Landesbester Absolvent in Niedersachsen gibt Tipps fürs erste Staatsexamen

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Bei den Ergebnissen der Ersten Juristischen Prüfung 2025 in Niedersachsen stammen sieben der zehn besten Absolvent:innen aus der Juristischen Fakultät der Universität Göttingen. Auf dem ersten Platz landete Luis Blödorn von der Universität Hannover, der einen Schnitt von 14,54 Punkten im ersten juristischen Staatsexamen erzielte. Wir haben mir ihm über seinen Erfolg gesprochen.

Herzlichen Glückwunsch zum landesbesten Ersten Staatsexamen 2025! Wie hast Du reagiert, als Du von Deinem Ergebnis erfahren hast?

Luis Blödorn: Vielen herzlichen Dank! Ich muss gestehen, als ich davon erfahren habe, lag der eigentliche Abschluss und die große Freude über das reine Ergebnis schon einige Zeit zurück. In dem Moment war es dann eher eine Mischung aus Stolz und Demut, weil ich realisiert habe, was für eine große Sache es ist, das beste Examen von fast 900 Versuchen zu absolvieren.

Wann war Dir erstmals klar, dass ein Prädikatsexamen für Dich realistisch sein könnte?

Luis Blödorn: Ich würde sagen, dass das nach Abschluss des Grundstudiums der Fall war. Meine Noten waren seit Beginn des Studiums ziemlich konstant auf einem hohen Niveau, sodass es nicht vermessen war, sich vorzustellen, dass sich das auch auf das Examen übertragen könnte.

Was hat Dich ursprünglich dazu motiviert, Jura zu studieren?

Luis Blödorn: In der Schule hat sich während der Oberstufe in mir der Wunsch herauskristallisiert, Richter werden zu wollen, ohne dass ich erklären könnte, wie genau es dazu gekommen ist. Und da man für das Richteramt nun mal Jura studieren muss, habe ich mich nach dem Abitur dafür eingeschrieben. Erst im Studium wurde mir dann klar, dass Jura ganz gut zu mir passt.

Hand aufs Herz: Warst Du schon immer „der Überflieger“ – oder gab es im Studium auch Krisen und Zweifel?

Luis Blödorn: Wie schon angedeutet waren meine Noten seit dem ersten Semester wirklich nicht verkehrt. Von daher passe ich wahrscheinlich sehr gut unter die Definition eines „Überfliegers“. Das schließt aber nicht aus, dass auch ich meine Krisen und Zweifel hatte. Ich glaube, wer solche nicht hat, ist entweder kein Mensch oder hat ein etwas zu großes Selbstbewusstsein. Entscheidend ist nur, dass man sich davon nicht unterkriegen lässt und weitermacht, um besser zu werden.

Welche Phase des Jurastudiums war für Dich persönlich die härteste?

Luis Blödorn: Definitiv die Phase zwischen den Klausurterminen. Ich hatte – wie es in Niedersachsen möglich ist – die Examensklausuren auf zwei Durchgänge aufgeteilt und mir „nur“ drei Monate dazwischen gelassen. In dieser Phase habe ich vom Lernpensum her noch einmal eine Schippe draufgelegt, um alles zu schaffen, war außerdem langsam am Ende meiner Kräfte und die drei Monate waren zwischen Oktober und Januar, wo die Tage ja ohnehin kürzer und dunkler werden. Das Ganze hat mich einige Energie gekostet und ich habe lange gebraucht, um mich vollständig zu erholen.

Wie sah ein typischer Lerntag in Deiner Examensvorbereitung aus?

Luis Blödorn: Ich habe eigentlich immer zwischen 7 und 8 Uhr am heimischen Schreibtisch angefangen und dort dann – natürlich mit Mittags- und Kaffeepause – bis 17 oder 18 Uhr verweilt. In den letzten drei Monaten habe ich dann öfter leider auch ein oder zwei Stunden länger als das gelernt. Am Abend habe ich dann Ausgleich gesucht, wahlweise beim Sport, mit Freunden oder nach einem Spaziergang auf der Couch. Ich möchte aber ganz klar dazusagen, dass auch mit weniger Zeit am Schreibtisch ein wirklich gutes Examen gelingen kann.

Wie wichtig waren Repetitorium, Lerngruppe und Klausurtraining wirklich?

Alles hat seine Berechtigung, gleichwohl würde ich wahrscheinlich nur ein gewisses Klausurtraining als wirklich unentbehrlich bezeichnen. Das Repetitorium gibt Struktur wie Übersicht und vermittelt Zusammenhänge, die man selbst so vielleicht nicht gesehen hätte. Dennoch ist es kein Allheilmittel und ich habe die größten Entwicklungsschritte in der eigenständigen Vorbereitung gemacht. Die Vorteile einer (gut funktionierenden) Lerngruppe – Inhalte zu diskutieren und zu erklären – lassen sich nicht von der Hand weisen, auch wenn ich selber nur kurz eine Art Lerngruppe hatte. Klausurpraxis dagegen ist elementar für das Examen und dafür sollten Klausuren ausgeschrieben werden. Allerdings sollte aus der Anzahl an geschriebenen Klausuren auch kein Überbietungswettbewerb werden, sondern jeder und jede sollte für sich ein Gefühl dafür entwickeln, in welchem Umfang Klausuren helfen. Eine Klausur pro Woche ist da aus meiner Sicht ein sinnvoller Richtwert.

Gibt es Lernmethoden oder Routinen, die Dir besonders geholfen haben?

Luis Blödorn: Lernen ist meines Erachtens nach etwas Hochindividuelles, deshalb plädiere ich immer dafür, den eigenen Weg zu finden, mit dem man sich wohl und innerlich sicher fühlt. Gleichzeitig ist es sinnvoll, sich von anderen inspirieren zu lassen. Ich habe mir zum Beispiel mit Schlagworten eine Übersicht über typische Probleme und Streitigkeiten in jedem Rechtsgebiet erstellt. Das hat mir sehr geholfen, einen Überblick über Rechtsgebiete und ihren Umfang zu gewinnen. Außerdem bin ich mithilfe dieser Liste am Ende jedes Lerntages kurz das am Tag Gelernte durchgegangen, um es zu festigen und ein Gefühl von „Ich habe heute etwas geschafft“ zu bekommen.

Was würdest Du rückblickend im Studium anders machen?

Luis Blödorn: Tatsächlich nicht viel, dafür bin ich mit dem Ergebnis zu zufrieden. Ich würde mich vermutlich im Grundstudium etwas entspannen, ich war gelegentlich etwas zu verkopft und habe aus Pflichtgefühl oder Perfektionismus die eine oder andere Stunde relativ ertragslos und wenig sinnvoll investiert. Zugleich darf nicht unterschätzt werden, dass auch die ersten Semester einen Grundstein legen, auf den in der Examensvorbereitung aufgebaut werden kann.

Viele Studierende kämpfen mit psychischem Druck und Examensangst. Wie bist Du damit umgegangen?

Luis Blödorn: Viele Studierende schließt auch meine Wenigkeit ein. Meiner Meinung nach ist es am wichtigsten, darüber offen mit Menschen zu sprechen, die einem ernsthaft zuhören. Ich hatte das große Glück, dass ich mich jederzeit an meine Freunde und Eltern wenden konnte, die mir stets Mut zugesprochen haben. Für diese mentale Unterstützung, und sei es auch nur durch ein kurzes Telefonat, bin ich ausgesprochen dankbar. Das Gefühl zu haben, nicht alleine und für sich mit dem Druck klarkommen zu müssen, hilft enorm.

Hattest Du während der Vorbereitung auch Momente, in denen Du ans Aufgeben gedacht hast?

Luis Blödorn: Ehrlich gestanden habe ich ans Aufgeben zu wirklich keinem Zeitpunkt gedacht, was sich allerdings mit meinen Noten sicherlich auch einfacher sagen lässt. Letztlich habe ich schon früh im Studium angefangen, zwischen einer momentan schlechten Phase und dem großen Ganzen, also dass mir Jura an sich gefällt, zu differenzieren. Wenn die Perspektive überzeugend ist, dann ist Aufgeben keine Option.

Welche Fehler machen Jurastudierende Deiner Meinung nach besonders häufig in der Examensvorbereitung?

Luis Blödorn: Ich spreche nur ungern von Fehlern, weil für jede und jeden der ideale Weg anders aussehen kann und ich es mir daher nur begrenzt anmaße, zu urteilen. Trotzdem steckt das meiste Verbesserungspotenzial wahrscheinlich in Grundlegendem. Konstant Zeit zu investieren, Klausuren zu schreiben, dranzubleiben, auch wenn man gerade keine Lust hat, all das ist mental schwer, aber kein Hexenwerk. Auf inhaltlicher Ebene kann ich nur raten, sich übersichtliche Strukturen zu schaffen und Inhalte oft genug zu wiederholen, weil vergessen menschlich ist.

Wie wichtig sind Talent und Intelligenz wirklich – und wie viel ist schlicht Disziplin?

Luis Blödorn: Für die absoluten Spitzenergebnisse ist wahrscheinlich meistens wie bei mir eine Mischung aus beidem erforderlich. Dennoch lässt sich mit Disziplin und harter Arbeit sehr viel erreichen, auch wirklich gute Examina. Für mich ist dabei auch Ausdauer immer ein zentraler Faktor, denn über einen längeren Zeitraum konstant zu sein ist wichtiger als an einzelnen Tagen herausragend zu sein. Ich kann daher jede und jeden nur ermutigen, sich reinzuhängen und die Früchte harter Arbeit zu ernten.

Was würdest Du Studierenden raten, die aktuell mitten in der Examensvorbereitung stecken und an sich zweifeln?

Luis Blödorn: Ratsam ist es, sich weniger mit anderen zu vergleichen, denn Vergleiche sind verlässlich ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen. Andere Personen haben ihre eigenen Probleme, ohne dass diese äußerlich sichtbar wären. Stattdessen sollte der Fokus mehr auf sich selbst liegen und darauf, den eigenen Fortschritt wahrzunehmen. Man sollte sich der kleinen Erfolgserlebnisse bewusst werden, etwa wenn man eine Sache zum ersten Mal verstanden hat oder eine Verknüpfung im Kopf hergestellt hat. Außerdem fällt es angesichts der unendlichen Stoffmenge leicht, das eigene Wissen zu unterschätzen. Häufig richtet sich der Blick auf das, was man noch zusätzlich lernen könnte, und nicht auf das viele Wissen und grundlegende Verständnis, das man schon hat.

Zum Abschluss noch: Das Examen ist wichtig, ist aber nicht der alleinige Sinn des Lebens und definiert nicht den eigenen Wert als Mensch. Und: Nach dem Regen kommt auch wieder die Sonne, das Leben nach der Examensvorbereitung ist ohne Frage lebenswerter.

Und zum Abschluss: Was hast Du jetzt vor? Wohin geht die Reise?

Ich bin seit dem Abschluss meines Examens Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Frau Professorin Seckelmann, bei der ich zuvor bereits drei Jahre als studentische Hilfskraft tätig sein durfte. Daneben arbeite ich an einer Promotion im Verfassungsrecht. Danach führt mich die Reise in das zweite Staatsexamen und von dort aus sehen wir weiter. Die Idee der Richterbank besteht aber weiterhin.

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JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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