig mit Praktikern im Gespräch zu sein. Was ich deshalb allen nur empfehlen kann, ist, sich spannende Stationen auszusuchen, die einem Spaß machen. Ich würde auch nicht unbedingt eine Station nur deshalb auswählen, weil die Aufgaben dort examensnah sind, sondern ich würde vielmehr nach persönlichen Interessen gehen.

JURios: Wie sah Deine Lernstrategie aus – eher klassisches Repetitorium, eigenständiges Lernen oder ein hybrider Ansatz?

Adrian Grimpe: Mein Fokus lag auf dem eigenständigen Lernen. Ich habe für jedes Rechtsgebiet eines der gängigen Skripte benutzt und das Wissen daraus in Karteikarten übertragen. Diese Karteikarten habe ich dann konsequent vom ersten Tag an gelernt und stetig wiederholt. Letzteres ist besonders wichtig, denn Wissen geht über die zwei Jahre schnell verloren. Deshalb habe ich – manchmal auch zwischendurch im Bus – immer wieder meine Karteikarten-App rausgeholt und ein paar wiederholt. Mir hat es auch geholfen, mir die einzelnen Punkte manchmal vorzusprechen, so als würde ich sie jemand anderem erklären.

Meine langfristige Strategie war, in jeder Station zugleich das jeweilige Rechtsgebiet auch vollständig inhaltlich zu lernen (also in der Strafstation ein Skript zum materiellen Strafrecht und eines zur StA-Klausur durchzuarbeiten, in der Verwaltungsstation eines zum materiellen Verwaltungsrecht und eines zum prozessualen Teil durchzuarbeiten etc.). Die einzelnen Lerntage waren bei mir so strukturiert, dass ich im ersten Teil Karteikarten wiederholt habe und erst danach neue gelernt habe. Hier helfen kleine Ziele (beispielsweise mindestens drei neue Karteikarten pro Tag), um immer wieder kleine Erfolgserlebnisse zu haben. Repetitorien haben in meiner Vorbereitung fürs zweite Examen hingegen keine große Rolle gespielt. Dafür besteht aus meiner Sicht auch kaum Zeit. Die Arbeitsgemeinschaften und sonstigen Zusatzangebote der Justiz NRW für Referendarinnen und Referendare haben dafür meines Erachtens nach vollkommen gereicht.

JURios: Klausurenpraxis gilt als Schlüssel zum Erfolg. Welche Rolle hat das Klausurentraining bei Dir gespielt, und wie hast Du Deine Klausuren ausgewertet?

Adrian Grimpe: Ich sehe es genauso, dass Klausurenpraxis wichtig ist. Andererseits ist meine persönliche Erfahrung, dass man erst dann das Klausurenschreiben effektiv üben kann, wenn man vorher einen entsprechenden Wissens- und Fähigkeitsfundus aufgebaut hat. Anderenfalls empfinde ich es eher als frustrierend, eine Klausur zu schreiben, obwohl man beispielsweise ein bestimmtes Rechtsgebiet noch gar nicht richtig erfasst hat. Deshalb lag mein Fokus tatsächlich in der Anfangsphase des Referendariats (etwa bis zur Verwaltungsstation) darauf, mir das theoretische Wissen anzueignen und die Formalia zu erlernen; zusätzlich habe ich einfach die Klausur, die wir in der Arbeitsgemeinschaft als Hausaufgabe erhalten haben, zur nächsten Stunde vorbereitet.

Ab der Anwaltsstation habe ich dann ziemlich regelmäßig (anfangs einmal die Woche, dann zwei- und später bis zu drei- oder viermal die Woche) die Übungsklausuren geschrieben, die uns zur Verfügung stehen. Man muss auch nicht jede Klausur ausformulieren; mir hat es auch oft schon gereicht, innerhalb von 1,5 Stunden die Formalia und den Tenor zu verfassen und die Lösung zu skizzieren. Die Nachbereitung der Klausur bestand bei mir darin, sie mit der Musterlösung abzugleichen. Sehr hilfreich waren für mich die Klausurbesprechungen, die im Referendariat angeboten werden, sowie die Besprechungen mit den AG-Leitern. Ich würde aber persönlich empfehlen, kurz vor den Examensklausuren keine Klausuren mehr (aus-)zuschreiben, sondern lieber Kraft zu tanken und mit frischer Energie in das Examen zu gehen. Denn wenn man jedes Mal schon zum Üben fünf Stunden lang schreibt, laugt das auf lange Sicht die Kräfte sehr aus. Etwa 2-3 Wochen vor meinen Examensklausuren habe ich daher so gut wie keine Übungsklausuren mehr ausformuliert.

JURios: Viele Studierende kämpfen mit Druck und Selbstzweifeln im Examen. Wie bist du mit Druck und Unsicherheit umgegangen und was rätst Du denen, die demnächst zweites Examen schreiben?

Adrian Grimpe: Druck und Selbstzweifel begleiten wirklich viele, und das ist leider eine der Schattenseiten unserer Ausbildung; ich kenne diese Drucksituationen aus eigener Erfahrung gut. Aus meiner Sicht sind die Schlüssel hierzu Kommunikation und „effektives Pausenmachen“. Wenn man unter Druck leidet oder mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat, hilft es ungemein, mit anderen darüber zu sprechen, egal ob es die engsten Freunde, der Partner/die Partnerin oder die Familie ist. Ein aufbauendes Gespräch kann so viel bewegen.

Auch die Bedeutung von Pausen kann man nicht hoch genug schätzen. Ein Dozent hat mal in einer Vorlesung den schönen Satz (sinngemäß) formuliert, unser Examen werde nicht trotz guter Pausen erfolgreich, sondern gerade wegen dieser Pausen. Natürlich sollte man nicht prokrastinieren. Aber man sollte auch nicht 24/7 am Schreibtisch sitzen. Auch mal einen Nachmittag etwas schönes zu unternehmen oder mal ein paar Tage in den Urlaub zu fahren, trägt viel zum Lernerfolg bei. Tatsächlich ist es neurobiologisch auch erwiesen, dass unser Gehirn vor allem in Pausen gelernte Informationen verarbeitet; auch unter diesem Gesichtspunkt sollte man also guten Gewissens (viele) Lernpausen machen. Das hilft sehr, Druck abzubauen und auf gute Gedanken zu kommen.

JURios: Wenn Du heutigen Referendar:innen nur drei konkrete Tipps mitgeben dürftest: Welche wären das – insbesondere für diejenigen, die bisher eher im 4-Punkte-Bereich lagen?

Adrian Grimpe: Mein erster Tipp ist, beim Lernen den Fokus auf Strukturen, Wertungen und Grundprinzipien zu legen und für Details die Arbeit mit dem Kommentar zu üben. Man läuft oftmals Gefahr, sich in Spezialproblemen zu verzetteln, deren Wiederholung viel Zeit kostet. Für die Spezialprobleme haben wir im zweiten Staatsexamen aber glücklicherweise die Kommentare. Wichtig für den Lernerfolg ist, zu verstehen, wie die einzelnen Gesetze systematisch aufgebaut sind und welche Wertungen dahinter stehen. Die Anwendung dieser Grundsätze kann man dann anhand konkreter Spezialprobleme üben; und hierfür empfehle ich, immer mit dem Kommentar (auch beim Lernen zuhause) zu arbeiten. Ich habe mir beispielsweise für einzelne Probleme Karteikarten erstellt (etwa die Folgen, die eintreten, wenn man auf eine Hypothek oder Grundschuld zahlt) und dann beim Lernen die passende Kommentarstelle aufgeschlagen; damit übt man, in kurzer Zeit die richtige Stelle zu finden und sie schnell zu erfassen. Empfehlen kann ich außerdem den RefPod, den das OLG Hamm für Referendare produziert; besonders in der Schlussphase vor den Examensklausuren habe ich die Folgen angehört.

Mein zweiter Tipp ist, Formalia zu beachten. Das zweite Staatsexamen lebt, wie schon erwähnt, von Praxisnähe. Wenn eine Arbeit schon äußerlich den Anforderungen der Praxis nicht entspricht (Stichwort: Rubrum, Tenor, korrekte Zeitformen und Sprache, Urteilsstil), entsteht beim Korrektor direkt ein unglücklicher Eindruck. Dabei lassen sich Formalia super einfach erlernen, weil sie nicht kompliziert, sondern einfach Fleißarbeit sind. Ich habe mir beispielsweise immer Karteikarten erstellt, auf denen ich zu einer konkreten prozessualen Konstellation (Beispiel: übereinstimmende Erledigungserklärung) alle Besonderheiten notiert habe, die im Klausuraufbau zu beachten sind; in der Klausur kann man diese Karteikarte dann gedanklich abarbeiten.

Mein dritter Tipp ist, auch im zweiten Staatsexamen auf fundierte juristische Argumentation zu achten. Die Formalia stecken den „äußeren Rahmen“ der Klausurleistung ab. Gute Punktzahlen bekommt man aber natürlich immer noch (vor allem) für juristisch fundierte Falllösungen. Und hier liegt der Schlüssel in der Argumentationsfähigkeit. Bei den Schwerpunkten der Falllösung muss man mit den Auslegungsmethoden und den bekannten juristischen Argumentationstopoi arbeiten, statt das Ergebnis knapp zu behaupten. Für eine gute Argumentation wiederum muss man die Wertungen und Systematik eines Rechtsgebiets verstanden haben und die Kommentare effizient einsetzen können. Hier schließt sich der Kreis zu Tipp 1.

JURios: Und wie geht es bei Dir jetzt weiter? Promotion, Großkanzlei oder Staatsdienst? Und warum?

Adrian Grimpe: Ich promoviere zunächst einmal an der Universität Münster am Institut für Unternehmens- und Kapitalmarktrecht. Dieses Jahr werde ich noch als Visiting Fellow an der Yale Law School forschen. Ich befasse mich in meiner Dissertation mit selbstfahrenden Kapitalgesellschaften im deutschen und US-amerikanischen Gesellschaftsrecht. Es geht um die Frage, ob das US-amerikanische Gesellschaftsrecht die Gründung von KI-geführten Gesellschaften erlaubt, die sodann mithilfe des deutsch-amerikanischen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages hierzulande tätig werden können. Daraus ergeben sich eine Reihe spannender normativer Implikationen für unser Zivil- und Handelsrecht. Mich fasziniert die Schnittstelle zwischen KI und Recht.

JURios: Vielen Dank, dass Du für unsere Fragen zur Verfügung standest!

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JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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