Erfahrungsbericht: „Informationsrecht und Legal Tech“

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Ein Zertifikatsstudiengang der LMU München

Die juristische Ausbildung in Deutschland ruht auf einem stabilen dogmatischen Fundament. Dieses Fundament hat sich über Jahrzehnte hinweg bewährt. Gleichwohl trägt es für sich genommen nicht mehr ausreichend in einem Rechtsmarkt, der sich unter dem Einfluss der Digitalisierung rasant verändert. Datenschutzrecht, IT-Sicherheitsregulierung, algorithmische Entscheidungssysteme und Legal Tech sind Themen, die im regulären Curriculum allenfalls punktuell behandelt werden, den juristischen Berufsalltag jedoch bereits maßgeblich prägen.

Der Zertifikatsstudiengang „Informationsrecht und Legal Tech“ der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) schließt diese Lücke in wesentlichen Teilen. Der folgende Beitrag schildert Struktur, Inhalte und den persönlichen Mehrwert aus der Perspektive eines Absolventen.

Warum dieser Studiengang?

Die Entscheidung zur Teilnahme fiel nicht schwer. Wer die Entwicklung des europäischen Regulierungsrahmens, etwa im Bereich der Datenschutz-Grundverordnung, des AI Act oder des Digital Markets Act, auch nur in Grundzügen verfolgt, erkennt schnell, dass Informationsrecht längst kein Nischenthema mehr ist. Vielmehr handelt es sich um einen Kernbestand moderner Rechtspraxis, der in nahezu allen wirtschaftsnahen Tätigkeitsfeldern an Bedeutung gewinnt.

Im regulären Pflichtprogramm des Jurastudiums kommen diese Materien dennoch häufig zu kurz, während eine systematische Vertiefung in der Regel der Eigeninitiative überlassen bleibt. Genau an diesem Punkt setzt der Zertifikatsstudiengang an. Diese strukturelle Lücke war für mich der entscheidende Beweggrund für die Teilnahme.

Organisatorischer Rahmen

Der Aufbaustudiengang richtet sich an Jurastudierende der LMU und setzt bewusst keine technischen Vorkenntnisse voraus. Diese Konzeption erweist sich als überzeugend, da der Mehrwert des Programms nicht darin besteht, Juristinnen und Juristen zu Informatikern auszubilden. Vielmehr geht es darum, ein fundiertes rechtliches Verständnis für technologische Entwicklungen zu vermitteln und die Fähigkeit zu stärken, rechtliche Fragestellungen im digitalen Kontext sachgerecht einzuordnen.

Organisatorisch ist das Programm als studienbegleitende Zusatzqualifikation ausgestaltet. Die Lehrveranstaltungen lassen sich ohne nennenswerte organisatorische Schwierigkeiten in den regulären Studienverlauf integrieren, was die Teilnahme erheblich erleichtert. Prüfungen finden grundsätzlich in der vorlesungsfreien Zeit statt, sodass eine gleichzeitige Belastung durch laufende Lehrveranstaltungen weitgehend vermieden wird.

Inhalte: Breite mit Tiefgang

Inhaltlich deckt der Studiengang ein breites Spektrum ab. Dazu zählen insbesondere das IT-Recht, das Datenschutzrecht mit einem Schwerpunkt auf der Datenschutz-Grundverordnung, das IT-Sicherheitsrecht, das Cyberstrafrecht sowie Fragen der Compliance in digitalen Märkten. Ergänzt werden diese Bereiche durch eine Einführung in die Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten von Legal Tech.

Kennzeichnend für das Programm ist weniger der Anspruch vollständiger Abdeckung als vielmehr die konsequente Ausrichtung an der juristischen Praxis. Die Lehrveranstaltungen arbeiten regelmäßig mit aktuellen Fallkonstellationen und beziehen neue gesetzgeberische Entwicklungen auf nationaler und europäischer Ebene ein. Dadurch wird dem dynamischen Charakter des Informationsrechts in besonderer Weise Rechnung getragen. Hinzu kommt, dass zahlreiche Dozierende aus der Praxis stammen. Vertreten sind sowohl Großkanzleien wie Noerr als auch spezialisierte Beratungen wie HK2 sowie Vertreter aus dem bayerischen Justizministerium. Diese Mischung trägt erheblich dazu bei, theoretische Inhalte mit praktischen Einblicken zu verknüpfen.

Besonders hervorzuheben ist die Schwerpunktsetzung. Während die Diskussion über den Einsatz technologischer Lösungen in der Rechtsanwendung häufig auf einem abstrakten Niveau verbleibt, vermittelt der Studiengang konkrete Einblicke in Funktionsweisen und Einsatzmöglichkeiten entsprechender Systeme. Dadurch wird ein realistisches Verständnis dafür entwickelt, in welchen Bereichen technologische Unterstützung sinnvoll ist und wo zugleich rechtliche und tatsächliche Grenzen bestehen.

Prüfungen: Anspruchsvoll, aber fair

Die Prüfungsleistungen bestehen überwiegend aus schriftlichen Klausuren. Ergänzend sind eine Seminararbeit sowie zwei mündliche Leistungen zu erbringen. Der Schwierigkeitsgrad ist insgesamt angemessen, setzt jedoch eine eigenständige Auseinandersetzung mit den behandelten Themen voraus. Insbesondere die Einarbeitung in technisch geprägte Inhalte und bisher unbekannte Richtlinien und Gesetze erfordert ein gewisses Maß an zusätzlichem Engagement, das sich jedoch als fachlich gewinnbringend erweist.

Berufliche Relevanz

Die berufliche Relevanz der im Studiengang vermittelten Inhalte ist hoch. Kenntnisse im Informationsrecht sowie im Umgang mit digitalen Technologien gehören mittlerweile in vielen Bereichen zu gefragten Qualifikationen. Dies gilt sowohl für wirtschaftsberatende Kanzleien als auch für Technologieunternehmen, Regulierungsbehörden und internationale Organisationen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der Anwendung von technischen Prozessen als auch Kenntnisse über den Rechtsrahmen können daher einen erheblichen Wettbewerbsvorteil begründen.

Der Zertifikatsstudiengang „Informationsrecht und Legal Tech“ stellt keine bloße Zusatzoption dar, sondern ein substanzielles und inhaltlich überzeugendes Angebot für Studierende, die ihre juristische Ausbildung gezielt um zukunftsrelevante Kompetenzen erweitern möchten. Er vermittelt nicht nur spezialisiertes Fachwissen, sondern fördert zugleich ein vertieftes Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Recht und technologischer Entwicklung. Aus meiner Sicht handelt es sich um eine der sinnvollsten Zusatzqualifikationen, die derzeit im Bereich des öffentlichen Wirtschafts- und Regulierungsrechts angeboten werden.

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